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Ein Apfel am Tag

Vielen Kindern schmecken Äpfel. Sie müssen sie, wie hier auf unserem Archivfoto, nur mal probieren. Foto: Bernhard Reichhart
Vielen Kindern schmecken Äpfel. Sie müssen sie, wie hier auf unserem Archivfoto, nur mal probieren. Foto: Bernhard Reichhart FOTO: Bernhard Reichhart
Saarpfalz-Kreis. Nicht nur beim Zugang zu Lerninhalten sollten alle Kinder die gleichen Chancen haben, auch bei gesunder Lebensführung darf man sie nicht alleine lassen. Hier einen guten Start zu geben, ist das Ziel der Gesundheitsförderung des Saarpfalz-Kreises. Christine Maack

Das Gesundheitsamt des Kreises hat das gleiche Problem wie das Jugendamt: läuft alles gut, nimmt die Bevölkerung dies als selbstverständlich hin. Wird jedoch ein misshandeltes Kind aufgefunden oder breitet sich eine mysteriöse Tuberkulose-Infektion aus, bekommt das Problem sofort eine riesige öffentliche Aufmerksamkeit. Und jahrelange gute Arbeit ist auf einen Schlag nichts mehr wert.



Macht die Arbeit unter diesen Umständen denn Spaß? Dr. Sigrid Thomé-Granz, die Leiterin des Kreis-Gesundheitsamtes, kennt die Situation: "Klar, wenn es gut läuft, ist alles gut. Dafür muss man täglich sorgen." Das Aufgabengebiet des Gesundheitsamtes ist breit gefächert, von der Kontrolle des Trinkwassers über Einschulungs-Untersuchungen bis zur Krankenhaushygiene. Eine große Verantwortung, die Thomé-Granz seit 2004 hat. Ihr zur Seite stehen 39 Mitarbeiter, darunter sieben Mediziner. Nun war Sigrid Thomé-Granz zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Eva Schwerdtfeger zu Gast in unserer Redaktion. Dabei ging es zum Glück nicht um Gesundheitsgefährdungen, sondern eher um die angenehmen Seiten des Berufs, nämlich um die Gesundheitsförderung des Kreises.

Also um positive Arbeit, noch dazu mit Kindern und Jugendlichen, denen man noch etwas beibringen kann. Zum Beispiel über Bewegung, gesunde Ernährung oder den richtigen Umgang mit Nahrungsmitteln. Gut angekommen ist die 2013 ins Leben gerufene Aktion "3000 Schritte in der Kita extra" (wir berichteten), oder die "Power-Ernährung" in der Grundschule. "In der Zeit von Fastfood, Bewegungsmangel und zu viel Medienkonsum wird es immer schwieriger, den richtigen Weg zu einer gesunden Lebensweise zu finden", betont Eva Schwerdtfeger.

Deshalb gibt es in allen zweiten Grundschulklassen des Saarpfalz-Kreises zwei Extra-Schulstunden, die der gesunden Lebensweise gewidmet sind. Die Kinder erhalten Erklärungen über gesundes und ungesundes Essen, sie bekommen einen Tag lang Mischkost, die von einem Forschungsinstitut für Kinderernährung entwickelt wurde - und sie müssen sich eine Schulstunde zusätzlich bewegen.

Spaß macht das allemal, doch wirkt sich diese Aktion auch tatsächlich auf das Leben der Kinder aus? "Das kann man nicht in Zahlen belegen, es ist ja nicht so, dass die Kinder von einem Tag auf den anderen ihr Verhalten ändern", sagt Sigrid Thomé-Granz, "aber es ist doch so, dass wir bei Kindern etwas anstoßen, dass sie auch mal ihren Eltern sagen, sie wollen lieber Wasser als ein Süßgetränk oder lieber einen Apfel anstatt einen Schokoriegel."

Oft herrsche bei Eltern auch Unwissenheit vor, vor allem, wenn sie aus anderen Kulturkreisen stammen. Eva Schwerdtfeger erinnert sich an eine Mutter aus Osteuropa, die ihrem Kind ständig Cola zu trinken gab, "sie dachte, das sei ein gutes Getränk, weil es für sie früher als Kind unerreichbar war". Deshalb liege es nahe, auch die Eltern anzusprechen, damit sie den Kindern ein gutes Beispiel geben können.

"Eine Zielgruppe der Aufklärung sind deshalb natürlich auch Migrantinnen", betont Thomé-Granz, "wir bieten Fahrradkurse und Ernährungsberatung an". Denn gerade Übergewicht sei ein Problem, mit dem viele Migrantinnen zu kämpfen haben. Das liege einerseits an der zucker- und fetthaltigen Ernährung sowie an Bewegungsmangel.