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Fußgänger an Kreuzung
Debatte um Wendlings Eck flammt auf

Seit weit über zwei Jahren erinnern die weißen Absperrungen an Wendlings Eck an die frühere Fußgängerfurt über die Schlachthofstraße.
Seit weit über zwei Jahren erinnern die weißen Absperrungen an Wendlings Eck an die frühere Fußgängerfurt über die Schlachthofstraße. FOTO: Manfred Schetting
St. Ingbert. Der LfS lässt keine Zweifel: Eine Wiederkehr des früheren Zebrastreifens würde den Verkehrsfluss an der Kreuzung verschlechtern. Von Manfred Schetting

Vor zweieinhalb Jahren hatte eine Änderung an Wendlings Eck für viel Aufregung gesorgt. Nachdem damals die Ampelanlage an der Kreuzung Neue Bahnhof-, Kaiser-, Schlachthof- und Saarbrücker Straße erneuert worden war, mussten die St. Ingberter den Wegfall eines Fußgängerüberwegs zur Kenntnis nehmen. Statt wie zuvor gewohnt, die Schlachthofstraße an einer Fußgängerampel direkt von und zur Saarbrücker Straße zu überqueren, müssen Fußgänger und Radfahrer seither zwei Fußgängerampeln über die Neue Bahnhofstraße und die Saarbrücker Straße nutzen. Der entfallene Zebrastreifen in der Schlachthofstraße wurde an den Abzweig zur Poststraße verlegt.


Der Ärger über diesen (gefühlt erzwungenen) Umweg ist bei Fußgängern und Radfahrer nie so ganz verklungen, doch in der Kommunalpolitik war es in den vergangenen Monaten ziemlich ruhig um Wendlings Eck. Doch in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt ist die Debatte wieder aufgeflammt. Denn Jürgen Berthold (Die Grünen) hatte sich Forderungen des Allgemeinen Fahrradclubs (ADFC) und des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) zu Eigen gemacht und beantragt, dass für Fußgänger und Radfahrer wieder eine Ampel eingerichtet werden müsse, um die Schlachthofstraße an Wendlings Eck queren zu können. Zudem erinnerte Berthold an einen Prüfbericht, den der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) nach einer Testphase der neuen Ampelregelung an Wendlings Eck versprochen hatte.

Diese Stellungnahme des LfS liegt inzwischen aber vor. Und das Schreiben vom vergangenen November hat eine klare Botschaft: Der Landesbetrieb möchte an Wendlungs Eck nichts mehr ändern. Schon 2015 habe man darauf verwiesen, dass die Fußgängerfurt in der Schlachthofstraße negative Auswirkung des gesamten Verkehrsknoten habe. An dieser Einschätzung habe sich nichts geändert, es bestehe unverändert „kein weiterer Handlungs- oder Untersuchungsbedarf“. Mit einer Fußgängerfurt, wie es sie früher an Wendlings Eck gegeben hatte, würde der Verkehrsablauf an der gesamten Kreuzung wieder schlechter werden.

Deutlicher Protest gegen die Einschätzung kam in der Sitzung aber von Vertretern des ADFC und des VCD. Ursula Hubertus vom ADFC St. Ingbert, der die Stadtratsmitglieder ein Rederecht einräumten, verwies auf jene Bürger, die nach wie vor an Wendlings Eck über die Straße wollten, und hatte eine klare Einschätzung der LfS-Position: „Der Kfz-Verkehr läuft an Wendlings Eck prima, die anderen Verkehrsteilnehmer haben aber Nachteile.“ Als „Schandflecke“ besonders heftig kritisierte die ADFC-Sprecherin aber auch die Absperrgitter, die seit weit über zwei Jahren an der ehemaligen Fußgängerfurt in der Schlachthofstraße sowie an dem früheren Zebrastreifen hinter der Bahnunterführung in der Neuen Bahnhofsstraße stehen. „Man will die Fußgänger wohl hinter Gittern halten.“

Die Absperrgitter rechtfertigte Thomas Diederichs, Mitarbeiter der Abteilung Straßen und Verkehr im St. Ingberter Rathaus, unterschiedlich. „Die Absperrung in der Schlachthofstraße war bisher nötig, um die Bürger sozusagen vor sich selbst zu schützen.“ In der Neuen Bahnhofstraße seien die Gitter aufgestellt, weil auf der Fahrbahn noch immer die Markierung des früheren Zebrastreifens zu erkennen wäre. Die Stadtverwaltung signalisierte jedoch, die Absperrungen könnten an beiden Stellen jetzt wohl wieder abgebaut werden.



Neue Aktualität hat die Fußgänger-Situation an Wendlings Eck aber auch durch die Baustelle für das Projekt „Trikotage“ gewonnen. Wegen des Lieferverkehrs für diese Baustelle ist nämlich derzeit der Bürgersteig in der Schlachthofstraße gesperrt. Wer zu Fuß von und zum Bahnhof unterwegs ist, muss nun mindestens einmal mehr die Straße überqueren. Aber auch hieran wird sich vorerst nichts ändern.

Den Interessen von Fußgängern und Radfahrern entgegenkommen will die Verwaltung aber in einem anderen Zusammenhang. Laut Hans-Henning Krämer, dem Klimamanager der Stadt, seien für den Verkehrsentwicklungsplan in St. Ingbert demnächst auch Begehungen in der Innenstadt geplant. „Dazu sind die Bürger mit ihren Anregungen willkommen.“

Schon seit weit über zwei Jahren erinnern die weißen Absperrungen an Wendlings Eck an die frühere Fußgängerfurt über die Schlachthofstraße. Foto: Manfred Schetting
Schon seit weit über zwei Jahren erinnern die weißen Absperrungen an Wendlings Eck an die frühere Fußgängerfurt über die Schlachthofstraße. Foto: Manfred Schetting FOTO: Manfred Schetting