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IGBCE
Bergbau-Gewerkschaft IGBCE ehrt langjährige Treue

Die Gewerkschaft IGBCE hat am Samstag im Bergmannsheim in Ensdorf  ihre Jubilare geehrt.
Die Gewerkschaft IGBCE hat am Samstag im Bergmannsheim in Ensdorf  ihre Jubilare geehrt. FOTO: Andreas Engel /
St. ingbert/Ensdorf. 57 Gewerkschafter haben der IGBCE, Betriebsgruppe Saar, die Treue gehalten. Das wurde jetzt gewürdigt.

Wenn etwas unwiederbringlich zu Ende geht, schwingt immer Wehmut mit. Das ist derzeit auch bei der Bergbaugewerkschaft IGBCE zu spüren. Die IGBCE, Betriebsgruppe Saar, hatte ihre Mitglieder zur Jubilarehrung ins Bergmannsheim nach Ensdorf eingeladen. 57 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wurden für 25, 40, 60 Jahre und mit Norbert Müller und Franz Speicher gar für 70 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Als die beiden Männer der Gewerkschaft beitraten, hieß die heutige IGBCE noch Industrieverband Bergbau, der Franc wurde im Saargebiet eingeführt, und die deutschen Bundesbürger konnten sich über die D-Mark freuen, so lange ist das schon her.


Wie ein roter Faden zog sich die bergbauliche Vergangenheitsbewältigung durch die Redebeiträge. Martin Becker, Vorsitzender der Betriebsgruppe Saar, erinnerte an die mahnenden Worte des früheren Gewerkschaftsvorsitzenden Hans Berger, der formulierte: „Niemand darf ins Bergfreie fallen“, das beherzige die Gewerkschaft bis heute.

Mit dem saarländischen Kultus- und Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) war ein Politiker eingeladen, der dem Bergbau immer solidarisch zugeneigt war, so Becker. Zudem seien in der Energiewirtschaft gewerkschaftliche und politische Themen stets eng miteinander verflochten. Und seit Anfang dieses Jahres hat Commerçons Kulturressort die Abteilung Industriekultur übernommen, die zuvor im Wirtschaftsministerium angesiedelt war, also noch eine Verbindung mehr.



Für Ulrich Commerçon stellt sich jetzt nach dem Ende des Bergbaus an der Saar vor sechs Jahren und dem vollständigen Ende des Steinkohlebergbaus in Deutschland im Dezember 2018 die Frage, wie mit dem industriellen Erbe umgegangen werde. Er sprach von „Ewigkeitschancen“ statt von „Ewigkeitslasten“. 261 Jahre Steinkohlebergbau an der Saar habe nicht nur Landschaften verändert, sondern auch Menschen ökonomisch, gesellschaftlich und kulturell geprägt. Da müsse angeknüpft werden. Ohne den Bergbau gäbe es das Saarland als politische Einheit überhaupt nicht. Commerçon lobte die Gewerkschaften, „die für Solidarität, Freiheit und Demokratie gekämpft haben und weiter kämpfen werden“.

Gewerkschaftssekretär Heiko Metzger forderte mehr gewerkschaftliche Präsenz in den Schulen. In der Vergangenheit hätte es hier immer wieder Probleme gegeben. Das bestätigte auch Bildungsminister Commerçon, wenngleich er daran erinnerte, dass es in diesem Jahr erstmals gelungen sei, die Berufsschul-Tour der DGB-Jugend im Saarland durchzuführen.

Auch Ulrich Wessel, RAG-Arbeitsdirektor, beschäftigte sich mit dem Niedergang des Bergbaus in Deutschland. Ein bedeutendes Kapitel deutscher Industriegeschichte gehe jetzt zu Ende. Früher habe es im Bergbau einmal 600 000 Beschäftigte gegeben. Neben der Industriekultur, die augenblicklich in den Revieren Akzente setze, gehe es aber auch um weitere Themen der Nachbergbauzeit. „Wir alle haben noch sehr viel zu tun“, sagte Wessel.

(eng)