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St. Ingbert
Das Internet wird langsam schneller

Eine Kabeltrommel mit Leitungen für den Breitbandausbau. Foto: Carsten Rehder/dpa
Eine Kabeltrommel mit Leitungen für den Breitbandausbau. Foto: Carsten Rehder/dpa FOTO: Carsten Rehder / dpa
St. Ingbert. Neue Infos im Ortsrat: Mitte des Jahres soll in St. Ingbert eine Surfgeschwindigkeit mit bis zu 100 Mbit/s möglich sein.

Der erste Schritt des Breitbandausbaus in St. Ingbert soll noch in diesem Jahr realisiert werden. Dies berichtete Manfred Stolz, Regionalmanager der Deutschen Telekom in der jüngsten Ortsratsitzung. Demnach soll bis Juni oder Juli für jeden St. Ingberter ein schnelleres Internet mit etwa 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zur Verfügung stehen. Schritt für Schritt treibe die Telekom den Ausbau des Glasfasernetzes in der Mittelstadt voran.



„Die Baumaßnahmen sind schon im Gange, auch wenn man sie nicht so wahrnimmt“, sagt Stolz. Weil die Kabel teilweise in vorhandene Leerrohre gezogen würden. Bundesweit investiere das Unternehmen etwa 5 Milliarden Euro in den Breitbandausbau. „Damit wir am Ende eine optimale Versorgung durch den Boden, die Luft oder optimalerweise durch beides gewährleisten können“, sagt Stolz. Dabei gibt er unumwunden zu, dass die Telekom „ein bisschen im Kreuzfeuer steht, weil wir auf die alten Kupferleitungen setzen, diese Behauptung ist aber eher ein bisschen polemisch. Denn wir bauen hier in St. Ingbert faktisch ein Glasfasernetz aus.“

In der Kritik steht das Unternehmen vor allem, weil mit den Fördergeldern die alten Kupferleitungen „fit gemacht“ würden, statt gleich in das zukunftsweisende Glasfasernetz zu investieren. Und das, obwohl die Telekom langfristig durchaus auf Glasfasern setzt.

Das alte Netz aus Kupferleitungen bleibt auch in St. Ingbert bestehen. „Würden wir umschalten, würden 80 Prozent der Leitungen nicht mehr funktionieren“, sagt Stolz. Deshalb wird parallel dazu das Glasfasernetz durch den Ausbau quasi erweitert. Derzeit werden die Glasfaserleitungen in einem weiteren Schritt von den Vermittlungsstellen bis zu den sogenannten Knotenverzweigern in die einzelnen Straßen gelegt. Etwa 80 Stück wird es in St. Ingbert davon geben, die etwas größer sein werden als die bekannten grauen Verteilerkästen. Die letzten Meter, müssen die Daten aber immer noch auf der alten Kupferleitungen zurücklegen.

Damit Geschwindigkeiten bis 100 Mbit/s möglich werden, will das Unternehmen elektromagnetische Störungen mit der sogenannten Vectoring Technologie weitgehend eliminieren.

Denn noch sei der große Markt für die enormen Investitionen eines ganzheitlichen Glasfasernetzes nicht in Sicht. Erst recht nicht in den ländlichen Gebieten. Zumal der Glasfaserausbau sehr teuer sei. Und auch das erklärt Stolz ganz offen: „Auch die Telekom muss wirtschaftlich arbeiten. Wenn es der Markt hergibt, werden wir dann auch das Glasfasernetz bis ins Haus ausbauen.“ Langfristig sei das sogenannte „fiber to the home“ (FTTH), also Glasfaser bis ins Haus, das Ziel.

Bis es soweit ist, sei die Telekom aber in der Kombination mit den Glasfasern und den verbleibenden Kupferleitungen heute schon in der Lage, „bis zu 100 Megabit pro Sekunde anzubieten und in absehbarer Zeit, etwa 2019 sogar bis zu 250 Mbit/s“. Und wenn dann tatsächlich das FTTH komme, wären sogar 1000 Mbit/s möglich, sagt Stolz. Auch in St. Ingbert.

Dabei sei die Mittelstadt beim Thema Breitbandausbau nie abgehängt gewesen. Größtenteils seien Geschwindigkeiten bis 16 Mbit/s die Norm, in einigen Teilen des Stadtgebiets aber schon heute bis zu 50 Mbit/s möglich. „Trotzdem gab es Bereiche, die ganz schlecht versorgt waren, wie Sengscheid, Oberwürzbach oder Reichenbrunn“, sagt Stolz, „bedingt durch die Entfernung von den Vermittlungsstellen“. Für diese – wirtschaftlich wenig interessanten Bereiche – hat die saarländische Landesregierung beschlossen, den Breitbandausbau zu fördern, „zur Stärkung der ländlichen Gebiete“.

Am Ende würden in St. Ingbert flächendeckend, durch welchen Anbieter auch immer, hohe Bandbreiten zur Verfügung stehen, meint Stolz. Tiefbaumaßnahmen seien nicht überall erforderlich. „Wir werden nicht die ganze Stadt umgraben, sondern nur punktuell. Aber auch dort, wo nicht gebuddelt wird, werde eine große Bandbreite zur Verfügung stehen. So dass „wir ab Mitte des Jahres umschaltbereit sind“.

In St. Ingbert können für das Glasfaserkabel viele Lerrrohre genutzt werden, sodass nicht überall die Straßen aufgegraben werden müssen. Foto: Oliver Berg/dpa
In St. Ingbert können für das Glasfaserkabel viele Lerrrohre genutzt werden, sodass nicht überall die Straßen aufgegraben werden müssen. Foto: Oliver Berg/dpa FOTO: Oliver Berg / dpa
Wie hier im vergangenen Jahr in der Rentamtstraße sind in St. Ingbert schon länger immer wieder die großen Kabeltrommeln mit Leitungen für den Breitbandausbau zu sehen.
Wie hier im vergangenen Jahr in der Rentamtstraße sind in St. Ingbert schon länger immer wieder die großen Kabeltrommeln mit Leitungen für den Breitbandausbau zu sehen. FOTO: Manfred Schetting