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Ingobertusmesse
Messe begeistert alte Hasen wie Neulinge

Bei den Messebesuchern kommt es immer gut an, wenn eine Firma ihr Können demonstriert. Sonst deckt dieser Zimmermann Dächer, aber auf der Messe fertigte er vor den Augen der staunenden Besucher aus einem Fallrohr einen Wasserspeier in Drachenform.
Bei den Messebesuchern kommt es immer gut an, wenn eine Firma ihr Können demonstriert. Sonst deckt dieser Zimmermann Dächer, aber auf der Messe fertigte er vor den Augen der staunenden Besucher aus einem Fallrohr einen Wasserspeier in Drachenform. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Gute Nachfrage, gute Stimmung: Die SZ hat sich rund um den Marktplatz unter den Ausstellern bei der Ingobertusmesse umgehört.

Die dreitägige Ingobertusmesse, die in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag feierte, ist Geschichte. Doch was nehmen Aussteller und Besucher außer bunten Prospekten und die Erinnerung an einen interessanten Tag von ihr mit? Was bleibt im wahrsten Sinne des Wortes „hängen“? Kommen Standbetreiber und potentielle Kunden wieder?


Georg Lorscheider, der mit seiner Rohrbacher Haustechnik-Firma seit 1979 und damit von Anfang an dabei ist, bleibt der Verbrauchermesse schon aus traditioneller Verbundenheit treu. „Als wir damals mit schätzungsweise acht Handwerksbetrieben in der Ingobertushalle anfingen, mussten wir noch Werbung für die Schau machen. Da ist meine Schwägerin mit ihrem Auto und einem Megafon durch die Straßen gefahren und hat die Leute zum Kommen aufgefordert“, so Lorscheider. Damals waren unter dem „Häufchen“ Aussteller vor allem Schreiner, Fliesenleger, Maler und Installateure. Die Idee der Schau war es, Unternehmen, die keine Möglichkeit der Präsentation ihres Gewerbes hatten, ein Schaufenster zu geben. „Das hat großen Erfolg gehabt“, erinnert sich Lorscheider an die Anfänge mit den Firmen der ersten Stunde, die noch in einer einzigen Reihe Platz fanden.

Erst in den folgenden Jahren sei es dann so richtig losgegangen. Er und sein Team kämen immer wieder gern, weil die Ingobertusmesse interessant sei. „Das passt einfach“, findet er. Seine Firma habe sich mit der Messe weiterentwickelt. Seien es damals lediglich sechs Mitarbeiter gewesen, sind es heute 20. „Die Ingobertusmesse hat mit Sicherheit zum Erfolg unserer Firma beigetragen und wir werden so lange hingehen, wie es die Schau gibt. Wir sind einfach mit ihr verwachsen“, sagt der Firmenchef über die Bedeutung der Veranstaltung für sein Unternehmen. Sein Kollege Christian Steinhilb würde sich wünschen, dass die Messe in Zukunft noch wachsen könne. Geschäftspartner aus Nordrhein-Westfalen hätten bereits ihr Interesse an der nächsten Messe-Ausgabe geäußert.



Für die drei jungen Leute, die in diesem Jahr mit Produkten des Schweizer Matratzen-Herstellers „Seven Sundays“ erstmals dabei waren und noch nach ihrem Platz in der Geschäftswelt suchen, war die Messe eine gute Plattform für die Präsentation. Erst seit 2018 gibt es die Firma im Saarland, ein Jahr länger ist sie in Deutschland vertreten. Aus Überzeugung und mit Begeisterung gingen sie auf die Besucher zu, forderten sie zum Probeliegen auf dem patentierten System auf, das durch den Wechsel von drei Schichten, sechs Liegegefühle erzeugen könne. „Wir wollen hier mal was Neues zeigen und die Leute sind fasziniert von unserem Produkt“, sagt Roxanne Justine Kempf, die sich mit ihren Kollegen bewusst für die Ingobertusmesse entschieden hat, da sie durch die räumliche Nähe zum Firmensitz im Saarland überzeugt habe. Die vielen „netten und interessierten Besucher“ würden dem Team den Messeeinstieg außerdem leicht machen.

Jürgen Blickensdörfer aus Winnweiler in der Pfalz ist mit Schlafsystemen auf vielen Messen unterwegs. Die Ingobertusmesse besucht er seit fünf Jahren, seit zwei Jahren hat er sein Sortiment um Barfußschuhe erweitert. Er komme vor allem immer wieder, weil er die Arbeit des Messeteams schätzt. „Hier ist alles top organisiert. Das passt“, sagt der Pfälzer, der auch 2019 wiederkommen will. Ein Dachdeckerbetrieb, der im vergangenen Jahr Premiere auf der Messe hatte, kann den Erfolg der Messe sogar in Zahlen ausdrücken. Zwei große Dächer mit einem Auftragsvolumen von insgesamt 100 000 Euro seien für seine Firma herausgekommen. Keine Frage, dass er als Aussteller dabei bleibt.

Auch „Govindas Manufaktur“ aus Birkenfeld hat in den zwei Jahren ihrer Teilnahme viele Kunden für ihre veganen Süßigkeiten auf der Messe gewinnen können. Auch für die Besucher gab es einen Mehrwert, so wie für das Ehepaar aus Zweibrücken, das wegen eines Autos gekommen war und sich im Endeffekt in eine Matratze „verliebte“.

Im Kuppelsaal fand zeitgleich der zehnte Biosphärenmarkt statt, auf dem unter anderem die bienenfreundlichsten Gärten St. Ingberts gekürt wurden. Dankbar nahm das Publikum die vielfältigen Messeangebote wahr und die meisten der Besucher und Aussteller werden wohl auch bei der 41. Messe im kommenden Jahr dabei sein.

Neu dabei war die Firma „Seven Sundays“ mit einem anpassbaren Matratzensystem. Probeliegen war dort ausgesprochen erwünscht:
Neu dabei war die Firma „Seven Sundays“ mit einem anpassbaren Matratzensystem. Probeliegen war dort ausgesprochen erwünscht: FOTO: Cornelia Jung
Großes Interesse fand auch der Biosphärenmarkt, der parallel zur Messe im Kuppelsaal des Rathauses veranstaltet wurde.
Großes Interesse fand auch der Biosphärenmarkt, der parallel zur Messe im Kuppelsaal des Rathauses veranstaltet wurde. FOTO: Cornela Jung / Cornelia Jung