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Auch junge St. Ingberter im Bann kleiner Monster

Beim Smartphone-Spiel Pokémon Go verstecken sich Videospiel-Figuren an realen Orten. Nutzer müssen versuchen, sie einzufangen. Auch die 37-jährige Afra aus Erlangen ging in der St. Ingberter Fußgängerzone auf Pokémonjagd. in der Mittelstadt gebe es besonders viele Pokéstops, sagt sie. Foto: Cornelia Jung
Beim Smartphone-Spiel Pokémon Go verstecken sich Videospiel-Figuren an realen Orten. Nutzer müssen versuchen, sie einzufangen. Auch die 37-jährige Afra aus Erlangen ging in der St. Ingberter Fußgängerzone auf Pokémonjagd. in der Mittelstadt gebe es besonders viele Pokéstops, sagt sie. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. Der St. Ingberter Pfarrer Andreas Sturm hat sie gesehen, Friedhofsgärtner Andreas de Groot ebenso und auch zahlreiche Passanten und Gäste der Gastronomie in der Fußgängerzone: ganze Rudel meist jugendlicher Handy-Spieler. Die jungen Leute sind auf der Jagd, ihre Waffen sind Smartphones. Frederike Schirra

Seit einigen Tagen kann man in St. Ingbert in der Fußgängerzone und wahrscheinlich nicht nur dort immer wieder junge Leute beobachten, die wie gebannt auf ihre Handys starren. Sie sitzen auf Bänken oder schlicht auf dem Boden, scheinen ihre Umgebung völlig auszublenden und haben nur eines im Blick: das Display ihres Mobilfunkgerätes. Diese Leute spielen das Handyspiel Pokémon Go. Das Spiel hat sich in den letzten Wochen auch in St. Ingbert wie ein Lauffeuer verbreitet und ist für die Jugendlichen genauso normal wie für andere das abendliche Fernsehen. Bei diesem Spiel erscheinen so genannte Pokémon, Fantasiewesen aus Videospielen mit Namen virtuell auf dem Bildschirm, wenn man das Handy auf ein Pokémon richtet. Die eher niedlich anmutenden "Monster", die häufig an echte Tiere, wie zum Beispiel Vögel, erinnern und Namen tragen wie beispielsweise "Habitak", können dabei nur auf dem Bildschirm des Handys gesehen werden, wenn man das Spiel geöffnet und die Kamera des Smartphones in Richtung des vermeintlichen Monsters hält.


Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Pokémon einzufangen, indem man auf dem Bildschirm des Smartphones virtuelle Bälle auf das Tier wirft und dieses trifft. Die Firma Niantic, die das Spiel entwickelt hat, platziert die kleinen Tierchen per GPS überall auf der Welt. Dies geschieht rein zufällig, so dass man auch in einem Wartezimmer beim Arzt oder direkt am Eingang einer großen Bank in der Innenstadt durchaus mal ein Pokémon auf seinem Handy sehen kann.

Gedränge am Hotspot



Es gibt überall Orte, an denen besonders häufig Pokémon auf den Bildschirmen der Spieler auftauchen. Findet ein Spieler ein Pokémon, verbreitet sich die Nachricht, dass man dort eines der Monster virtuell einfangen kann, vermutlich auch über die Smartphones und soziale Netzwerke rasend schnell. Ein besonderer Hotspot für die Spieler ist in St. Ingbert zum Beispiel in der Fußgängerzone vor der Deutschen Bank beziehungsweise dem Lokal "Times". Hier sieht man immer wieder Pokémon Go-Spieler sitzen auf der Suche nach dem besten Pokémon - und das bisweilen stundenlang. Die Poststraße ist auch ein beliebter Ort, um die kleinen virtuellen Monster zu fangen. Auch auf dem Alten Friedhof konnten schon Leute auf der Jagd nach virtuellen Pokémon gesichtet werden, wie Friedhofsgärtner Andreas de Groot berichtet. An solchen, etwas ungewöhnlicheren Orten kann man als Spieler dann auch eher seltene Pokémon fangen, die natürlich in der Fangemeinde besonders beliebt sind. So kam es auch jüngst zu einem Ansturm an Spielern auf die ehrwürdige Josefskirche. Pfarrer Andreas Sturm dachte zunächst, er müsse die Morgenmesse lesen, wie er wenig später im sozialen Netzwerk Facebook berichtete. Wenn weniger "verspielte" Mitmenschen sich also wundern sollten, warum irgendwo in St. Ingbert junge Menschen lange und intensiv auf ihr Handy starren: kein Grund zur Beunruhigung. Vermutlich jagen sich einfach nur kleine virtuelle Monster.