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Die etwas andere Ananas im Schrebergarten

Der 21-jährige Florian Görlitz errichtete ohne Hilfsmittel, wie Gerüst oder Kran, einen fünf Meter hohen Turm in seinem Garten. Foto: Teresa Bauer
Der 21-jährige Florian Görlitz errichtete ohne Hilfsmittel, wie Gerüst oder Kran, einen fünf Meter hohen Turm in seinem Garten. Foto: Teresa Bauer FOTO: Teresa Bauer
Rentrisch. Nach dem Vorbild der Natur konstruierte Florian Görlitz einen ganz besonderen Turm Teresa Bauer

Jeder hat schon mal irgendwann etwas gebaut. Im Kindergarten waren es meist Türme aus Spielsteinen. In der Erwachsenenwelt gestaltet sich das Errichten eines Gebäudes da schon etwas schwieriger - allen voran benötigt man im Allgemeinen ein Gerüst und einen Baukran. Dass es aber auch einfacher geht, beweist der Heidenheimer Florian Görlitz. Ganz ohne Kran, Leiter und vor allem ohne Abfall, konstruierte der 21-Jährige einen rund fünf Meter hohen Turm auf dem Gelände seines Schrebergartens in Rentrisch. Inspiriert wurde Görlitz dabei von der Natur. Bevor er an der Universität des Saarlandes sein Studium der Biophysik begann, reiste er durch Osteuropa, Indien und den Himalaya. Er beteiligte sich an verschiedenen Projekten der Welthungerhilfe, wie beispielsweise ein Wasser-Recycling-Projekt bei dem Wasser mittels Pflanzen aufbereitet wird. Die Pflanzen in der Natur faszinierten ihn schon immer und nach einiger Zeit fielen ihm äußerliche Gemeinsamkeiten auf. "Bäume, eine Ananas oder auch Tannenzapfen wachsen eigenständig in einer Rotationsbewegung nach oben", so Görlitz. Er sei überzeugt gewesen, dass die Spiralform auch für moderne Gebäude genutzt werden könne. Ein halbes Jahr berechnete er unter Verwendung mathematischer Besonderheiten, wie dem Goldenen Schnitt und der Fibonacci-Folge, eine Formel, mit der er einen Turm allein vom Boden aus und ohne weitere Hilfsmittel nach oben bauen könne. Zunächst konstruierte er eine Rampe in Form einer Schnecke. Von da an montierte er ein Holzelement, bestehend aus drei Stangen und einem Verbindungsstück, nach dem anderen, die er mittels der Rampe nach oben rotieren konnte. Das Besondere an den Elementen sei, "dass zwei der drei Stangen gleich lang sind". Innerhalb eines Tages errichtete er so den knapp fünf Meter hohen Turm. "Ich kann den Turm auch binnen weniger Stunden wieder abbauen", erklärt Görlitz. "In der klassischen Architektur wird meist nur ein 90 Grad Winkel verwendet. Ich möchte allerdings zeigen, dass man durch verschieden läufige Spiralen und verschiedene Winkel so geschickt bauen kann, wie die Natur es tut." Außerdem könne man, je nach Bedürfnis des Gebäudes, die Struktur anpassen. Mit weniger Spiralen könne man schnell in die Höhe bauen, viele Spiralen machen das Gebäude aber stabiler. "Diese Technik ermöglicht auch eine gute Kräfteverteilung. Der Wind wird beispielsweise auf alle Spiralen gleichmäßig verteilt, was für die Konstruktion für Windräder interessant wäre." Neben dem Bauaspekt, bei dem Görlitz nur das Baumaterial verwendete, und dem ästhetischen Aspekt, sei die Spiralstruktur auch in der Nanophysik sinnvoll einzusetzen. "Man kann dadurch minimal kleinste Strukturen, Atomstrukturen, konstruieren," betont Görlitz. Er plane nun einen zweiten Verbindungsturm zu errichten, oder sich an einer Kuppel zu versuchen. Doch vor allem möchte er einen Denkanstoß geben und den Leuten die Augen zur Natur öffnen.


Florian Görlitz hielt die Arbeiten am Turm auf Video fest. Das Ergebnis gibt es unter www.youtube.de/goldentower-agrowingbuilding.com .