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Ein Erlebnis mit Seltenheitswert

 Wohl zu keinem anderen Anlass passte die Bezeichnung Industriekathedrale Alte Schmelz besser als zur Aufführung des „War Requiem“ von Benjamin Britten, der das monumentale Werk aus Anlass der im 2. Weltkrieg zerstörten und 1962 wiedererrichteten Kathedrale in Coventry komponierte. Auf dem Foto ist der Knabenchor des Mainzer Doms zu sehen. Foto: Cornelia Jung
Wohl zu keinem anderen Anlass passte die Bezeichnung Industriekathedrale Alte Schmelz besser als zur Aufführung des „War Requiem“ von Benjamin Britten, der das monumentale Werk aus Anlass der im 2. Weltkrieg zerstörten und 1962 wiedererrichteten Kathedrale in Coventry komponierte. Auf dem Foto ist der Knabenchor des Mainzer Doms zu sehen. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. Für viele ist es eine Sternstunde der Musik, so wie es auch im Programm zu lesen war: Vor wenigen Tagen wurde das „War Requiem“ von Benjamin Britten in der Alten Schmelz aufgeführt – pünktlich zu dessen 100. Geburtstag. Von SZ-MitarbeiterinCornelia Jung

. Am vergangenen Freitag wurde das "War Requiem" von Benjamin Britten in der Industriekathedrale Alte Schmelz in St. Ingbert aufgeführt (wir berichteten), zu dem der Lions Club und die Stadt St. Ingbert eingeladen hatten. Dieses Werk und seine Aufführung hatten in jeglicher Hinsicht Symbolcharakter.

Diese musikalische Art des Totengedenkens wird vor allem im Monat November, bevorzugt in zeitlicher Nähe zum Totensonntag, aufgeführt. Zur Wiedereröffnung der im Zweiten Weltkrieg dem Erdboden gleichgemachten Kathedrale von Coventry komponiert und für deren spezielle Akustik ausgelegt, gab es wohl im näheren Umkreis von St. Ingbert keinen besseren Platz, um die monumentale Komposition zu präsentieren.

Und auch keinen besseren Zeitpunkt, denn an eben jenem Freitag vor genau 100 Jahren wurde der Komponist Britten in England geboren. Im Programmheft wird das "War Requiem" als Sternstunde der Musik, großes Konzerterlebnis, musikalisches Highlight, monumentales Jahrhundertwerk und hochkarätiges Benefizkonzert "gehandelt". Stephan Toscani, Minister für Finanzen und Europa im Saarland, der in Vertretung der Schirmherrin Annegret Kramp-Karrenbauer zum Konzert gekommen war, freute sich besonders, mit den zahlreichen Gästen dieses "musikalische Erlebnis teilen zu können". Mit diesem Ereignis beweise man, wie reich das Saarland eigentlich sei. Nicht gemessen an seinen Finanzen, sondern musikalisch und kulturell.

Toscani war in doppelter Funktion auf der Alten Schmelz, wie er sagte, einmal als Vertreter der saarländischen Landesregierung und gleichzeitig als Mitglied des Lions Clubs, der mit den Netto-Einnahmen aus den verkauften Eintrittskarten und der Beteiligung verschiedener Sponsoren die Basis für sein umfangreiches soziales Engagement legt. Die Nutznießer sind Kinder und Jugendliche in St. Ingbert und Umgebung. "Dort, wo weder Staat noch andere Organisationen zuständig oder in der heutigen Zeit überfordert sind, bieten die ,Löwen' ihre Hilfe an", so Oberbürgermeister Hans Wagner in seinem Grußwort.

Unterstützt werden dabei Veranstaltungen wie die Special Olympics, ein Schwimmkurs für benachteiligte Kinder, die Begabtenförderung und viele andere Projekte. So konnte bereits zum dritten Mal eine Ferienfreizeit für Kinder in Falkenstein organisiert werden.

In diesem Jahr wurde zum zehnten Mal solch ein Sonderkonzert durchgeführt. Ginge es nach dem Willen der Zuhörer, wäre solch eine Veranstaltung auch jährlich willkommen. Doch die zweijährige Pause zeugt davon, dass es eines nicht unerheblichen organisatorischen Aufwandes bedarf, bis Orchester, Chöre, Veranstaltungsort und Werbung miteinander koordiniert waren. Von den finanziellen Aufwendungen ganz zu schweigen.

"Kunst kostet",, so der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Thomas Kleist, im Programmheft. Und weil es so ist und weil der Saarländische Rundfunk viele seiner Hörer am Musikgenuss teilhaben lassen wollte, wurde es im SR 2 KulturRadio übertragen und für die Ewigkeit archiviert.