| 20:25 Uhr

Theater für Kinder
Der „Zauberer von Oz“ mit ganz neuen Facetten

Hier begehren die fünf Freunde beim Torwächter Einlass in die Gemächer vom „Zauberer von Oz“. Das Stück der Theater-AG des Leibniz-Gymnasiusm war der Auftakt zu einer Theaterreihe für Kinder.
Hier begehren die fünf Freunde beim Torwächter Einlass in die Gemächer vom „Zauberer von Oz“. Das Stück der Theater-AG des Leibniz-Gymnasiusm war der Auftakt zu einer Theaterreihe für Kinder. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Mit einer Aufführung der Theater-AG des Leibniz-Gymnasiums startet in der Stadthalle der „Theaterspaß für Kinder“. Von Cornelia Jung

Am Freitag wurden die jungen Gäste in der Stadthalle entführt, was durchaus positiv zu verstehen ist, denn sie wurden mitgenommen auf eine märchenhafte Reise in eine magische Welt. Mit Dorothy, ihrem Hund Toto, einem Blechmann, einer Vogelscheuche und einem Löwen hatten sich Schüler der Theater-AG des Leibniz-Gymnasiums in Figuren verwandelt, deren Geschichte vom „Zauberer von Oz“ die kleinen Besucher gefangen nahm.


Dorothy, die aus ihrer Heimat Kansas durch einen Wirbelsturm in ein Zauberland geweht wird, begibt sich mit ihren Freunden, die sie dort kennenlernt, auf den Weg zum Zauberer. Zuerst hat sie bei der Landung mit ihrem Haus eine böse Hexe des Ostens unter sich begraben, von der nur die silbernen (Zauber-)Schuhe übrig bleiben. Vom Zauberer erhofft sich jeder dieser Reisegesellschaft etwas anderes: Dorothy will zurück zu ihrer Familie, ihr metallischer Freund ein Herz, der Vogelschreck mit seinem Stroh im Kopf Verstand und der König der Tiere möchte nicht mehr feige sein. Durch eine (rosarote) Brille nimmt jeder den Zauberer als etwas anderes wahr. Doch der Magier stellt jedem die gleiche Aufgabe stellt. Damit jeder Wunsch in Erfüllung geht, soll die Zauberin des Westens besiegt werden. Natürlich schafft Dorothy das, nachdem sie mit Hilfe ihrer neuen Freunde einige Gefahren bestanden hat.

Wer mit der Geschichte „hinter dem Regenbogen“ vertraut war, wird sich gewundert haben, denn die Geschichte wurde nicht eins zu eins erzählt und gespielt, sondern aktuellen Themen angepasst, auf die sie Bezug nahm. So erzählt Dorothy der Vogelscheuche, die sich nichts Schöneres vorstellen kann, als im Besitz von Verstand zu sein, dass sie sehr wohl Menschen mit selbigem kenne, die ihn allerdings nicht nutzen. Dann würden sie die Luft verpesten, den Boden verseuchen oder die Flüsse verschmutzen. „Es gibt mehr Kranke und Tote durch verschmutztes Wasser als durch Malaria, Aids und andere Infektionskrankheiten zusammen“, war nur eine der Botschaften, die so in das Theaterstück eingestreut wurden.



Auch, dass der Abbau einer Plastikflasche 400 Jahre dauere und im Pazifik neue Inseln entdeckt worden seien – allerdings aus Plastik. Ein entsprechendes Lied gab es gleich dazu. Und auch einen Tipp, was es (mit Hinweis auf die Feigheit des Löwen) heutzutage heißen könne, mutig zu sein: Einen Tag auf Strom verzichten, auf Geld oder mal einen Tag ohne moderne Medien auskommen, dies wohl der schlimmste Verzicht für die jüngere Generation. „Du kannst nur gewinnen, wenn du es versuchst. Tust du es nicht, hast du schon verloren“, hieß es von den Bühnendarstellern. Und weiter: „Mutig wäre es zu helfen, wenn es kein anderer tut.“ Und die fünf Freunde der Geschichte taten genau das und waren damit die Helden der kleinen Besucher. Die dürften allerdings an manchen Stellen überfordert gewesen sein mit der modernen Interpretation des Stücks. Schwer vorstellbar, dass Kinder ab sechs Jahre, für die das Theater auch gedacht war, wussten, wer Präsident Donald Trump ist, als der sich der Zauberer zum Schluss zeigt. Fraglich auch, ob sie die abschließenden Worte verstanden, als die Armut auf der Welt thematisiert wurde und Gleichberechtigung aller Menschen, unabhängig von ihrem Stand, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Hautfarbe. „Herzlos ist, wenn jeder nur an sich selbst denkt“, erfuhr der Blechmann (der gar nicht gefühl- und herzlos ist), während die Nationalhymne der USA erklang.

Es sind die Erfahrungen eines langen Lebens, die klug machen, so die gute Nachricht für die Märchenhelden. Nach den Gefahren der Reise zur Smaragdstadt, auf der sich jeder auf seine Weise bewies, fand jeder seinen Platz. Die Vogelscheuche übernahm den „Job“ des Zauberers, der Holzfäller wurde Herrscher über die Winkies und die Tiere des Waldes haben den Löwen zu ihrem König bestimmt. Dem Publikum gefiel‘s und selbst die ganz Kleinen verstanden die Erkenntnis, die Dorothy nach ihrer Rückkehr äußerte: „Nun weiß ich, dass es nicht viel braucht, um friedich miteinander zu leben. Es braucht nur Herz, Mut und Verstand.“

Die beiden Aufführungen waren übrigens der Auftakt zur Reihe „Theaterspaß für Kinder“, die bis zum Jahresende sechs Veranstaltungen umfasst.