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Beweidungsprojekt wird vorgestellt

Normalerweise dürfen die 16 schottischen Hochlandrinder, die die Wiese im Rohrbachtal extensiv beweiden, nicht zusätzlich gefüttert werden. Doch für Umweltminister Reinhold Jost (links) und die vielen St. Ingberter, die zur offiziellen Vorstellung des Projekts gekommen waren, machte Landwirt Edgar Sander (rechts) eine Ausnahme. Foto: Cornelia Jung
Normalerweise dürfen die 16 schottischen Hochlandrinder, die die Wiese im Rohrbachtal extensiv beweiden, nicht zusätzlich gefüttert werden. Doch für Umweltminister Reinhold Jost (links) und die vielen St. Ingberter, die zur offiziellen Vorstellung des Projekts gekommen waren, machte Landwirt Edgar Sander (rechts) eine Ausnahme. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. 26 Jahre ist es her, dass ein 49 Hektar großes Gelände zwischen Rohrbach und St. Ingbert zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Jetzt stehen am Wombacher Weiher 15 schottische Hochlandrinder. Umweltminister Reinhold Jost schaute sich das Projekt jetzt vor Ort an. Cornelia Jung

. Sie stehen schon seit ein paar Wochen auf ihrem neuen Gelände im Rohrbachtal, die 15 schottischen Hochlandrinder von Edgar Sander. Doch erst jetzt, nachdem sich die robusten, liebenswerten Tiere eingelebt haben, wurde das Beweidungsprojekt, bei dem der Landwirt, die Stadt St. Ingbert , die Naturlandstiftung Saar und der Nabu an einem Strang ziehen, offiziell der Bevölkerung am Wombacher Weiher vorgestellt. Und mittlerweile gab es dort bei den Rindern mit dem wuscheligen, langen Fell auch schon den ersten Nachwuchs. Oberbürgermeister Hans Wagner zeigte an der Fischerhütte das neue St. Ingberter Maskottchen "Zottel", das bereits vom Stadtmarketing "in Umlauf gebracht" wurde. Am Dienstag konnten, angelockt durch Möhren, die Rinder-Besitzer Sander großzügig auf der Wiese ausgelegt hatte, die St. Ingberter auch die großen Vorbilder des kleinen Plüschtiers hautnah erleben. "Es ist ein interessantes Projekt", so Wagner, "die Tiere sollen die Verbuschung verhindern und außerdem könne sich die Leute an ihrem Anblick erfreuen." Er bedankte sich bei allen Anwesenden dafür, dass sie die Beweidung so positiv begleiten.



26 Jahre ist es her, dass ein 49 Hektar großes Gelände zwischen Rohrbach und St. Ingbert zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Doch seit dessen Schaffung wurde es immer schwieriger, dass es seinem eigentlichen Zweck, der "Erhaltung, Förderung und Entwicklung eines naturnahen, reich strukturierten Auenabschnitts des Rohr- und Kleberbachs" diente. Viele Vogelarten, wie der Raubwürger oder die Bekassine, blieben fern, da sie, auch durch die Ausbreitung invasiver Arten und Gehölze, keinen geeigneten Lebensraum mehr vorfanden. Zehn Jahre ist es her, dass Förster Bodo Marschall die Idee des Einsatzes von Beweidungstieren, für die sich auch der Nabu stark machte, im Ortsrat einbrachte. "Ich bin da schon ein bisschen stolz drauf, dass es nun soweit ist", sagte er.

Auch die Vorsitzende des St. Ingberter Nabu war froh über die Umsetzung. "Es kommt mir jetzt vor, als seien die Tiere schon immer hier gewesen. Die gehören hierher", freute sich Barbara Böhme über die extensive "Bewirtschaftung". Man wolle als Nabu in den kommenden Jahren ein Auge darauf haben, wie sich Vogelwelt, Vegetation und Amphibien in diesem Bereich entwickeln. Aber da sei man optimistisch. Auch das Umweltministerium teilte diesen Optimismus, hatte es doch für dieses Musterbeispiel an Nachhaltigkeit einen Zuschuss in Höhe von 32 000 Euro gewährt, mit dem 3,2 Hektar Fläche erworben werden konnten. Die Stadt St. Ingbert hatte ebenfalls 30 000 Euro für die Ersteinrichtung der Infrastruktur, wie den 2000 Meter langen Weidezaun, die Erstpflege oder die Beschilderung, zur Verfügung gestellt. Umweltminister Reinhold Jost , der sich das Projekt vor Ort anschaute, sagte, dass Landwirtschaft eben mehr sei, als nur das Produzieren von Lebensmitteln. Obwohl den Anwesenden auch die Rindswürste schmeckten, die es bei der Projekt-Vorstellung gab. Was die Tiere "betrieben" sei auch Kulturlandschaftspflege, ohne die es einige Tier- und Pflanzenarten im Saarland noch schwerer hätten.

Man sehe an diesem Beispiel, dass Landwirtschaft, Naturschutz und Umweltschutz gleichzeitig möglich seien und auch der touristische Aspekt in einer wunderschönen Landschaft nicht zu kurz komme.