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Badeverbot im Wasserschutzgebiet
Der Glashütter Weiher soll sauber bleiben

Josef Alt vom Angelsportverein Rohrbach setzt sich für das Badeverbot am Glashütter Weiher ein. Wie es durchgesetzt werden soll, bleibt umstritten. Alt befürwortet Wasserbausteine, um Schwimmer fernzuhalten.
Josef Alt vom Angelsportverein Rohrbach setzt sich für das Badeverbot am Glashütter Weiher ein. Wie es durchgesetzt werden soll, bleibt umstritten. Alt befürwortet Wasserbausteine, um Schwimmer fernzuhalten. FOTO: Tobias Fuchs
Rohrbach. Das Badeverbot am Glashütter Weiher bleibt ein Reizthema. Nun geraten die Angler in den Fokus. Verschmutzen ihre Fische das Gewässer? Von Tobias Fuchs

Wer mit Josef Alt um den Glashütter Weiher spaziert, erfährt viel über das Kleinod von Rohrbach. Über die Fische und Pflanzen, die darin leben, das verborgene Geschehen unter der Wasseroberfläche. Man merkt: Alt bewegt sich in seinem Element. 36 Jahre war er Vorsitzender des Angelsportvereins Rohrbach, dem Pächter des Weihers. Doch für den 72-Jährigen ist es auch ein Bedürfnis, alles genau zu erklären. Das, was er die „Symbiose zwischen Gewässer und Angelverein“ nennt. Denn: Rund um das klare Wasser des Glashütter Weihers trübt sich die Stimmung zunehmend ein – und plötzlich geraten auch die Angler in den Fokus. Was tragen sie zur Sauberkeit des Weihers bei?


Kürzlich beschäftigte sich der Ortsrat wieder mit dem Badeverbot in Rohrbach. An der schönsten Stelle des Weihers erinnern gleich drei Schilder daran, dass niemand darin schwimmen darf. Weil es sich um ein Wasserschutzgebiet handelt. Auf einem Piktogramm fährt ein dicker roter Balken durch ein kraulendes Strichmännchen. Allein: Es hilft nichts. „Die Verschmutzung des Wassers wird von den Leuten auf die leichte Schulter genommen“, hatte Ortsvorsteher Roland Weber bereits vor Monaten geklagt. Also bemühte sich der Ortsrat, den Weiher „weniger attraktiv“ zu machen, so Weber. Die Uferwiese wird nur noch einmal im Jahr gemäht, Hecken sollen den Weg ins Wasser versperren. Alles zur Abschreckung von Badegästen.

Der Ortsvorsteher sprach sich auch für Wasserbausteine am Ufer aus, große, grobe Bruchsteine, versenkt auf den ersten Metern. Der Ortsrat sagte Nein. In der SZ stand, dass der Angelsportverein die Steine begrüße. Worauf in einem Leserbrief zu lesen war, es sei sehr befremdlich, dass ein Verein seine Interessen in einem Trinkwasserreservoir durchsetzen wolle. Die Zuschrift schloss mit einer Frage: „Wie sehen hier die Verschmutzungen durch den künstlichen Fischbesatz aus?“

Alt hat das nicht gefallen. Was er als „Symbiose“ beschreibt, ist in etwa so alt wie der Glashütter Weiher selbst. 1968 wurde das 2,8 Hektar große Gewässer künstlich angelegt. Seinerzeit gründete sich auch der Angelsportverein. Heute setzen die Hobbysportler jährlich mehr als eine Tonne Fisch in den Weiher ein, allein 500 Kilo Rotaugen und Rotfedern, je 250 Kilo Spiegelkarpfen und Schuppenkarpfen, 100 Kilo Schleien, 50 Kilo Brachsen, Hechte, Barsche, Friedfische, Regenbogenforellen, Zander. Alt zählt sie alle auf. Verschmutzen diese Fische das kostbare Trinkwasser?

Der Renter steht am seitlichen Ufer, das entlang der Straße verläuft. Er blickt über das Gewässer, weist hierhin, dorthin – um die beiden Zuflüsse zu zeigen: Der Glashütter Weiher speist sich aus dem Kleberbach und dem Lindenbrunnen. Beide bahnen sich ihren Weg durch den Waldboden. Sie führten sehr saures Wasser, sagt Alt. Das bestätigen auch die Stadtwerke St. Ingbert. Der pH-Wert im Spieser Mühltal liege unter fünf. „Dieser Wert ist für die meisten Fische tödlich“, erklärt Alt.



Deshalb habe der Angelsportverein in die Natur eingegriffen, Wasserpflanzen und Kalksteine eingebracht – um einen neutralen pH-Wert (7,0) zu erreichen. Alt nennt Messwerte zwischen 6,8 und 7,1. Zum Vergleich: In ihrem Wasserwerk brachten die Stadtwerke ihr Trinkwasser auf einen Wert von 7,63 (Stand: Juni 2017). Unter diesen Bedingungen können Fische im Weiher überleben. Aber was ist mit ihren Ausscheidungen? Alt sagt: „Wenn die Gewässerchemie stimmt, werden die Ausscheidungen zu Dünger für die Pflanzen.“ Er beschreibt einen künstlich hergestellten Kreislauf der Natur. Und meint: Das Wasser des Glashütter Weihers habe Trinkwasserqualität – trotz der Fische.

Als der Spaziergang um den Weiher zu Ende ist, geht es noch einmal um das Badeverbot, die hohen Wiesen, Hecken, die Wasserbausteine. Alt argumentiert gegen eine Bepflanzung: „Da würde den Leuten der Blick auf das Wasser verwehrt werden.“ Anders als beim Auslegen der Bruchsteine. „Das würde das Bild nicht beeinträchtigen“, findet er. Der Angler ärgert sich: Christian Lambert von der Umwelt-Abteilung der Stadt habe die Steine gut gefunden, sie im Ortsrat vorgestellt. Doch die Räte ließen sich nicht überzeugen. Sie hätten „aus dem Bauch heraus“ entschieden, glaubt Alt – ohne seinen Angelsportverein. „Man sollte den Verein bei solch einer Entscheidung einbeziehen“, sagt Alt, bevor er sich verabschiedet.