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„Das Elend Einzelner lindern“

Der 23-jährige Afghane Reza Bahrami hat im Kreiskrankenhaus St. Ingbert zwei Hüftprothesen erhalten. Foto: Oliver Dietze
Der 23-jährige Afghane Reza Bahrami hat im Kreiskrankenhaus St. Ingbert zwei Hüftprothesen erhalten. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
St Ingbert. Der Fall eines jungen Afghanen zeigt, wie konkret Flüchtlingshilfe sein kann. Ein Dillinger Verein holte den kranken Mann aus dem Iran nach Deutschland, Ärzte im Kreiskrankenhaus St. Ingbert setzten ihm kostenlos neue Hüftprothesen ein. Robert Schmidt

Aus dem Bürgerkrieg in Afghanistan war er geflohen, im Iran wurde er als Ausländer in der Schule gemobbt und im St. Ingberter Krankenhaus hat er jetzt zwei Hüftprothesen bekommen. Mit seinen 23 Jahren hat Reza Bahrami schon viel durchgemacht. Das Smartphone scheint zunächst das Einzige zu sein, was den gebürtigen Afghanen mit hiesigen jungen Erwachsenen verbindet. Bei unserem Besuch im Februar wirkt Bahrami noch etwas matt von der jüngsten Operation. Das Telefon sei seine tägliche Verbindung zur Familie, sagt er, und seine einzige Ablenkung. Schüchtern liegt er in seinem Krankenbett im Kreiskrankenhaus in St. Ingbert . So viel Aufmerksamkeit ist ihm unangenehm.

"Take it easy" steht auf Bahramis T-Shirt. Das liest sich so leicht. Bahrami litt Monate lang an einer sogenannten Hüftkopfnekrose, bei der über einen langen Zeitraum hinweg der Oberschenkelknochen abstirbt, hatte furchtbare Schmerzen in der Hüfte. Seine Eltern waren deshalb mit ihm in die Teheraner Klinik gegangen. Als man ihm dort nicht helfen konnte, hatte Bahramis in Nürnberg lebende Schwester sich an den Verein "Hilfe für Einzelschicksale International" gewendet. Der in Dillingen beheimate Verein wird von dem gebürtigen Iraner Mohammed Ghodstinat und dessen Frau geführt und hilft weltweit einzelnen Menschen in Not. Gehälter erhält dort niemand, auch teure Werbekampagnen gibt es nicht. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter von Ghodstinats Verein ermöglichten mittels Spenden und einigem bürokratischem Aufwand die Einreise Bahramis nach Deutschland für eine OP. Die Klinik stellte die Prothesen kostenlos zur Verfügung. Wäre Bahrami nicht behandelt worden, hätte er möglicherweise seine beiden Beine verloren.

An diesem Montagvormittag im Februar stehen Ghodstinat, dessen Sohn und der behandelnde Arzt Klemens Bieringer an Bahramis Bett. Ghodstinat übersetzt aus dem Persischen. Bahrami sagt, ihm gehe es besser, die Beine täten ihm aber noch weh. Verständlich, schließlich waren die beiden Hüftprothesen dem jungen Mann erst Ende Januar und Anfang Februar eingesetzt worden, erzählt Bieringer. Der Arzt sagt, dass es eine schwierige OP gewesen sei. Der Patient habe nur 54 Kilo gewogen - keine guten Voraussetzungen um den hohen Blutverlust der Operation auszugleichen.

Doch letztlich überstand Bahrami sogar zwei OPs und erholt sich mittlerweile bei seiner Schwester in Nürnberg . Je länger man mit dem Afghanen spricht, umso mehr wird deutlich, dass er noch viel mehr mit den hiesigen jungen Menschen gemein hat. Bahrami sagt, er würde gerne raus gehen und Sport treiben oder Mädchen treffen. Bahrami unterstreicht, dass er dankbar sei für die viele Hilfe, die ihm zuteil wurde.

Vereinsvorsitzender Ghod stinat freut sich über Bahramis Genesung. Seine Aufgabe fasst er so zusammen: Er könne nicht das Elend der Welt ändern, sondern nur "Das Elend Einzelner lindern" helfen.

Im Jahresbericht des Vereins stehen noch weitere Fälle, die zeigen, wie dankbar auch die anderen Nutznießer sind. Eine junge Eritreerin war im vorigen Jahr durch die Kooperation des Vereins mit dem Krankenhaus ebenfalls in Sankt Ingbert behandelt worden. Jetzt will sie anderen Menschen helfen und macht derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Reha-Stiftung in Saarbrücken.

Spenden nimmt die "Initiative für Einzelschicksale" entgegen: IBAN: DE44593501100224507772, BIC: KRSADE55XXX