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Diese Schule macht wenig Ferien

Die Schüler der Rohrbacher Gemeinschaftsschule bei der Probe für das Theaterstück „Theater träumt Schule“. Foto: Oliver Bergmann
Die Schüler der Rohrbacher Gemeinschaftsschule bei der Probe für das Theaterstück „Theater träumt Schule“. Foto: Oliver Bergmann FOTO: Oliver Bergmann
Rohrbach. Man stelle sich vor, dass Jugendliche bei bestem Ferienwetter freiwillig in die Schule kommen, um Deutsch zu lernen und nebenbei noch ein Theaterstück einstudieren. Gibt's nicht? Gibt's doch – bei der Sommerschule in der Erweiterten Realschule Rohrbach. Von SZ-MitarbeiterOliver Bergmann

Julian hat in den ersten beiden Ferienwochen sein großes Ziel erreicht. "Ich wollte schon immer einmal in einem Theaterstück mitspielen." Die Sommerschule, die saarlandweit an 14 Schulen, darunter auch an der Rohrbacher Gemeinschaftsschule stattfand, hat es möglich gemacht. Dass die meisten seiner Freunde die Zeit wohl eher im Freibad verbracht haben, sieht der Elfjährige gelassen - er hat trotzdem Spaß gehabt. Das galt auch für seine 14 Mitschüler. Désirée (zwölf) ist eine von ihnen. "Das Stück, für das wir geübt haben, hieß ‚Theater träumt Schule'. Wir spielten, dass Schule auch langweilig sein kann." Die Schüler schliefen ein und fingen an zu träumen. Ein Traum handelte vom Shakespeare-Klassiker ‚Romeo und Julia', der Zweite war ein wahrer Albtraum: Er handelte von einem Mobbing-Fall.

Für etwa die Hälfte der Schüler ging es bei der Sommerschule aber um mehr als nur ein Theaterstück. Sie feilten nämlich fleißig und erfolgreich zugleich mit Sprachförderin Dali Lehnert an ihren Deutsch-Kenntnissen. "Das Ganze lief so: Erst wurde drei Stunden lang spielerisch die Sprache gelernt, dann wurden drei Stunden für das Theaterstück geprobt", erzählt Lehnert. Dabei waren Kinder, die kaum, zum Teil sogar gar kein Deutsch sprechen. Die US-amerikanischen Schwestern Daria (elf) und Avianna (13) waren, abgesehen von den deutschen Kindern, schon sehr weit.

"Wir wurden in Rheinland-Pfalz geboren", schildern die Töchter einer Soldatin, die zuletzt in Afghanistan im Einsatz war, jetzt aber wieder unversehrt zu ihrer Familie ins Saarland zurückkehrte. Während sich Lehnert um die Sprachförderung kümmerte, liefen beim Schauspieler und Regisseur Martin Huber alle theaterrelevanten Fäden zusammen. Den Schülern stellte er schon vor der Aufführung am Freitag in Völklingen ein starkes Zeugnis aus - dabei rechnete er im Vorfeld eher mit dem Gegenteil. "Das, was ich mit den Schülern gemacht habe, ist eigentlich das Schwierigste, was man sich antun kann. Die Altersspanne war sehr groß, zudem lernten die meisten Kinder ja auch noch die Sprache. Aber es ist sehr gut gelaufen, wir hatten eine schöne Gruppe beisammen und jeder wollte etwas erreichen."

Huber stand Felicitas Becher zur Seite. Sie registrierte bei allen Kindern Entwicklungsfortschritte - nicht nur bei denen, die sprachlichen Nachholbedarf hatten: "Der eine lernt, lauter zu sprechen, der andere lernt, sich stärker zu konzentrieren."

Von den Lobeshymnen durfte sich auch die Schulleitung um Susanne Fritz angesprochen fühlen. "Es gibt Schulen, die unsere Arbeit eher als Belastung empfinden - das ist hier ganz anders. Sogar zwei externe Betreuerinnen wurden den Kindern zur Seite gestellt. Julia Wendel und Jennifer Krill spielten mit ihnen in den Pausen oder organisierten Ausflüge. Unter anderem ging es ins Dynamikum nach Pirmasens. "Als wir angefangen haben, konnten fünf Kinder noch gar kein Deutsch - jetzt sprechen sie schon richtig viel", staunte Jennifer Krill.