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Seniorenkino
Ein Film voller Wunder läuft im Seniorenkino

André Wilms und Kati Outinen spielen die Hauptrollen in dem Film „Le Havre“, der morgen im Seniorenkino der Kinowerkstatt läuft.
André Wilms und Kati Outinen spielen die Hauptrollen in dem Film „Le Havre“, der morgen im Seniorenkino der Kinowerkstatt läuft. FOTO: Pandora
St. Ingbert. Im Seniorenkino, am Mittwoch, 14. Februar, um 16 Uhr ist der Film „Le Havre“ (Finnland/Frankreich/Deutschland 2011) von Regisseur Aki Kaurismäki zu sehen. „Er sei zu sensibel für traurige Filme, sagt der Regisseur und erläuterte, „Le Havre“ sei kein realistischer Film, sondern ein Happy-End-Film voller Wunder und ein Plädoyer für mehr Brüderlichkeit. Das zentrale Wunder: Die Menschen sind nett zueinander, richtig edel, hilfreich und gut. Marcel Marx (André Wilms), früher Autor und wohlbekannter Bohemian, hat sich vor längerer Zeit in sein frei gewähltes Exil, die Hafenstadt Le Havre, zurückgezogen. Hier geht er inzwischen der ehrenwerten, aber nicht sonderlich einträglichen Tätigkeit eines Schuhputzers nach. „Als Schuhputzer kann ich der Gesellschaft einen viel besseren Dienst erweisen denn als Schriftsteller!“ red

Der Traum vom literarischen  Durchbruch ist längst begraben, und so führt er ein zufriedenes Leben zwischen Arbeit, Bar und seiner Frau Arletty (Kati Outinen). Seine Frau Arletty passt auf ihn auf und sein Hund Leica. Hier und da borgt er sich ein Baguette in der Bäckerei von Yvette, hat Schulden beim Lebensmittelhändler, trinkt ein Gläschen in der Bar von Claire. Das Leben könnte so weitergehen bis zum Schluss. Marcel kann eigentlich niemand böse sein, denn im Grunde ist jetzt sein Leben ein Roman. Aber da geschehen zwei Dinge: Arletty wird krank und muss ins Hospital. Und Marcel gabelt den jungen Idrissa auf, der aus einer Gruppe von Flüchtlingen aus Gabun den Polizisten entkommen konnte.


Marcel Marx versteckt den Jungen bei sich, dessen großer Wunsch es ist, nach London zu kommen, zu seinen Verwandten. Und das Schicksal will, dass er zum Schutzengel für den illegal aus Afrika eingeschleusten Idrissa wird. Bei dem Unternehmen, den Jungen zu verstecken und das Geld für die Überfahrt zusammen zu bringen, helfen alle Bewohner des Viertels, was nicht leicht ist, weil ein Denunziant umgeht, und weil Inspektor Monet von seinem Vorgesetzten dringlich darauf hingewiesen wurde, dass der Junge unter allen Umständen zu finden sei, die Presse ist schon aufmerksam. Man veranstaltet ein Benefizkonzert mit „Little Bob“, dem „Elvis des französischen Rock‘n‘Roll“, um Idrissa die Überfahrt zu seinen Verwandten nach London zu ermöglichen.

Aki Kaurismäkis Kino ist ein Kino der schönen Evidenz: Die Einfachheit und Klarheit seines Films „Le Havre“ besteht zum Beispiel in derBehauptung, dass die Welt besser sein könnte und sollte. Er verehrt  Robert Bresson, Jean-Luc Godard, Rainer Werner Fassbinder, Douglas Sirk, D. W. Griffith, Vittorio De Sica. Man fragt sich: Wie schafft Aki Kaurismäki es eigentlich, seinen horrenden Pessimismus in so herzensgütige Filme zu verwandeln?