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| 20:17 Uhr

Depression als Rebellion

Nico Semsrott bei seinem Auftritt im Gersheimer Kulturhaus im Rahmen der derzeit laufenden Theaterwoche. Foto: Degott
Nico Semsrott bei seinem Auftritt im Gersheimer Kulturhaus im Rahmen der derzeit laufenden Theaterwoche. Foto: Degott
Gersheim. Braune Kapuzenjacke, Laptop, die Accessoires, Powerpoint-Präsentationen, ob putzig-positive oder peinlich-primitiv Stimmung depressiv - das kennzeichnete den Auftritt des "Senkrechtstarters" in der Comedy-Szene, Nico Semsrott, bei der 27. Gersheimer Theaterwoche Von SZ-Mitarbeiter Wolfgang Degott

Gersheim. Braune Kapuzenjacke, Laptop, die Accessoires, Powerpoint-Präsentationen, ob putzig-positive oder peinlich-primitiv Stimmung depressiv - das kennzeichnete den Auftritt des "Senkrechtstarters" in der Comedy-Szene, Nico Semsrott, bei der 27. Gersheimer Theaterwoche. Erstmals gastierte der Hamburger mit dem Programm "Freude ist nur ein Mangel an Information" im Saarland, zog über 100 Zuschauer im Kulturhaus anschließend hinein in tiefste Depression. Zwei Stunden fesselte er sein Publikum mit einem in den letzten fünf Jahren entstandenen Programm. Er arbeitet täglich daran es weiter zu entwickeln, nutze seine ersten Bühnenjahre als Ausbildungszeit "auf hohem Niveau", so Semsrott.

Der Comedian, dessen Figur Nico immer 23 Jahre alt bleiben wird, gehört zum Jahrgang 1986, sieht die Depression als rebellischste Art schlechthin, da man sich mit ihr von der Gesellschaft abkapseln und sich so gegen die Leistungsgesellschaft stellen könne. "Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du's hinter dir", ruft er dem Gersheimer Theaterpublikum zu, das ihm an den Lippen klebt. Dass er sein Leben nur noch schwarz sieht, wird auch dadurch deutlich, weil Terror und Quallen depressiv machen, die Welt vor dem Untergang stehe. "Das Leben ist eine Krankheit, die durch Sex übertragen wird und in jedem Fall tödlich endet", gehörten zu seinen Weisheiten ebenso wie die Vermutung dass "das Licht am Ende des Tunnels auch ein herannahender Zug sein kann".

Ohne eine Miene zu verziehen, stellte er unaufhörlich seine Miesmacherthesen in den Raum, ohne dabei auch nur den Anschein von Spaß an seinem Auftritt durchblicken zu lassen. Sein persönliches Ziel sei es, die Anzahl der Depressiven zu verdoppeln. Die Chancen stünden gut, da Depression der Wachstumsmarkt schlechthin sei. "Nicht einmal Sex macht Spaß", führte der Kabarettist weiter aus und widmete diese thematischen Ausführungen seiner Exfreundin. Der Depressive, Gewinner des NDR-Comedy-Contests, des Karl-Marx-Poesie-Preises, des Publikumspreises des Stuttgarter Besens und mehr als 100 Poetry Slams, betrieb in seinem ersten abendfüllenden Soloprogramm das, was er am besten kann: als bitterböse Gesellschaftskritik getarnte Leistungsverweigerung. "Für einen Loser bin ich ein ziemlich schlechter Verlierer", sagt Nico von sich selbst. Semsrott wollte offensichtlich keine Stimmung im Saal, was ihm auch gelang. Tief- und scharfsinnig verdeutlichte der Kabarettist seine Ansichten, nicht ohne zwischendurch zweideutig zu werden. Die Pointen saßen, sein Saarland-Debüt ließ aufhorchen. Am 21. April, um 20 Uhr, tritt er im St. Ingberter Kulturbistro SoHo auf.

Auf einen Blick

Am Samstag, 19. Januar, 20 Uhr, gastiert die Theatergruppe des Freizeitclubs Breitfurt mit "Aphrodites Zimmer" in Gersheim. Kinder zeigen am Sonntag, 20. Januar, 15.30 Uhr, den "Baum des Lebens". Es spielt die Kindertheatergruppe Märchen T.E.E. Erfweiler-Ehlingen. Mittwoch, 23. Januar, 20 Uhr: Martin Guth mit dem Musikkabarett "Meine Frau, ihr Mann und ich"; Samstag, 26. Januar, 20 Uhr, Homburger Frauenkabarett mit "Lauter Einzelschicksale"; Sonntag, 27. Januar, 18 Uhr, Theatergruppe "Groß und Klein", Pinningen, mit "Aber, aber Herr Pfarrer!". Vorverkauf: Postfiliale Gersheim (Bruckart GmbH) Bliesstraße 4, Telefon (0 68 43) 15 39, Gersheimer Landhaus, Bahnhofstraße 3, Tel. (0 68 43) 12 22, Rathaus Gersheim, Tel. (0 68 43) 80 13 01, Bäckerei-Filiale Lenert im Bickenalb-Center, Blieskastel-Altheim, Telefonnummer (0 68 44) 17 47 66. red