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Berührende Klänge der „Marienklage“

St Ingbert. Die barocke „Marienklage“ des italienischen Komponisten Giovanni Battista Ferrandini gehört zu den eher selten aufgeführten Werken zur Passionszeit. Umso beeindruckter zeigte sich das St. Ingberter Publikum – auch dank der herausragenden Solistinnen Cathrin Bungert und Hildegard Baum. Jörg Martin

Die Engelbertskirche scheint sich mittlerweile als ein Ort für eine besondere Art von Konzerten in der Mittelstadt zu etablieren. Die Alte Kirche in der Kaiserstraße steht nämlich inzwischen als Synonym für Passionskonzerte. So auch am Samstagabend, als das Collegium musicum aus Zweibrücken zu einem Benefizkonzert für die Renovierung der Pfarrkirche auftrat. Das Kammerorchester, das in diesem Jahr auf sein 30-jähriges Bestehen zurückblicken kann, hatte sozusagen "zwei alte Bekannte" mit dabei: die Sopranistin Cathrin Bungert und die Mezzosopranistin Hildegard Baum. Sie waren beide bereits im Vorjahr zu einem reinen Gesangs-Passionskonzert in St. Engelbert zu Gast.

Italienische Barockmusik war dieses Mal der Schwerpunkt des Kammerorchesters aus Zweibrücken mit den beiden Solistinnen.

Das Werk von Giovanni Battista Ferrandini (1709-1791) mit dem Titel "Il Pianto di Maria", zu Deutsch "Marienklage", wurde sehr lange Zeit fälschlicherweise Georg Friedrich Händel zugeordnet. Erst 1993 bemerkte man dies. In Ferrandinis Werk hat die Gottesmutter eine ungewohnte Rolle. Sie klagt den Gottvater an. Normalerweise hat die Erzählerrolle und die der Mutter Gottes eine Person inne. Zudem ist diese Funktion üblicherweise einer Kastratenstimme zugeordnet. Frauen war der Kirchengesang damals lange Zeit verboten.

Beim St. Ingberter Konzert hatten die beiden Solistinnen diese Rolle übernommen. Hildegard Baum sang die Erzählerin. Cathrin Bungert interpretierte die Maria. Die Passionskantate ist nicht allzu oft zu hören. Auch in unserer Region nicht. Dabei zählt sie sowohl hinsichtlich Text als auch musikalisch zu den anspruchsvollen Werken. Maria hadert dabei als Mutter mit Gott. Beim zweiten Konzertteil, dem "Stabat Mater" von Giovanni Battista Pergolesi , handelt es sich um das letzte vollendete Werk des Komponisten . Es kennzeichnet sich vor allem durch warme, zupackende Stimmen. Eine Rolle, die die beiden Sängerinnen durchaus mit Leben füllten.

Zwölf Strophen, umrahmt durch das Collegium musicum Zweibrücken, vergingen wie im Flug. Stehende Ovationen gab's nach dem Auftritt. "Am Ende war man überrascht, dass es so schnell vorbei war", meinte eine Musikfreundin aus Rohrbach immer noch sehr angetan.