| 22:15 Uhr

Elstersteinpark
Auf der Suche nach einem Konsens

Insgesamt 35 Schafe und ihre Lämmer weiden zur Freude der Patienten der DRK-Kurklinik derzeit am Elsterstein. Manche Anwohner sind darüber allerdings weniger erbaut.
Insgesamt 35 Schafe und ihre Lämmer weiden zur Freude der Patienten der DRK-Kurklinik derzeit am Elsterstein. Manche Anwohner sind darüber allerdings weniger erbaut. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Das Beweidungsprojekt am Elstersteinpark steht aktuell wegen der neuen, stabilen Zäune in der Kritik. Von Cornelia Jung

(con) Tiere sind Quotenbringer – zumindest im Fernsehen. An den Schafen und Ziegen, die derzeit im Elstersteinpark unschuldig an den Halmen zupfen, können sich aber nicht alle Anwohner erfreuen. Weil die Ausscheidungen der Tiere stinken, dadurch Fliegen auf die angrenzenden Terrassen gelockt würden oder weil Zäune dafür sorgen, dass „Mensch“ nicht mehr überall auf Wald- und Wiesenflächen Zutritt hat. Das waren schon im vergangenen Jahr Kritikpunkte.


Doch der aktuellste Aufreger ist die Ausführung des stabileren ausbruchsicheren Zauns, der nicht nur die drei Wiesen wie in den Vorjahren umgrenzt, sondern auch großzügig einige baumbestandene Bereiche und Flächen nahe der Wohnbebauung, die nach erfolgreicher Beweidung die Strukturen des ehemaligen herrschaftlichen, offenen Landschaftsparks erkennbar werden lassen sollen. So der Plan.

Bei mehreren Ortsterminen war von Ortsrat, Stadt und Tierhalter Hans-Werner Krick das Projekt und seine Folgen erläutert wurden. In einer Ortsratssitzung, in der einige dieser Fragen auch den anwesenden Bürgern von der Verwaltung und Krick beantwortet werden sollten, kochten die Gemüter hoch. Denn einige der Anwohner des Elstersteinparks sind grundsätzlich gegen die Beweidung – da halfen auch die kompetenten Erläuterungen nur wenig. Wie Krick erklärte, ziehe er entgegen der Vermutungen einiger Kritiker des Beweidungsprojekts keine Vorteile daraus. Er habe im Gegenteil extra dafür zwei Ziegen angeschafft, die das Unterholz am Elsterstein kurz halten sollten.

Er bestätigte Versäumnisse der Verwaltung hinsichtlich der Nutzung der Wiese als Rodelbahn und der nun fehlenden Erreichbarkeit des Bolzplatzes und lieferte auch gleich Lösungsvorschläge. Thiel sprach davon, dass die Rechte des Ortsrates, über die Ausgestaltung des Zauns zu bestimmen, missachtet wurden, während Christian Lambert von der Stadt davon sprach, dass bei den Bürgern „Befindlichkeiten“ aufgekommen seien. Er sagte auch, dass noch nicht einmal ein Drittel der Fläche des Elstersteinparks von der Umzäunung berührt seien.

Ortsvorsteher Ulli Meyer meinte, das Projekt habe trotz öffentlicher Vorstellung „Dimensionen angenommen, die sich im Ortsrat keiner vorstellen konnte“. Man wolle den „Nutzungskonflikt“ ausräumen. Tierhalter Krick erläuterte, dass die Pflege zur Vermeidung des unkontrollierten Wildwuchses notwendig sei. Ebenso der stabile und ausbruchssichere Zaun, der wegen der Nähe der Straße geboten sei. Man hätte die Informationspolitik, beispielsweise durch einen Zwischenbericht, besser machen können, fand der Ortsvorsteher. Es wäre wünschenswert, einen Konsens mit den Anwohnern zu finden, doch er bat diese auch um ein „bisschen Gelassenheit“, um abzuwarten, wie sich die Natur aufstelle. Was derzeit eingezäunt ist, solle aus seiner Sicht auch beweidbar bleiben. Allerdings plädierte Meyer dafür, einmal im Jahr öffentlich über den Fortgang des Projektes zu berichten. Eineinhalb Stunden diskutierte der Ortsrat über das Beweidungsprojekt.



Einige Tage nach der Sitzung schaute sich Oberbürgermeister Hans Wagner die Umzäunung mit einigen Bürgern selbst an. Schade nur, dass sich meist Kritiker zu Wort meldeten. Doch in der Ortsratssitzung brach eine Anwohnerin des Nassauer Grabens, wo Kricks Herde sonst zuhause ist, eine Lanze für die Beweidung: „Die Schafe und Ziegen sind was Wunderbares. Bei uns stört sich kein Mensch an ihnen und wir freuen uns über die Tiere. Herr Krick ist Tag und Nacht für sie unterwegs. Dort ist er willkommen und wird unterstützt. Er soll einfach wieder zu uns kommen.“