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Kinowerkstatt
Rebellen, Philosophen und Cowboys

Skeptische Blicke: Karl Marx (August Diehl, rechts) und Friedrich Engels (Stefan Konarske).
Skeptische Blicke: Karl Marx (August Diehl, rechts) und Friedrich Engels (Stefan Konarske). FOTO: Neue Visionen
Homburg/St. Ingbert. Mit „Leningrad Cowboys go America“ und „Der junge Karl Marx“ zeigt die Kinowerkstatt dieses Wochenende zwei Film- dokus besonderer Art. red

„Der junge Karl Marx“ (Be/Fr/De 2017) von Raoul Peck mit August Diehl (Karl Marx), Stefan Konarske (Friedrich Engels), Vicky Krieps (Jenny Marx), Olivier Gourmet (Pierre Proudhon) ist am Freitag, 31. August, um 20 Uhr und am Sonntag, 2. September, um 20 Uhr in der Kinowerkstatt in St. Ingbert zu sehen. Das üppig ausgestattete Filmporträt beschränkt sich auf wenige Jahre im Leben von Marx, speziell die Zeit im Pariser Exil, wo er auf Friedrich Engels (Stefan Konarske) trifft. „Und auch wenn „Der junge Karl Marx“ von Raoul Peck stilistisch etwas betulich und altbacken daher kommt, bleibt es ein überraschend unterhaltsames und inhaltlich sehr modernes Werk“, sagte Jörg Taszman im Deutschlandradio vor einem Jahr. Positive Worte fand auch Jenni Zylka in der taz: „(…) trotz der inszenatorischen Entscheidung, den Film formal konventionell-historisch zu halten, vielleicht um es sich mit keiner der möglichen Zielgruppen zu verscherzen, ist jede Menge Leidenschaft zu spüren: Der haitianische Regisseur Peck (...) möchte nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen verstehen.“


Der Film widmet sich einer Lebensphase des 1818 in Trier geborenen Philosophen und Theoretikers Karl Marx (August Diehl), den Mann, der „Das Kapital“ schrieb und als Erster die destruktive Dynamik des Kapitalismus erkannte, als Exilant in Paris sowie später in Brüssel, beginnend im Jahre 1844. Mit seiner Frau Jenny (Vicky Krieps) und der gemeinsamen Tochter fristet er ein bescheidenes Dasein, das er mit Schreibaufträgen von Arnold Ruge (Hans-Uwe Bauer), seinem ehemaligen Chef bei der Rheinischen Zeitung, finanziert. Im englischen Manchester sucht Friedrich Engels (Stefan Konarske) – Sohn eines bourgeois-ausbeuterischen Fabrikbesitzers – unterdessen den direkten Kontakt zur Arbeiterklasse, um aus erster Hand über deren Lebens- und Tätigkeitsbedingungen schreiben zu können. Dabei lernt er die irische Baumwollspinnerin Mary Burns (Hannah Steele) kennen und lieben. Als Marx und Engels sich in Frankreich begegnen, werden sie bald zu Kollaborateuren: In ihrer Zusammenarbeit – die (vorerst) im Kommunistischen Manifest gipfelt – entstehen Ideen, die in ihrer Präzision weit über das hinausgehen, was zum Beispiel der Sozialist Pierre-Joseph Proudhon (Olivier Gourmet) oder der Kommunist Wilhelm Weitling (Alexander Scheer) in deren Schriften und Reden formuliert haben.

„Leningrad Cowboys Go America“ heißt es am Freitag, 31. August, um 22 Uhr, am Samstag, 1. September, und am Montag, 3. September, jeweils um 20 Uhr, in der Kinowerkstatt St. Ingbert.



„Leningrad Cowboys Go America“ (Finnland, Schweden 1989, 78 Minuten, FSK 12) Regie: Aki Kaurismäki, erzählt die Geschichte der russischen Band Leningrad Cowboys, die in der Heimat keinen Erfolg hat und den Rat bekommt, nach Amerika zu gehen und dort zu spielen. Auf ihrer langen Reise durch zahlreiche Hotels, Bars und Kneipen landen sie schließlich auf einer Hochzeit in Mexiko. Das Publikum ist begeistert und die Band schafft hier nach zahllosen Misserfolgen in den USA endlich den erhofften Durchbruch.

Eine Gastrolle übernahm Jim Jarmusch, der den Musikern für ihre Tour einen schwarzen Cadillac verkauft. Die ursprünglich fiktiven Leningrad Cowboys, die teilweise von Mitgliedern der finnischen Punkrockgruppe Sleepy Sleepers gespielt wurden, blieben nach den Filmaufnahmen unter diesem Namen zusammen und feierten große Erfolge als Liveband und waren auch schon in der Saarbrücker Garage zu sehen und zu hören.

Die Leningrad Cowboys.
Die Leningrad Cowboys. FOTO: dpa / Boris Roessler