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Biosphärenfest in St. Ingbert
Die Vielfalt der Biosphäre zum Anfassen

Vom Biosphärenfest im Stadtpark mit seinen vielen Besuchern sollen auch Menschen profitieren, denen es nicht so gut geht. So hingen am Fahrrad im Vordergrund mit Sommerblumen geschmückte Strohkränze, deren Erlös einem guten Zweck zukommt.
Vom Biosphärenfest im Stadtpark mit seinen vielen Besuchern sollen auch Menschen profitieren, denen es nicht so gut geht. So hingen am Fahrrad im Vordergrund mit Sommerblumen geschmückte Strohkränze, deren Erlös einem guten Zweck zukommt. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert/Kleinblittersdorf . 127 Stände und Hunderte Akteure zeigen den Besuchern des Biosphärenfests in St. Ingbert, wie lebendig die Region ist. Von Cornelia Jung

Das 15. Biosphärenfest in der Gustav-Clauss-Anlage wurde von St. Ingberts Oberbürgermeister Hans Wagner als Fest der Superlative angekündigt. Allein die 127 Stände und Hunderte Akteure rechtfertigten diese Einschätzung, ganz abgesehen von vielen tausend Besuchern. Umweltminister Reinhold Jost zeichnete das Bild einer lebendigen Biosphärenregion, zu der auch die Gemeinde Kleinblittersdorf gehört, und verwies in diesem Zusammenhang auf die vielen Biosphären-Botschafter und „Überzeugungstäter“, die sich aktiv für die Natur und die Kulturlandschaft einsetzen.


Wenn schon die Jüngsten für ihre Heimat sensibilisiert werden, ist schon viel für die Umwelt gewonnen. Darauf setzte beispielsweise das Kunter-BUND-Mobil, bei dem sich die Kinder um die Mikroskope scharten, um Wasserkäfer und Co. zu sehen, oder der Nabu, bei dem die einheimische Vogelwelt in den Fokus rückte. Was Flora und Fauna des Biosphärenreservats Bliesgaus für die Ernährung und das Handwerk hergeben, sahen die Gäste in vielfältiger Form.

Beim Essen- und Getränkeangebot fiel die Wahl schwer. Es gab unter anderem Biosphären-Hot-Dogs, Fitness-Burger oder Wildbratwurst, deren Fleischlieferanten auf heimischem Boden groß und in der Region verarbeitet wurden, oder Ohwegeleede aus hiesigen Grumbeeren. Beim in St. Ingbert gebrauten Bier griffen die Besucher an diesem Sommertag genau so zu wie beim „Sauvignon blanc“ von den Hängen um Reinheim, dem Wasser, das von den ortsansässigen Stadtwerken kostenlos angeboten wurde, oder den Milchshakes vom nahen Bauernhof.



Mit vielen Produzenten von Fleisch, Wurst, Öl, Backwaren, Honig, Obst oder Seifen aus dem Bliesgau, zeigte sich eine funktionierende Stadt-Land-Beziehung. Sie ist das Alleinstellungsmerkmal dieser Biosphärenregion, die sich 2019, zehn Jahre nach ihrer Anerkennung durch die Unesco, der Rezertifizierung stellen muss. „Da wird geprüft, ob wir den Kriterien noch standhalten“, erklärte Landrat und Vorsteher des Biosphärenzweckverbandes, Theophil Gallo, den Vorgang, „wenn ich aber die Kulisse hier sehe, ist es mir nicht bange, dass wir das Prädikat zum wiederholten Mal erhalten.“

Mit dem Stadtpark hatte die Mittelstadt St. Ingbert, die zum dritten Mal Gastgeber dieses Festes war, aber auch ein ordentliches Pfund, mit dem sie wuchern konnte. Obwohl die vordere Wiese an der großen Bühne, auf der viele Vereine und deren Mitglieder mit Musik und Tanz zur Unterhaltung beitrugen, gut gefüllt war und es in den „Seitengassen“ zeitweise kaum ein Durchkommen gab, fanden sich auch die Oasen der Ruhe. Der Weiher mit den ruhig dahinschwimmenden Enten war nicht nur ein idealer Ort für eine Pause vom Festgeschehen, sondern auch ein begehrter Standplatz.

Während die Kinder bei einem Schreiner Schiffchen bauen oder sich schminken lassen konnten, griffen sie bei den Bildhauern am „See“ im Schatten der alten Bäume zum Steinbearbeitungswerkzeug. Jene dienten an anderer Stelle auch zum Befestigen einer Slackline, auf der sich kleine Balancierer tummelten. Die Spielplätze im Park waren heiß begehrt und auf den im hinteren Teil befindlichen Hügeln ging beim Mountainbiken die Post ab. Vereine, Schulen, Kindergärten, Institutionen, Organisationen, Privatpersonen und die Stadt zeigten, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen. Das Fest „strahlte“ bis in die City.

In der Fußgängerzone wurden passend zum Biosphären-Gedanken umweltschonende Elektrofahrzeuge gezeigt, und im Park die besten Stadtradler geehrt. Von den fast 47 000 in drei Wochen gefahrenen Kilometern radelte allein Michael Sendel 2643.

Viele Besucher verweilten acht Stunden im grünen Festbereich des Parks. So sehr gefiel das Fest. „Unglaublich, wie viele Leute da sind. Der Park ist ein geiler Ort, eine tolle Location“, fand Peter Richter und teilte wohl damit die Meinung der meisten Besucher.

Dem Trubel war kaum zu entkommen. Fast nicht: Diese beiden Besucher haben am Weiher mit seiner Kunstwiese ein Plätzchen gefunden.
Dem Trubel war kaum zu entkommen. Fast nicht: Diese beiden Besucher haben am Weiher mit seiner Kunstwiese ein Plätzchen gefunden. FOTO: Cornalia Jung / Cornelia Jung
Der Deutsche Alpenverein hat kleine Hochstapler gern gesehen.
Der Deutsche Alpenverein hat kleine Hochstapler gern gesehen. FOTO: Cornelia Jung