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Bürgerinitiative ärgert sich
Wir sind St. Ingbert, keine Politiker!

Alexander Eich, Frank Leyendecker und Wolfgang Blatt von der Bürgerinitiative "Wir sind St. Ingbert" waren zu Gast in der Redaktion St. Ingbert.
Alexander Eich, Frank Leyendecker und Wolfgang Blatt von der Bürgerinitiative "Wir sind St. Ingbert" waren zu Gast in der Redaktion St. Ingbert. FOTO: Nina Drokur
St. Ingbert. Die ständige Verwechslung mit der Bürgerliste ärgert die Bürgerinitiative. Sie stellen klar: „Wir sind unabhängig.“ Von Nina Drokur

„Wir haben sie gewählt“, haben St. Ingberter ihnen nach der Kommunalwahl 2014 gesagt, erzählt Frank Leyendecker von der Bürgerinitiative „Wir sind St. Ingbert“. Dabei sind sie eben genau nur das, eine Bürgerinitiative und ein gemeinnütziger Verein. Mit den Politikern von „Wir für St. Ingbert“, die sich im Stadt- und im Ortsrat einsetzen, hat WSSI nichts zu tun. „Wir sind unabhängig und überparteilich“, sagt der 1. Vorsitzende ganz deutlich. Um das auch noch mal klarzustellen und zukünftigen Verwechslungen vorzubeugen, haben sich die drei WSSI-Mitglieder Frank Leyendecker, Alexander Eich und Wolfgang Blatt zum Redaktionsgespräch in die St. Ingberter Redaktion aufgemacht. Und dort sagen sie eindringlich: „Egal ob links, rechts, schwarz, grün, weiß-kariert, katholisch, evangelisch, bei uns sind alle willkommen, die mitmachen wollen.“ Und das völlig ohne Zwang, nach Lust, Zeit und Laune.


Am Sonntag, 19. August, feierte WSSI zehnten Geburtstag. Seit 2008 setzen sie sich, so sagen sie, für das Gemeinschaftsgefühl der Stadt ein. Angefangen habe alles mit einer Gruppe auf der mittlerweile geschlossenen Internetplattform Wer-kennt-wen. 2500 Mitglieder stark war die. Einige davon haben sich dann persönlich getroffen. Der Name „Wir sind St. Ingbert“ hat sich Alexander Eich ausgedacht, als er die Webseite angelegt hat, die er bis heute betreut. Dort sammelt der Verein Veranstaltungshinweise und Fotos, aber auch Pressemitteilungen von Vereinen und Parteien. Dass die Menschen informiert sind und wissen, was in St. Ingbert los ist, sei eines ihrer Ziele.

Denn schließlich ist „die Wahrnehmung der St. Ingberter auf ihre Stadt eine andere als der Blick von außen“, sagt Wolfgang Blatt, ein Mitglied der ersten Stunde. „In St. Ingbert ist nichts los“, würden viele klagen, andere über den Leerstand in der Fußgängerzone schimpfen, erzählen die Drei. „Welcher Leerstand?“, fragt hingegen Alexander Eich, der nicht nur 2. Vorsitzender von WSSI ist, sondern auch 2. Vorsitzender des Vereins Handel und Gewerbe. „Bis auf drei Geschäfte haben wir in St. Ingbert Vollvermietung. Nur weil das Sinn-Gebäude seit Jahren leersteht, haben die Leute eine verquere Wahrnehmung.“



Diese Eindrücke sind auch aus einer Umfrage hervorgegangen, die der Verein in seiner Anfangszeit gemacht hat. Rund 1000 Umfragebögen hätten sie ausgewertet, um rauszufinden, was die St. Ingberter wollen. Viele Punkte, wie mehr Cafés und Restaurants in der Fußgängerzone hätten sich mit den Jahren geändert. Und was die damals bemängelten fehlenden Tanzveranstaltungen angeht? Da hat der Verein zeitweise selbst Hand angelegt. Etwa mit einer Disco im „Basement“. Und im Juni im Sudhaus St. Ingbert. Eine weitere Auflage dieser Party soll es im September geben. Weitere Aktionen des Vereins sind etwa Fotoshootings auf dem Rohrbacher Weihnachtsmarkt oder Public Viewings zu Fußball Europa- und Weltmeisterschaften. Auch mittlerweile schon Tradition hat der Jailhouse-Rock den der Verein jedes Jahr im ehemaligen Gefängnis in St. Ingbert organisiert. Alles kostenlos: „Es soll jeder mitmachen können“, lautet die Devise von WSSI.

Was die Initiative ausmacht? „Wir beschweren uns nicht, wir machen“, lautet die Ansage von WSSI. Und so haben einige Mitglieder Blumenpatenschaften übernommen und Pflanzkübel in der Fußgängerzone begrünt. Sie wollen einfach zeigen, dass das St. Ingbert, für das die Gruppe brennt, etwas zu bieten hat. „Man kann sich über die immer gleichen kaputten Bänke und Mülleimer in der Fußgängerzone aufregen, man kann sich aber auch an dem Rest erfreuen“, findet Eich. Am zweiten Montag im Monat treffen sich die Interessierten. „Meist so zwischen 15 und 20 Leute“, sagen die Drei. Dann wird sich ausgetauscht und über Ideen für die Zukunft nachgedacht. Wie etwa „St. Ingbert frühstückt“. Wenn das Wetter am Sonntag, 2. September mitspielt, lädt die Initiative zum gemeinsamen Frühstück in die Fußgängerzone ein. Ab 10 Uhr stellen sie Bänke und Stühle am Brunnen in der Fußgängerzone bereit. Essen und Getränke muss jeder selbst mitbringen.

Und wie stellen sie sich die nächsten zehn Jahre vor? Eigentlich genau wie jetzt. „Wir verfolgen kein festes Ziel und wenn das erreicht ist, lösen wir uns auf“, sagt Leyendecker. „Wir wollen auch in zehn Jahren noch das Gemeinschaftsgefühl in St. Ingbert stärken.“