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Literaturforum
Autoren mit facettenreichen Werken

Der Sprecher des St. Ingberter Literaturforums, Jürgen Bost (links), mit der Autorin Sibylle Knauss.
Der Sprecher des St. Ingberter Literaturforums, Jürgen Bost (links), mit der Autorin Sibylle Knauss. FOTO: Sonja Colling-Bost
St. Ingbert. Das St. Ingberter Literaturforum blickt auf das Lesungsjahr zurück: Zehn Veranstaltung fanden großen Zuspruch. red

(red) Hoch zufrieden zeigt man sich beim St. Ingberter Literaturforum (ILF) beim Rückblick auf das Lesungsjahr 2017. Bei insgesamt zehn Veranstaltungen waren über 700 Zuhörer in die Stadtbücherei gekommen, wo ihnen ein facettenreiches Angebot von Autorenlesungen und Buchvorstellungen geboten werden konnte. Das soll im neuen Jahr 2018 so weitergehen.



Den Auftakt bildete Hans-Guido Klinkner mit der musikalisch umrahmten Präsentation seiner Anthologie „Wege der Erinnerung – Gedichte und Reiseimpressionen“, einer beeindruckenden Summe seines literarischen Schaffens, herausgegeben von Prof. Gerhard Sauder. Die Auftaktveranstaltung sorgte gleich für einen Besucherrekord, denn Klinkner verfügt über eine treue und große Lesergemeinde, und seine Laufbahn ist eng mit dem ILF verbunden, was die über Jahrzehnte verteilten Lesungen aus seinen verschiedenen Gedichtsammlungen zeigen.

Ihm folgte im Frühjahr Georg Fox, ein genauer Beobachter mit rheinfränkischem Mundart-Zungenschlag, der seinen aktuellen Titel „Saa, was de willschd!“ vorstellte und dabei mit treffenden Widerspiegelungen saarländischer Lebensart bestach. „Mut zur Lyrik – ein Abend für die Poesie“ – unter dieses Motto hatte ILF-Sprecher Jürgen Bost eine Lesung mit Hannah Lang und Heide Werner gestellt, zwei virtuose Sprachkünstlerinnen, die ihre Weltbegegnung auf sehr unterschiedliche Art gestalten und in ihren Texten sehr facettenreich und anregend über den Sinn des Lebens und die gegenwärtige Zeit reflektieren.

Heiter wurde es beim vergnüglichen Auftritt Frank P. Meyers, der sein ironisches Horrorszenario „Hammelzauber“ über die Zukunft eines nordsaarländischen Dorfes nach einer Kernschmelze in Cattenom mit humorvollen Anekdoten, liebevoll gezeichneten Charakteren und bierernstem Witz den Zuhörern überzeugend nahebrachte. Eher ernst ging es im Sommer zu, als das St. Ingberter Literaturforum mit einer Kombination aus Lesung, Vortrag, Filmvorführung und Gespräch mit Weggefährten den am 18. Juli 1927 in Sulzbach geborenen Schriftsteller Ludwig Harig zu dessen 90. Geburtstag würdigte. Im Mittelpunkt des Abends stand die Vorführung der filmischen Dokumentation „Ludwig Harig – Weltpoet aus Sulzbach“, eine fesselnde Chronik seiner literarischen Karriere.

Klaus Brabänder begeisterte im Herbst mit seinem aktuellen Kriminalroman „MitGift“, und der Krimischöpfer war nicht allein gekommen: Drei Musiker der Irish Folk Gruppe „Seldom Sober“ umrahmten mit ihren musikalischen Beiträgen die kurzweilige Lesung. Das Markenzeichen seiner erfolgreichen Regionalkrimis sind nach wie vor konkrete nachprüfbare Orte, authentische Personen sowie ein anspielungsreicher frischer Erzählstil. Ernstere Akzente setzte Sibylle Knauss, als sie ihren bewegenden Roman „Der Gott der letzten Tage“ in der Stadtbücherei vorstellte, wobei das literarische Ausleuchten der menschlichen Extremsituation des Sterbens in diesem Text keineswegs resignativ und deprimierend erfolgt, sondern durchaus auch Raum lässt für Gelöstheit und Erheiterung. Die erfolgreiche Schriftstellerin betonte im Publikumsgespräch, dass sie bisher jeden ihrer fünfzehn Romane in St. Ingbert präsentiert hatte, angefangen mit ihrem Debütwerk „Ach Elise“.

Im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft kam Oktober Wojciech Kuczok nach St. Ingbert. Er bot eine außergewöhnliche Lesung in polnischer Sprache, begleitet von Dr. Jerzy Wegrzynowski, der durch den Abend führte und in die vorgestellten erzählerischen Werke einführte, und Magdalena Telus, die souverän ins Deutsche übersetzte und durch ihren ausdrucksstarken Vortrag überzeugte.

Ebenfalls im dreistelligen Bereich lag die Besucherzahl, als Dirk Walter die Anthologie „St. Ingbert – Literatur einer Stadt“ vorstellte und als Herausgeber souverän moderierte.

Mit Marion Poschmann aus Berlin konnte – wie in den Vorjahren mit Ralph Dutli und Dagmar Leupold – wieder eine Persönlichkeit mit Nominierung für den Deutschen Buchpreis nach St. Ingbert verpflichtet werden. In ihrem vielschichtigen Roman „Die Kieferninseln“ gestaltet sie mit hintergründigem Humor die Lebensreise eines ungleichen Paares durch das moderne Japan mit all seinen inneren Widersprüchen auf seiner Suche nach sich selbst. Die bezaubernde Leichtfüßigkeit ihres Erzählstils und ihre originelle Weltbetrachtung ließen den Abend mit ihr zu einem besonderen Erlebnis werden.

Mit dieser zehnten ILF-Veranstaltung im abgelaufenen Kalenderjahr fand ein ereignisreiches Lesungsangebot seinen Schlusspunkt. Nach einer Winterpause sollen im neuen Jahr den interessierten Bürgern weitere Autorenbegegnungen und Buchpräsentationen vermittelt und dabei schwerpunktmäßig die Literatur von Schriftstellern aus der Großregion Saar-Lor-Lux gefördert werden, und das ganz im Sinne Fred Oberhausers, der das ILF im Herbst 1981 aus der Taufe hob. „Diese Lesungen lockern den Bibliotheks-
alltag auf und verleihen der Stadtbücherei das Profil einer lebendigen Kultureinrichtung. Gerade auswärtige Gäste rühmen sie oft als facettenreicher kultureller Treffpunkt“, sagt ILF-Sprecher Jürgen Bost.

Der Sprecher des St. Ingberter Literaturforums, Jürgen Bost (links), mit der Autorin Marion Poschmann. Foto: Sonja Colling-Bost
Der Sprecher des St. Ingberter Literaturforums, Jürgen Bost (links), mit der Autorin Marion Poschmann. Foto: Sonja Colling-Bost FOTO: Sonja Colling-Bost