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Es werden wieder Laienrichter gesucht
Bürger können sich als Richter bewerben

Die Justitia ist die Symbolfigur der Gerichtsbarkeit. Auch ehrenamtliche Richter müssen abwägen.
Die Justitia ist die Symbolfigur der Gerichtsbarkeit. Auch ehrenamtliche Richter müssen abwägen. FOTO: dpa / David-Wolfgang Ebener
St. Ingbert. St. Ingbert sucht Schöffen. Die Laienrichter haben bei Gericht großen Einfluss. Elisabeth Pintarelli berichtet von ihren Erfahrungen.

Ihr Gesicht sei wie ein offenes Buch, sagen die Freunde von Elisabeth Pintarelli. „Ich habe mir deshalb eine steife Mimik antrainiert“, erzählt die Schöffin. Im Gerichtssaal soll niemand erkennen, was die ehrenamtliche Richterin denkt oder fühlt. Seit 2014 verhandelt Pintarelli am Amtsgericht Saarbrücken. 2018 geht ihre fünfjährige Amtszeit zu Ende. Die St. Ingberterin will weitermachen.


Bis zum 31. März können sich die Bürger St. Ingberts bei der Kommune als Schöffen bewerben. Chancen hat, wer einen deutschen Pass besitzt, in der Mittelstadt wohnt und am 1. Januar 2019 mindestens 25, höchstens 69 Jahre alt ist. Wer zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem halben Jahr verurteilt wurde, scheidet aus. Gleiches gilt bei Ermittlungen wegen schwerer Straftaten. In der Vergangenheit meldeten sich in St. Ingbert mehr als 100 Interessenten. Der Stadtrat erarbeitet nach der Bewerbungsfrist eine Vorschlagsliste, mit mindestens 37 Kandidaten. Im Oktober sucht das Amtsgericht die Laienrichter aus, für die Amtszeit 2019 bis 2023. Pintarelli hat das Verfahren 2013 durchlaufen. Sie sagt: „Ich finde es ganz wichtig, dass man sich einbringt, um als Bürger ein Mitspracherecht zu haben.“

Schöffen erfüllen eine verantwortungsvolle Aufgabe. Bei einer Strafverhandlung besitzen sie das gleiche Stimmrecht wie ein Berufsrichter. Die Hauptamtlichen verfügen über Rechtskenntnisse. Von Schöffen wird in erster Linie Menschenkenntnis erwartet, heißt es in der städtischen Ausschreibung. Was das bedeutet, weiß Pintarelli. Sie beobachtet einen Angeklagten genau: „Schaut er weg, schaut er unter sich, lügt er sich was zusammen?“



Als Pintarelli sich bewarb, durfte sie ankreuzen: Will sie Schöffin am Amtsgericht sein? Oder auch beim Landgericht Saarbrücken, wo es um schwere Straftaten geht? Pintarelli erinnerte sich an den „Pascal-Prozess“ in Saarbrücken, das ungeklärte Schicksal des 2001 verschwundenen Jungen aus Burbach. Sie fragte sich: Würdest du so einen Fall schaffen? Am Ende fiel ihre Wahl auf das Amtsgericht. Dort entscheiden Einzelrichter. Oder Schöffengerichte, die sich mit mittleren Straftaten befassen. Vor der Schöffin Pintarelli sitzen Diebe, Einbrecher, Drogendealer. Die Verwaltungsangestellte muss die Schuldfrage klären. Am Ende steht ein Urteil. Im Namen des Volkes. „Das hat mich nie überfordert“, sagt Pintarelli. Schließlich ist sie nicht alleinverantwortlich. Zwei Schöffen, ein Profi. So lautet die Besetzung des Schöffengerichts. Diese Dreier-Konstellation mache die Aufgabe spannend, findet Pintarelli.

Meist verbringt die St. Ingberterin einen halben Arbeitstag beim Gericht. Im Schnitt kommen die Laienrichter auf ein Dutzend Sitzungen im Jahr. Vor einer Verhandlung weiß Pintarelli nichts über einen Fall. Sie soll unvoreingenommen sein. Deshalb werden Schöffen auch ausgelost. „Viele sind reumütig“, berichtet Pintarelli über die Angeklagten. Sie erinnert sich an einen Mann, der nach drei Monaten in U-Haft vor ihr stand: „Der war sowas von gebeutelt.“ Im Saal saß eine Schulklasse. Jede Angabe zu seiner Person erschien ihm unangenehm. Doch so treten nicht alle auf. Manchmal würde Pintarelli ein höheres Strafmaß ansetzen. Sie hat es mit Erwachsenen zu tun. Daneben kann man sich als Jugendschöffe bewerben – und schon mal die passende Mimik für das Gericht einüben.

www.schoeffenwahl.de

Elisabeth Pintarelli aus St. Ingbert ist seit fünf Jahren Schöffin – und möchte es gern bleiben.
Elisabeth Pintarelli aus St. Ingbert ist seit fünf Jahren Schöffin – und möchte es gern bleiben. FOTO: jung / Cornelia Jung