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Kolumne Unsere Woche
Coca-Cola schließt Fair und Weihnachten nicht aus

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Coca-Cola-Weihnachtstour erhitzt die Gemüter. Dass vor allem Kinder wegen einer  Wochenend-Werbeaktion ein unstillbares Verlangen nach der klebrigen Brause entwickeln, ist zu bezweifeln.

Seit mehr als 20 Jahren rollen sie jedes Jahr vor Weihnachten quer durch Deutschland, machen dabei in verschiedenen Städten halt und lassen die Herzen von Jung und Alt höher schlagen: die Coca-Cola-Weihnachtstrucks. Am zweiten Adventswochenende kommen die knallroten Lkws zum ersten Mal auch nach St. Ingbert. Wie die süß-klebrige Brause, schmeckt diese Aktion nicht jedem. Uns erreichten in den vergangenen Tagen einige Leserbriefe. Von Ideennot, Geschäftemacherei, Turbokapitalismus und fehlendem Gesundheitsbewusstsein ist die Rede.


Zugegeben - rund 30 Stück Zucker in einem Liter - Cola kann man nicht gerade als gesund bezeichnen. Dennoch, wer sich in der Weihnachtszeit Gedanken um gesündere Ernährung macht, der darf auch nicht zu buttrigen Plätzchen, süßen Schoko-Nikoläusen oder einem Stück fetten Weihnachtsbraten greifen, und sollte erst recht einen großen Bogen um den Glühweinstand machen. Denn der warme Gewürzwein und auch Kinderpunch sind ebenfalls echte Zuckerbomben. Knapp 30 Gramm Zucker pro Tasse wandern da auf die Hüften. Es bleibt auch zu bezweifeln, dass Kinder, denen ein gesundes Ernährungsbewusstsein vorgelebt wird, durch den Besuch der Trucks auf einmal einen unstillbaren Durst auf die Brause entwickeln.

St. Ingbert ist Fair-Trade Stadt und Coca-Cola ein Weltkonzern, der durch solche Weihnachtsaktionen seinen Status weiter ausbaut, das ist Fakt. Aber muss das eine das andere ausschließen? Wir werden kaum gezwungen, den fairen Gedanken für immer beiseite zu schieben, nur weil wir am zweiten Adventssonntag die weihnachtlichen Farben und Lichter auf dem Marktplatz bestaunen und der Musik der Chöre und Gastsänger lauschen. Mit der Dankeschön-Aktion spannt Coca-Cola auch den Bogen hin zu den Dingen, die an Weihnachten am meisten zählen: ein besinnliches Zusammensein und denen danken, die sich besonders für andere einsetzen. Daran ändert auch eine amerikanisierte Darstellung des Santa-Claus’ nichts, denn es ist und bleibt bei uns doch  das Christkind, das an Heilig Abend Kinderaugen zum Leuchten bringt. Also sollten die Kirchen im Dorf und die Trucks nach St. Ingbert gelassen werden.