| 21:16 Uhr

Südviertel in St. Ingbert
Bürger wollen keine neue Bebauung

Ortsvorsteher Ulli Meyer (links) informierte die Anwohner des Südviertels über die von den Gutachtern vorgeschlagenen Erschließungsmaßnahmen der „Fideliswiese“.
Ortsvorsteher Ulli Meyer (links) informierte die Anwohner des Südviertels über die von den Gutachtern vorgeschlagenen Erschließungsmaßnahmen der „Fideliswiese“. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Klare Botschaft bei einer Versammlung an der Südschule: Die Fideliswiese muss Grünfläche bleiben. Von Cornelia Jung

Nachdem am Montag im Rathaus ein Stadtentwicklungskonzept zweier Planungsbüros schon Thema war, stellte Ortsvorsteher Ulli Meyer (CDU) einen Tag später die im Rahmen der Studie vorgeschlagenen Erschließungsmaßnahmen bei einer Versammlung an der Südschule vor. Ihr gegenüber befindet sich die Fideliswiese „getaufte“ Grünfläche mit Bolzplatz, Streuobst und Bienen, die bei den Gutachtern Begehrlichkeiten weckte. Hatte man doch den Arbeitsauftrag „Innen- vor Außenentwicklung“ ausgegeben mit dem Ziel, innerstädtische Freiflächen zu nutzen. Eine für eine Bebauung in Frage kommende Fläche ist eben jene Wiese, die grüne Lunge des Südviertels.


Um deren Bebauung zu verhindern, versuche man über die „Bürgerinitiative (BI) zur Erhaltung der naturbelassenen Grünfläche sowie des Bolzplatzes im Bereich St.-Fidelis-Straße/Südschule St. Ingbert“ das Gespräch mit allen Anwohnern und Entscheidungsträgern in Gang zu halten, wie deren Sprecher Klaus Ackermann sagte. Er rief die zahlreich erschienenen Bürger dazu auf, in der BI mitzuarbeiten, da sich die Situation seit 2017 verschärft habe. Es liege „an der Bequemlichkeit der Stadt“, die Fideliswiese auf der Prioritätenliste so weit oben anzusiedeln, denn sie könne das in ihrem Eigentum befindliche Grundstück direkt und ohne große Mühe verkaufen. Auch wenn es noch mindestens ein bis zwei Jahre dauere, bis der neue Flächennutzungsplan stehe, auf dessen Grundlage weiter entschieden werde, müsse man jetzt schon handeln. Die BI wolle erreichen, dass in diesem für eine Bebauung wichtigen Entscheidungspapier die Wiese als Grünfläche ausgewiesen wird, so dass sie für die Zukunft unantastbar bleibe.

Die vom Büro Isoplan angesetzten Kriterien für die Fideliswiese als Baugrundstück seien in jede Richtung verschiebbar. „Das Gelände ist durch seine Nähe zur Autobahn attraktiv“, so Ackermann, „wenn hier gebaut wird, ist es das nicht mehr.“ Auch die Schulleiterin der Südschule habe deutlich gemacht, dass man schon genügend Schüler habe. Außerdem sei die Kanalisation nicht für eine Anzahl von über 100 zusätzlichen Wohneinheiten ausgelegt.



Auch Ulli Meyer fand, dass die von Ortsrat und BI vor einem Jahr erarbeiteten Argumente gegen eine Bebauung nur unzureichend in das Gutachten eingeflossen seien. „Es ist eine Grünfläche, die nicht isoliert ist, sondern ihren Zweck erfüllt“, so der Ortsvorsteher. „Es ist eben für die Anwohner mehr als ein Stück Wiese. Der Gutachter sieht das mit einem gewissen Maß an Distanz.“ Auch Rainer Keller (Die Grünen) wies darauf hin, dass sich gerade die Senioren aus dem benachbarten Altenheim an dem Stück Natur inmitten des Wohngebiets erfreuten. „Die Bauabsicht hier wäre so, als würden wir die Gustav-Clauss-Anlage bebauen.“

Jürgen Berthold, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, verwies auf eine Widersprüchlichkeit im Gutachten: „Einerseits werden Grünflächen in den Wohngebieten hoch bewertet. Andererseits will man sie bebauen.“ Das stünde gerade einer Biosphärenstadt schlecht zu Gesicht. Die Bewertung sei wohl eher technokratisch und ohne Berücksichtigung des Verlusts an Lebensqualität ausgefallen. Es gebe alternative Flächen für Baugebiete, beispielsweise das WVD-Gelände, das Alte Rathaus in Rohrbach oder auch die Fläche der Firma Neumann. „Die Fideliswiese werden wir nicht opfern“, versicherte auch der Vorsitzende der St. Ingberter CDU, Frank Luxenbrger. Sicher fehle sozialer Wohnungsbau, aber „ihn in geschlossene Wohngebiete reinzuknallen, ist verfehlt“.

Laut Keller habe man im Südviertel eine stadtverträgliche Bebauungs-Mischung. „Warum sollen die Anliegen der jetzigen Bewohner weniger wert sein als die von denen, die nach Wohnraum suchen?“, fragte er in die Runde. Zweckrationalität stehe bei der Stadt gegen Werthaftigkeit, befand Ackermann. Die Fideliswiese wolle man im kommenden Jahr auf jeden Fall zum Wahlprüfstein erheben.