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Stadtrat
Ist das Sprayer-Kunst oder muss das weg?

Ein Gitter an der Unterführung in der Pfarrgasse. Sieht so der künftige Graffitischutz aus?
Ein Gitter an der Unterführung in der Pfarrgasse. Sieht so der künftige Graffitischutz aus? FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Stadtrats-Ausschuss diskutierte über Maßnahmen gegen Sachbeschädigung durch Graffitis. Vorbeugende Maßnahmen sind gesucht, aber greifen nur selten.

Das Sprayen von Graffitis an öffentlichen und privaten Gebäuden dürfe nicht toleriert werden, findet Dominik Schmoll (Wir sind St. Ingbert). Es müsse entschlossen gehandelt werden, um dieser speziellen Form der Sachbeschädigung Einhalt zu gebieten. Hier sei neben der Polizei auch die Stadt in der Pflicht. Allerdings dürfe man nicht die Augen davor verschließen, dass es sich bei Graffitis um eine „künstlerische Ausdrucksform unsrere Zeit“ handele. „Graffiti-Sprayer bräuchten legale Flächen, dass aus ihrem Hobby keine Straftat wird“, schrieb er an die Verwaltungsspitze. Anlässlich der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung wünschte er Lösungsvorschläge zur Prävention, außerdem eine Statistik über die Sachbeschädigungen mit Graffiti der vergangenen zehn Jahre. Diese lassen allerdings keine Schlüsse auf eine signifikante und gleichbleibende Zunahme der Sachbeschädigungen durch Tags und andere „Malereien“ zu. Wurden 2008 73 Taten registriert, waren es im laufenden Jahr bisher 63. Die Spitze war im Jahr 2013 mit 166 Taten erreicht, die wenigsten wurden mit 39 im Jahr 2010 registriert. Für das vergangene Jahr werden 58 aufgeführt. Insgesamt seien die Graffiti-Schmierereien eher rückläufig und bei dem vermeintlichen Anstieg handele es sich laut Aussage der Polizei deshalb eher um ein subjektives Empfinden. St. Ingbert bewege sich in Bezug auf Graffiti derzeit für kriminalstatistische Verhältnisse eher in einem mittleren Feld.


Was die Vorbeugung gegen solche Verschandelung von Wänden und Fassaden angehe, böten laut Verwaltung Einzäunungen, wie an Unterführungen oder auch am Rewe-Kaufpark praktiziert, einen gewissen Schutz. Allerdings sollten sie aus ästhetischer Sicht nur an technisch schwierigen Stellen zum Einsatz kommen. Begrünungen mit Hecken und Sträuchern wie an der Trafostation am SAP-Parkhaus oder Fassadenbegrünungen würde ebenso vor Graffiti schützen. Lösungsvorschläge, wie die Stadt mit verunreinigten Flächen in DB-Besitz umgehen will, konnten noch nicht gemacht werden. Gespräche mit der Bahn stehen noch aus. Man rechne aber hier damit, dass die Stadt die „Flächen unentgeltlich von Graffiti befreien darf“. Mit den legalen Flächen taten sich die Ausschussmitglieder schwer. Nicht nur weil die Verwaltung dargelegt hatte, dass legale Graffitiflächen und ihr Umfeld einschlägigen Sicherheitsbestimmungen unterliegen – so müsste bei Sprayeraktionen in Straßentunneln der dortige Straßenverkehr lahmgelegt werden und außerdem müsste eruiert werden, ob die Sprühnebel gesundheitsgefährdend sind.

Es wurden ebenso Zweifel laut, ob die illegalen Sprayer überhaupt zu legalen Künstlern werden wollten, da es sich meist nicht um Bilder, sondern um Schmierereien oder sogenannte Tags, also Schriftzüge handele. Trotzdem wurden einige Flächen genannt, an denen man solche Aktionen „legalisieren“ könne. Im Ausschuss sollten vor allem präventive Maßnahmen gegen Graffitis diskutiert werden. „Gestern Nacht wurde die Oberwürzbachhalle besprüht“, so Oberbürgermeister Hans Wagner zum neuesten Vorfall, „es gibt keinen Schutz vor Vandalismus.“ Jürgen Berthold (Die Grünen) brachte Graffitis als kunstvolle Fassadengestaltung, beispielsweise von Brandmauern ins Gespräch. „Das, was Herr Schmoll aber meint, ist keine Kunst, sondern Mist. Die Graffitis verschandeln das ganze Stadtbild. Die Sprayer, die wir hier haben, werden einen Teufel tun“, stellte Jeremy Wendel (CDU) die Sinnhaftigkeit der Legalisierung infrage.



Dem konnte Wolfgang Weisgerber (Die Unabhängigen) nur zustimmen. Natürlich sei Graffiti eine Kunstrichtung, aber das andere sei der Vandalismus, der nicht durch Kunst abgewendet werden könne. Diese zwei Dinge müsse man trennen. Schmoll forderte, 5000 Euro zur Beseitigung von Graffiti im nächsten Haushalt einzustellen.