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St. Ingbert
Beirat für barrierefreies Bauen geplant

Ampeln an der Kreuzung Poststraße / Schlachthofstraße stehen mittig auf den Platten, die Sehbehinderten den Weg zur Fußgängerfurt anzeigen. Wer sich auf das Leitliniensystem verlässt, läuft unweigerlich dagegen. Solche Planungsfehler sollen künftig vermieden werden.
Ampeln an der Kreuzung Poststraße / Schlachthofstraße stehen mittig auf den Platten, die Sehbehinderten den Weg zur Fußgängerfurt anzeigen. Wer sich auf das Leitliniensystem verlässt, läuft unweigerlich dagegen. Solche Planungsfehler sollen künftig vermieden werden. FOTO: Selina Summer
St. Ingbert. Ein neues Gremium soll dafür sorgen, dass die Stadt die Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen berücksichtigt. Von Michael Aubert

Der Ortsrat St. Ingbert Mitte hat in seiner vergangenen Sitzung beschlossen, dem Stadtrat vorzuschlagen, einen Beirat für „Barrierefreies Bauen“ einzurichten. Der soll dabei helfen, Sachkompetenz bei den Baumaßnahmen der Stadt zu gewinnen und Fehler, die gemacht wurden, nicht zu wiederholen – etwa der falsche Einbau von Bodenplatten beim Blindenleitsystem in der Innenstadt St. Ingberts oder unzureichende Zugänge für gehbinderte Menschen (wir berichteten).


Ortsvorsteher Ulli Meyer bezog sich außerdem auf eine Verkehrsbegehung des Ortsrats im vergangenen Jahr und zog beim Blindenleitsystem, das direkt auf einen Ampelpfosten führte, Vergleiche mit einem schlechten Kinofilm. „Was oft fehlt, ist die Perspektive derjenigen, die gewisse Einschränkungen haben“, sagte er. Dies betreffe neben dem Blindenleitsystem auch die Pflasterung in der Fußgängerzone oder in der Gustav-Clauss-Anlage. Dabei gehe es nicht darum, „Geld in die Hand zu nehmen, das wir nicht haben“, so Meyer, sondern bei Planungen auch solche Menschen hinzuzuziehen, die neben einer gewissen Kompetenz die notwendige Perspektive mitbringen. Das seien neben Menschen mit Behinderung beispielsweise auch Senioren.

Ziel sei es, bereits in der frühen Planungsphase von Bauprojekten Änderungen vornehmen zu können. Der Rat sollte schon in den vorbereitenden Planungen etwa auf DIN-Normen und unterschiedlichen Interessen hinweisen können. „Denn ist erst mal gebaut, wird der Mehraufwand für eine Änderung unverhältnismäßig“, sagte Meyer. Zumal das Thema „barrierefreies Bauen“ immer wichtiger werde.



Siegfried Thiel (SPD) mahnte an, dass es sich nicht um ein reines Beratungsgremium handeln könne. Man müsse sich genau überlegen, wie man diesen Beirat konstruiert, wie die Zusammenarbeit mit der Verwaltung funktioniert, wo eventuell Probleme auftreten könnten. Die Leute müssten da sein, wo sie gebraucht würden. Er sprach sich deshalb dafür aus, „den Kreis der Beteiligten jetzt nicht abschließend zu bestimmen“, sondern, abhängig von den Projekten, „die jeweiligen Fachleute hinzuzuziehen“.

Ursprünglich hatte Ortsvorsteher Meyer die Behindertenbeauftragten der Stadt, Karl-Heinz Dewald, Edwin Schetting und Boris Nicolai, für diesen Beirat vorgeschlagen (wir berichteten), der mit maximal drei von Behindertenverbänden vorgeschlagenen Sachverständigen komplettiert werden sollte.