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Die bedarfsgerechte Sackgasse

An diesen Pollern auf dem Hobels scheiden sich die Geister. Einige der Anwohner begrüßen die Sperrung der Hobelsstraße, andere möchten sie dauerhaft entfernen. Foto: Cornelia Jung
An diesen Pollern auf dem Hobels scheiden sich die Geister. Einige der Anwohner begrüßen die Sperrung der Hobelsstraße, andere möchten sie dauerhaft entfernen. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. Die Poller nahe dem Pfarrheim in der Hobelsstraße werden ganz unterschiedlich wahrgenommen. Für die einen schaffen sie eine künstliche Grenze zum benachbarten Neubaugebiet. Für andere sind sie ein wichtiger Schutz gegen unliebsamen Durchgangsverkehr. Cornelia Jung

Für Anja Wadle, eine Bewohnerin der Hobelsstraße in St. Ingbert , war die Welt in Ordnung, als hinter ihrem Haus noch Feld und Wiese begann und sie ihre Straße ungehindert in beide Richtungen befahren konnte. Dann wurde das Neubaugebiet auf dem Hobels erschlossen und es dauerte nicht lange, bis einige Alt-Hobelser sich vom Durchgangsverkehr in ihrer steilen Straße am Fuße der Josefskirche genervt fühlten. Als Konsequenz wurden zuerst große Steine in der Nähe des Pfarrheims auf dem Hobels auf die Straße gelegt, später wurden diese zur Seite gerückt und Poller installiert. Damit wurde der Durchgangsverkehr von der Hobelsstraße in Richtung Pfarrer-Lauer-/Bert-Brecht-Straße und umgekehrt unterbunden.


Doch nicht allen gefällt das. Auch Anja Wadle ist nicht erbaut von dieser Lösung. Sie fühle sich wie im Gefängnis und sagt, dass die Poller "alte und neue Hobelser" künstlich auf Abstand halten. "Vor unserer Haustür möchten wir keine Grenze, weder für den einen noch für den anderen", so die St. Ingberterin, die direkt neben dem Pfarrheim wohnt, "im Winter habe ich schon mal Urlaub nehmen müssen, weil ich bei Glätte den Berg nicht runter kam. Oder ich habe hinter einem Lkw mal eine halbe Stunde warten müssen, weil ich nicht zu meinem Haus hochfahren konnte. Auch Rettungswagen haben so ihre Probleme."

Bereits mehrmals habe sie bei der Stadt angerufen und würde gern erreichen, dass die drei Poller dauerhaft entfernt werden. Mittlerweile haben sich manche Anwohner Schlüssel besorgt, um den mittleren Poller bei Bedarf umzulegen. Gerade im Winter oder wenn ein Umzugswagen passieren will, wäre es für einige der auf dem Top der Hobelsstraße Wohnenden einfacher, vom neuen Hobels beizufahren, weil die enge Steigung hinter der Kirche umgangen werden kann.



Sind Veranstaltungen im Pfarrheim, gibt es für die Organisatoren eine Ausnahmegenehmigung zum Öffnen der Sperre, damit Besucher freie Durchfahrt auf der Suche nach Parkplätzen haben. "Warum kann das nicht immer so sein?", fragt sich Anja Wadle.

Dass es auch andere Meinungen zu diesem Thema gibt, weiß sie: "Ein Nachbar meint sogar, dass der Wert seines Grundstücks sinken würde, wenn die Durchfahrt wieder uneingeschränkt gestattet würde." Christiane Müller kann ihrer Nachbarin Anja Wadle nicht beipflichten, denn sie hält den Durchgangsverkehr für unzumutbar: "Hier fahren oft Lkw hoch, da wackeln die Gläser im Schrank. Schon an der Geschwindigkeit, mit der durch die Straße gefahren wird, erkennen wir, ob es jemand von hier ist". Ob es eine dauerhafte und alle zufrieden stellende Lösung für dieses Problem gibt, wollten wir von Thomas Diederichs wissen. "Eine Partei will die Pfosten haben, eine nicht", so der Mitarbeiter der Abteilung Straßen und Verkehr bei der Stadt, "mit den Sperrpfosten wollen wir den Durchgangsverkehr unterbinden. Wir haben versucht, einen Kompromiss zu finden."

Die Regelung diene folgendem Zweck: Im Sommer bleibt die Sperrung bestehen, im Winter oder bei Bauarbeiten in der Hobelsstraße kommt der Poller weg." Und dass die Anwohner sich mit Werkzeug und Drei- oder Vierkant die Durchfahrt erzwingen, sieht er nicht gern: "Das ist eine Verkehrseinrichtung und da darf ohne Genehmigung nichts verändert werden."