| 20:27 Uhr

Weihnachtskonzert
Blechbläser-Ensemble brach das Eis

Premiere beim Weihnachtskonzert des Musikvereins Rentrisch hatte dessen neu gegründetes Jugendorchester unter der Leitung von Henning Klahm (rechts).
Premiere beim Weihnachtskonzert des Musikvereins Rentrisch hatte dessen neu gegründetes Jugendorchester unter der Leitung von Henning Klahm (rechts). FOTO: Cornelia Jung
Rentrisch. Ein abwechslungsreiches Programm gab es beim Weihnachtskonzert des Musikvereins Rentrisch zu hören. Mit dabei: das neu gegründete Jugendorchester.

Manch einer rieb sich verwundert die Augen, wie voll die Rentrischer Kirche am vergangenen Adventssonntag anlässlich des Weihnachtskonzerts des ortsansässigen Musikvereins war. Nicht, dass die Auftritte der Orchester nicht auch in den vergangenen Jahren gut besucht gewesen wären, aber dass Besucher an der Seite Platz nehmen mussten, gibt es selten. Im Verlauf des Abends zeigte sich dann, dass es gleich mehrere Gründe für den großen Zuspruch gab. Zum ersten gibt es viele Kinder, die die Musikalische Früherziehung (Leitung: Andrea Meyer) besuchen und die ihren eigenen Fan-Club bestehend aus den Eltern, Großeltern und Geschwistern mitgebracht hatten. Ihr gesungener, gespielter und mit Instrumenten begleiteter „Schneeflockentanz“, für den im Vorfeld auch noch Papierflöckchen gebastelt worden waren, bekam den verdienten Applaus. Valentin, der das Stück anmoderierte, hatte schon bei Ankündigung einen Plan, falls der Einsatz der jüngsten Musiker Probleme machen sollte: „In der Probe hat das übrigens gut geklappt. Aber wenn uns die Stimmen versagen, dann singen Sie doch bitte mit.“ Mit dieser Sicherheit durch das Publikum im Rücken, meisterten die Kinder ihren Part souverän.


Der zweite Grund des zahlreichen Besuchs liegt wohl in der sehr guten Entwicklung des Orchesters begründet. Schon das Blechbläserensemble als Eisbrecher des Konzerts war ein Hörgenuss und hatte neue Gesichter aufzuweisen. Blechbläser und Weihnachten gehören einfach zusammen wie Heiligabend und das Christkindchen. Das angekündigte „weihnachtliche Paket“, das die kleine Gruppe geschnürt hatte, verwies zwar erst mit der Zugabe auf das kurz bevorstehende Fest, doch mit dem Popsong „I will follow him“ aus Sister Act und dem an irische Volksmusik angelehnten „You raise me up“ trafen sie genau den Nerv des Publikums. Die Anmoderation des Popsongs „A Whiter Shade of Pale“ ließ einen Angriff auf die Ohren vermuten, da der musikalische Leiter des kleinen Ensembles davon sprach, wie interpretationsbedürftig der zugehörige Text des Songs sei, „den niemand verstehe“, selbst die damaligen Sänger der Band Procol Harum nicht. Doch das Stück war, angelehnt an Bachs „Air“, eingängig und für manchen Geschmack noch viel zu kurz. Ein Glück, dass für den Titel beim Konzert angesichts dieser Bemerkung kein Gesang vorgesehen war. Eine Sängerin gab es mit Lena, die vom Großen Orchester begleitet wurde, aber dann doch. Mit ihrer Interpretation von „The Last Rose of Summer“ aus Friedrich von Flotows Oper „Martha“ und dem Titelsong aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, dem Weihnachtsmärchen schlechthin, war sie der dritte Grund, warum sich der Konzertbesuch einmal mehr lohnte.

Schade, dass sie nicht auch „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“ sang. Da wären Gänsehautmomente vorprogrammiert gewesen. Doch Dirigent Daniel Peters, der erstmalig die Leitung des Großen Orchesters hatte, zeigte den Instrumentalisten mit einer „Daumen hoch“-Geste, welche Leistung sie damit abgeliefert hatten. Ähnliches sah man bei der „Appalachian Ouvertüre“von James Barnes, die zu den beliebtesten Blasorchesterkompositionen der letzten Jahre gehöre. Der neue Dirigent und die Spitzenleistung des Orchesters waren die Gründe vier und fünf, weshalb der Kirchenbesuch noch lange nachklingen wird.



Und noch einen Grund mehr, auf Kommendes gespannt zu sein, lieferte das neu gegründete Jugendorchester (Leitung: Henning Klahm), das beim Vortrag des afrikanischen Liedes „Siyahamba“ von Luigi di Ghisallo, des Disko-Hits „Shut up and dance with me“ und „Kleine Weihnachtsfantasie“ von Thomas Berghoff, unterstützt von einigen alten „Orchester-Hasen“, Lust auf mehr machte. Das Jugendorchester profitiert von der Kooperation mit einer Dudweiler Schule, deren Bläserklasse nach jeweils zwei Jahren ausläuft und deren Mitglieder sich dann eine neue musikalische Heimat außerhalb der Schulmauern suchen müssen. Die Rentrischer nahmen sie mit offenen Armen auf. Laut Matthias Schößer „ein glücklicher Zufall“, aber eigentlich noch viel mehr als das, geht es doch um die Zukunft des Musikvereins.