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„Der Nachfolger von Lindemann wird ein guter“

Eine faire, sachliche, bisweilen gar harmonische Podiumsdiskussion erlebten die mehr als 400 Besucherinnen und Besucher, die am Montagabend in die Stadthalle St. Ingbert gekommen waren, wo sich die Landratskandidaten Theophil Gallo (SPD) und Peter Nagel (CDU) den Fragen von Manfred Krause (SZ), Thomas Gerber (SR) und des Publikums stellten. Joachim Schickert

Unterschiedliche Positionen der Kommunalpolitiker sollten aufgezeigt werden, die das Erbe von Landrat Clemens Lindemann (SPD) antreten wollen, der im kommenden Jahr nach 30 Dienstjahren in den Ruhestand geht. Doch das war gar nicht so einfach. Denn in zentralen Punkten waren sich der 52-jährige Peter Nagel aus Erfweiler-Ehlingen, der Geschäftsführer der IHK im Saarland ist, und der 56-jährige Jurist Theophil Gallo aus Bexbach, der beim Rechtsportal Juris beschäftigt ist, einig. Gemeinsam ist ihnen schon mal, dass sie sich als "Teamspieler" bezeichneten, die nicht gerne einfach Entscheidungen über die Köpfe anderer hinweg treffen.

Nagel, seit 1982 CDU-Mitglied, sprach von einem "hohen Maß an Basisdemokratie", wie er zum Landratskandidaten geworden ist. Er hatte sich im vergangenen Jahr bei der Mitgliederbefragung der saarpfälzischen CDU gegen seinen Konkurrenten Ulli Meyer aus St. Ingbert durchgesetzt. Gallo, seit 1996 SPD-Mitglied, betonte, er habe sich innerhalb seiner Partei die "Kandidatur erarbeitet". Einig waren sich beide beispielsweise im Erhalt des Kreiskrankenhauses in St. Ingbert. Hier sei man gut aufgestellt. Dies sei ein guter Standort, der insbesondere auch unter Berücksichtigung des demographischen Wandels unbedingt erhalten werden müsse. Auch in Sachen Aus- und Weiterbildung gab es keine Differenzen. Der Kreis, so betonten Nagel und Gallo, müsse weiter in die weiterführenden Schulen investieren, wie er es bereits in den vergangenen Jahren getan habe. Die letzte große Investition im Schulbereich sei das Leibniz-Gymnasium in St. Ingbert gewesen. Künftig kämen Renovierungen und Nachbesserungen zum Zuge, also Investitionen in die Substanz der Bildungseinrichtungen. Peter Nagel, seit 1999 Fraktionsvorsitzender im Kreistag und seit dieser Zeit als erster Kreisbeigeordneter Vertreter des Landrats in dessen Abwesenheit, sprach sich dagegen aus, Kreise im Saarland zusammenzulegen. Vielmehr sehe er Chancen in der interkommunalen Zusammenarbeit. Auch Gallo, seit 2004 für die Sozialdemokraten im Kreistag, lehnte die Zusammenlegung von Kreisen ab. Mit einer "Zentralregierung" nahe an die Menschen herankommen, das gehe nicht. Außerdem gebe es bei 95 Prozent Pflichtausgaben eh nicht viel einzusparen. Es sei Sache der Bürgermeister, wie sie sich organisieren. Trotzdem sollten auch in der Verwaltung des Saarpfalz-Kreises Sparpotenziale genutzt werden, nicht durch Personalabbau, so beide Kandidaten, sondern beispielsweise durch Verbesserung von Arbeitsabläufen. "Unsere Berater sind die Mitarbeiter selbst", legte Theophil Gallo seine Sicht der Dinge dar.

Unterschiedliche Bewertungen der beiden Landratskandidaten gab es doch noch in Sachen Kalksteinbruch im Gersheimer Ortsteil Rubenheim. Während sich Theophil Gallo gegen die Erweiterung der Abbaufläche aussprach, weil er in der Biosphäre keine "Mondlandschaft" wolle, meinte Nagel, dass die Anträge des Betreibers juristisch sauber geprüft werden müssten. "Kein Ja und kein Nein in dieser Sache momentan", so der CDU-Mann, der darauf hinwies, dass die Biosphäre kein Argument dagegen sein dürfe, dass sich Betriebe ansiedeln und Menschen dort Arbeit finden, "nicht nur in Homburg und St. Ingbert". Am Ende der sachlich-friedlichen Diskussion meinte SPD-Mann Gallo: Egal wer nächster Landrat werde, "der Nachfolger von Clemens Lindemann wird ein guter".