| 12:56 Uhr

"dann wolle ma emol"
Der närrische Funke sprang schnell über

Die Jungen Wilden Grazien der Rohrbacher Karnevalsgesellschaft „dann wolle ma emol“ rockten die Stadthallen-Bühne. Foto: Cornelia Jung
Die Jungen Wilden Grazien der Rohrbacher Karnevalsgesellschaft „dann wolle ma emol“ rockten die Stadthallen-Bühne. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Für ihre Kappensitzung ist die KG „dann wolle ma emol“ aus Rohrbach wieder in die St. Ingberter Stadthalle umgezogen. Der Stadtteilwechsel war wieder ein Gewinn für das närrische Volk.

Seit 2013 findet die Große Kappensitzung der Karnevalsgesellschaft „dann wolle ma emol“ in der Stadthalle statt. Die Rohrbacher haben den Gang nach St. Ingbert nicht bereut, denn die Darbietungen gewannen durch die gute Akustik, und auch auf die Narren im Saal springt der Funke wegen der besser Verständlichkeit schneller über. Am Samstag kamen die Rohrbacher Narren im Schiff über Groß- und Rohrbach, denn in dieser Session sticht die KG in See. In ihrem Fahrwasser tummelten sich nicht nur viele vereinseigene Akteure, sondern auch Schiffsführer anderer Fastnachtsvereine, die in die Bütt stiegen und so weltweite Fastnachtsnachrichten verkündeten.



Die (Moderatoren-) Kapitäne auf der Kommandobrücke, Lisa Düppre und Pascal Klein, hatten alle Hände voll zu tun, um kleine tanzende Piraten in Schach zu halten, Matrosen im Blick zu behalten und die Gardemädchen zu befehligen. Das Steuer gaben sie nur kurz aus der Hand, als wilde Musiker aus dem Bitburger Land die Bühne enterten und die Narren nach ihren Instrumenten und Gesang tanzen ließen. Die Jugendgarde zeigte ihr „Making of“ eines Naturfilms, dessen Hauptakteure, die Pinguine, die Narren im Saal „eiskalt“ erwischten und die mehr bekamen als nur einen warmen Applaus. Heiß her scheint es bei der jüngsten Büttenrednerin des Abends zu Hause zuzugehen. Mandy Siegrist plauderte aus Kombüse und Kajüte. Sie sprang trotz ihres jungen Alters schon vor einigen Jahren auf das Narrenschiff der KG auf.

„Froh war der Carsten als er mich erblickt, dich hat wohl der Himmel geschickt“, reimte sie und versicherte, dass sie so bleibe, wie sie ist „rotzig und frech, und wem das nicht passt, der hat dann halt Pech“. Bei der Juniorengarde herrschte ein strenges Regiment, denn sie ließ zeitig wecken und zum (Tanz-) Dienst antreten, und das zu Zeiten „in denen der Vampir erwacht“. So eine Schifffahrt kann eben auch ganz schön anstrengend sein... Das Trio Infernale brachte das Boot in gefährliche Schräglage, denn die drei Männer rissen mit ihrer Performance nicht nur die Hütte ab, sondern steuerten hart am Wind. Ausgelassen ging die Fahrt durch wilde Wasser. So etwas wollten die Gäste auf dem Ausflugsdampfer im Saal sehen. Dann kam man in ruhigeres Fahrwasser, die Ordnung wurde von den „Majorettes“ wiederhergestellt. Diese unter dem Namen „Feuerwerk“ neu entstandene Gruppe begeisterte mit Geschicklich- und Geschwindigkeit. Die Aktionen der 14 Damen mit den herumwirbelnden Metallstäben, den sogenannten Bâtons, passten wunderbar in das Bordprogramm der KG.

Eine der Galionsfiguren des KG-Schiffes ist Jasmin Siegrist, die Allzweckwaffe des Vereins. Sie tanzt, ist Trainerin und auch jedes Jahr in der Bütt präsent. Diesmal kam sie als Tanz-Mariechen in Rente. „Ich bin vun de Alte, doch kommt die Fastnacht, bin ich nimmeh zu halte“, stellte sie sich vor und verglich sich in Charakter und Körperform mit verschiedenen Pferderassen von Welt. Das machte Spaß beim Hinschauen und Zuhören. Während sie die Wellen brach und allen Stürmen trotzte, erlitt das Männerballett Schiffbruch, aber einen, der sich gewaschen hatte und sehen lassen konnte. Die Herrlichkeiten kamen im Beiboot und zerschellten an dem Felsen auf dem die Meerjungfrau saß. Oder vielleicht war es doch die Loreley? Die närrischen Gäste verfolgten das Geschehen auf und unter der Wasserlinie und fand den Untergang so gelungen, dass es ihn noch einmal sehen wollte. Auf dem Schiff befanden sich auch die Hausfrauen der KG, die gerade auf Welttournee waren. Sie rockten den Kahn und zum Schluss ging sogar Elvis an Bord. Im Hafen wurde erstmal der 66. Geburtstag der Sandmännchen-Oma gefeiert. Ihr wurden tänzerisch viele Wünsche erfüllt, denn sie wollte mal ein Rockstar sein, mit Delphinen schwimmen, in St. Pauli die Reeperbahn besuchen, eine Bank überfallen, die Liebe ihres Lebens finden, bei den „Piraten der Karibik“ mitspielen und das Disneyland besuchen.

Die Sandmännchen setzten all das tänzerisch mit Leidenschaft in Szene. Und zur „Guten Nacht“, bevor es in die Koje ging, hatten sie dann sogar noch Zahnpflegetipps parat. So hätte die (Seh-)Reise, auf der kein Raum für Langeweile blieb, noch stundenlang weitergehen können. Es war toll. Heidewitzka, Herr Kapitän...