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Das schnelle Aus für ein Symbol

Eine historische Stunde hat St. Ingbert erlebt, als am Dienstagabend der Becker-Schornstein Knall auf Fall aus dem Stadtbild verschwand.

Die ganz große Sprengkraft war dem Moment allerdings genommen. Es fehlte die Überraschung. Das Ende des Hochkamins kam mit Ansage. Seit Wochen hatte es sich abgezeichnet, dass das Gemäuer auf dem ehemaligen Brauerei-Gelände nicht mehr nur wanken, sondern weichen wird. Zeit genug, um sich seine Meinung zu bilden, ob der Schorschde St. Ingberts Silhouette stört oder schmückt. Zuletzt rückte mehrere Tage lang der Sprengtermin näher. Zeit genug für unzählige St. Ingberter, sich den besten Blick auf das spektakuläre Geschehen auszusuchen.

In der Stunde der Wahrheit stand für die vielen Schaulustigen sicherlich die Spannung, ob alles glatt geht, also das Wie, im Vordergrund. Zudem bot sich in St. Ingbert seit Jahrzehnten nicht mehr die Gelegenheit, eine Sprengung mit eigenen Augen mitzuverfolgen. Die Präzision, mit der der Sprengmeister den Schornstein in Sekundenschnelle ganz nach Plan niederstreckte, hatte ihre eigene Faszination. Zweifellos eine technische Meisterleistung.

Ob es aber eine historische Meisterleistung war, sei dahingestellt. Denn auch für die Frage nach dem Warum gab und gibt es rund um das explosive Aus für den Schornstein gute Gründe. Gerade durch die Debatte um das Bauwerk war vielen erst bewusst geworden, von wo überall in der Stadt dieser Schorschde unübersehbar war. Obendrein war er geradezu ein Symbol in unseren oft alleine noch wirtschaftlichen Überlegungen dominierten Zeiten. Muss sich alles rechnen und einen Nutzen bieten, um etwas wert zu sein und eine Bedeutung für Menschen zu haben? Aus dem Stadtbild, aus dem Sinn. Das verdient der Becker-Schornstein in jedem Fall nicht.