| 20:37 Uhr

Stampesse
Die Herrlichkeiten blieben zu Hause

Ein Heimspiel hatte Travestiekünstler Angy bei der Frauensitzung der Stampesse in Rohrbach.
Ein Heimspiel hatte Travestiekünstler Angy bei der Frauensitzung der Stampesse in Rohrbach. FOTO: Cornelia Jung
Rohrbach. Männer! Männer können alles und zeigen fast alles — so präsentierte sich die Frauenfastnacht der Stampesse in Rohrbach bei voller Rohrbachhalle.

Eine Frauensitzung ist etwas ganz Besonderes. Da lassen Frauen die Männer auf der Bühne nach ihrer Pfeife tanzen. „Wir gehen alleen, denn ohne Männer ist halt scheen“, reimte die Elferrratspräsidentin, wobei sie damit die zu Hause gebliebenen Herrlichkeiten meinte. Denn die andere gestalteten ja zur Freude der ausgelassen feiernden närrischen Damen den größten Teil des Programms. Der (Ehe-)Mann blieb zu Hause, damit am Freitag in der Rohrbachhalle auch mal die Sau rausgelassen werden konnte. Christiane Heib und Karin König hielten die Fäden der Veranstaltung als Moderatorinnen in der Hand und waren ganz nah dran an ihnen, denen über vier Stunden die ganze Aufmerksamkeit galt - den Männern. Eisbrecher des Abends waren „Los Vambos“, in deren Schautanz sich Eisbären und Pinguine begegneten. Schon diese tänzerische Begegnung sorgte für Lacher und viel Beifall, aber die Schneehäschen waren der Kracher. Röckchen, Öhrchen und Stummelschwänzchen wurden gekonnt in Szene gesetzt. Die Hitze der Nacht war das Ding dieser Eisgesellschaft und zur Belohnung wurde eine Rakete für diese weiße „Unschuld“ gezündet. Nicht erst da war das Eis gebrochen und die Bühne frei für viel tanzende und singende Männlichkeit. Partysänger Wolfgang Heib sorgte für Stimmung und animierte zur Polonaise. „Chinesische“ Danzdeiwel sorgten dann als Yin und Yang wieder für Ausgeglichenheit. Ein Fest für‘s Auge und die Ohren. Waren die bisherigen Männer allein durch die Tatsache, dass sie tanzen oder singen konnten, die gefeierten Stars des Tages, mochte man beim Losheimer Männerballett nicht nur hinsehen, sondern am liebsten mitmachen. Denn bei ihnen traf Kraft auf Anmut. Zu „Rhythm is a dancer“ schlug die „Music-Mafia“ zu und manch eine wäre wohl gern Pate bei ihnen gewesen. Bei so viel Testosteron auf der Bühne hatte es Andy schwer, also blieb dem Stripper nichts anderes übrig, als sich auszuziehen, um die ganze Aufmerksamkeit zu bekommen. Ausziehen mussten sich die Stampesstrampler nicht, hatten sie doch mehr zu bieten als nackte Haut, die am Anfang noch von Regenschirmen verdeckt wurde. Denn „Ist das Wetter noch so drieb, immer hoch die Gellerieb“ hieß ihr Motto und man glaubte ihnen aufs Wort, dass sie sich das Tanzen nicht so schnell vermiesen ließen. Nicht nur gute Laune versprühten auch die Magic Artist, bei denen es heiß wurde, sehr heiß. Das lag nicht nur an den akrobatischen Darbietungen der Männer um Frontfrau Katja, sondern vor allem an den Feuereffekten der Truppe, bei der die diensthabende Feuerwehr wohl jedes Mal froh ist, dass die Halle noch steht. Und auch die Polizei kam nicht wegen ihnen, sondern ausschließlich, um (gute) Stimmung zu machen. Das Party-Einsatzkommando der „Betzebummler“ kämpfte mit allen Mitteln, ließ die Hüllen fast vollständig fallen, um mit Leoparden-Slips tierisch abzufeiern. Mann, oh Mann. Seeräuber glätteten dann die Wogen, was aber nicht heißt, dass das Partyfieber sank. Spaß haben, Freude machen und zum Mitmachen bewegen, das ist Angys Anspruch und darauf wollte frau im Publikum auch nicht verzichten, wohlwissend, dass es laut Programm danach hoch her gehen würde. Hatten sich doch die Mongolen aus Bebelsheim zum Kampf angesagt. Würden alle Schlachten dieser Welt so wie dort mit Musik geschlagen, Mann was könnte das schön sein. „Ist der Mann gesund, freut sich der Mensch“, heißt es so ähnlich in einer Werbung, doch wehe der Männerschnupfen schlägt zu. Was das bedeutet, vertanzten die vierfachen Saarlandmeister aus Steinbach. Aber wenn das Leiden so toll dargestellt wird, dass es die Besucherinnen von den Sitzen reißt, dann kann es ja doch nicht so schlimm sein. Und um es frei nach Herbert Grönemeyer zu sagen: Oh Männer sind so verletzlich (…) Männer haben Muskeln, Männer sind furchtbar stark, Männer können alles – wen sie denn wollen. Dass sie es können, haben sie am Freitag jedenfalls bewiesen.