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Mundart-Kolumnen
Die Atzel treibt Lachtränen in die Augen

Horst Lang, alias „Die Atzel“, las im Konferenzraum der Katholischen Erwachsenenbildung Saarpfalz in St. Ingbert bei einer Lesung ausgewählte Kolumnen vor.
Horst Lang, alias „Die Atzel“, las im Konferenzraum der Katholischen Erwachsenenbildung Saarpfalz in St. Ingbert bei einer Lesung ausgewählte Kolumnen vor. FOTO: Jörg Martin
St. Ingbert. Im Konferenzraum der Katholischen Erwachsenenbildung in St. Ingbert las Horst Lang ausgewählte Kolumnen vor. Von Jörg Martin

Vogelliebhaber müssen nicht zwangsläufig Fußballfans sein. Diese Schlussfolgerung hätte man womöglich am Donnerstagabend ziehen können. Gut 20 Freunde des gefiederten Viechs „Die Atzel“ hatten, trotz der Fußballweltmeisterschaft, den Weg in den Konferenzraum der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Saarpfalz gefunden, um dem vermeintlichen Vogel zu lauschen. Unter dem Motto „Aus der Vogelperspektive gezwitschert“ las der Autor Horst Lang, der sich unter „Die Atzel“ verbirgt.


Der 1944 Geborene veröffentlicht seit dem 4. Februar 2003 in unserer Zeitung Mundart-Kolumnen. Seine donnerstäglichen Zeilen behandeln dabei auf mehr als humorvolle Art und Weise das tägliche Leben. Meist mit lokalem Bezug betrachtet Lang das alltägliche Leben aus der Vogelperspektive. Eben aus Atzel-Sicht. Und dieses Tier hat ja meist etwas Schelmisches. Manche sehen gar Parallelen zu Till Eulenspiegel. „Atzel, Drossel, Fink und Star“, so hieß der erste Text von Horst Lang. Und genau diesen nahm er auch bei der Lesung für die Eröffnung. 800 weitere folgten in den 15 Jahren der Reihe. Nur zweimal fiel seine Rubrik auf Seite 1 des Lokalteils streikbedingt aus. Ein wenig Ortschronik enthalten seine Texte eigentlich automatisch, so der Übersetzer, Schauspieler und Dozent. Und Wortspiele müssen einfach sein. Das merkt man und das tut dem Ganzen gut. Und sie sind neben der Betonung, die man auch zwischen den Zeilen erkennen kann, dem Lokalkolorit und dem gewissen Blick auf die Sicht der Dinge sowie dem Saarländischen, das Salz in der Suppe.

Zwischendrin winkt Lang immer mal wieder mit dem Gartenzaun. Etwa, wenn er sich, wie bei „Isch glaab mei Handie piepst“, humorvoll mit dem Technikwahn auseinandersetzt und genüsslich mit Anglizismen auf die Schippe nimmt. Und dann klärt er auf, dass doppelte Substantive nicht immer das halten, was sie vorgaukeln. Es gibt meist keine Finanzen vom Finanzamt. Und der Zitronenfalter faltet auch keine Zitrusfrüchte. Und Dummschwätzer sei laut Gerichtsurteil auch keine Beleidigung. Dafür sei ein Bücherregal ein Vorratsschrank für Lesefutter. Und der 9. Mai sei der Tag der verlorenen Socke. Man habe gar eine Sonderkommission (Soko) bei der Polizei eingerichtet. Er könne sich schon die Frage des Kommissars vorstellen. „Wo sinn die Zwei es ledschde Mol gesiehen woa?“, so könnte es bei der Suche nach den beiden Sockenpaaren heißen.



Es kam nicht selten vor, dass die Besucher ins Lachen kamen und nicht mehr herausfanden. Tränen in den Augen inklusive. Denn der Trend geht zum Zweitbuch. Doch: Übermorgen ist der neueste Trend schon von gestern. Also, achten Sie drauf. Genau wie bei den Querverbindungen von Wörtern. „Jetzt wird’s ernst“, sagte Horst Lang irgendwann. Er konstatierte, dass die Zeit viel zu schnell vergehen würde.

Doch – wohin geht die Zeit, wenn sie vergeht? Die Frage konnte nicht abschließend geklärt werden. Wohl aber eine mehr als herzerfrischende, wissenschaftliche Abhandlung zur Untersuchung des Saarländischen. Die hat mit der Atzel zwar nichts zu tun, war aber zum Brüllen komisch. Wie Lang abschließend verriet, plane er derzeit schon einmal den zweiten Teil seines Buches mit der Sammlung seiner Kolumnen aus der Saarbrücker Zeitung.