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Fair-Trade-Rundgang
Auch der eigene Konsum wirft Fragen auf

Leibniz-Schüler beim Fair-Trade-Rundgang durch die St. Ingberter Innenstadt.
Leibniz-Schüler beim Fair-Trade-Rundgang durch die St. Ingberter Innenstadt. FOTO: Sarah Reuter
St. Ingbert. Interessante Erkenntnisse beim Fair-Trade-Rundgang von Leibniz-Schülern des 12er Grundkurses Erdkunde durch St. Ingbert. red

Seit einiger Zeit darf sich die Stadt St Ingbert „Fair Trade Stadt“ nennen – eine Auszeichnung, die erst einmal verdient sein will und für deren Erhalt man ebenfalls einiges tun muss. Mit dem Leibniz-Gymnasium St Ingbert hat die Stadt eine Schule aufzuweisen, die sich ebenfalls über das Siegel „Fair Trade Schule“ freuen darf. Was liegt also näher, als beide Institutionen, die ja in diesem Bereich ein Ziel haben, (wieder) einmal zusammenzubringen? St Ingbert bietet neuerdings einen „Nachhaltigen Stadtrundgang“ an, bei dem der Fokus auf Ernährung liegt und der Blick auf entsprechende Einkaufsmöglichkeiten in St Ingbert gerichtet ist. Dieses Angebot nutzte nun der 12er Grundkurs Erdkunde des Leibniz-Gymnasiums mit seiner Lehrerin Sarah Reuter, die in der Saarbrücker Zeitung darüber gelesen hatte. Dass die Schülerinnen und Schüler, die in wenigen Wochen ihr Abitur schreiben werden, zum Teil in Verkleidung unter dem Motto „Helden der Kindheit“ erschienen, war der Tradition am Leibniz-Gymnasium geschuldet, dass die Abiturienten in einer der letzten Schulwochen jeden Tag in einer anderen Verkleidung, deren Motto vorher festgelegt wird, erscheinen.


Axel Stirn, Eine-Welt-Regionalpromoter für das Saarland Ost, der den Rundgang leitete, hatte damit jedenfalls keine Schwierigkeiten. Besucht wurden verschiedene Geschäfte in St. Ingbert, in denen man nachhaltig oder fair gehandelte Produkte finden kann und in denen die Schülerinnen und Schüler über die verkauften Waren informiert wurden. Dazu gehörte zum Beispiel der World Food Trip-Wagon, der neuerdings vor der Stadthalle steht und vegane Gerichte aus aller Welt anbietet. Mitbesitzerin Walaa Klever nahm sich die Zeit, den Schülerinnen und Schülern ihr Konzept vorzustellen. Regionale Produkte, möglichst viel Bio, kein Tierleid durch vegane Lebensmittel, faire Löhne für ihre 42 Mitarbeiter, gesundes Essen gehören dazu.

Sie beantwortete auch kritische Fragen, beispielsweise die, warum ihre Gerichte teurer sind als anderswo. Einige hungrige Schüler und auch die Lehrerin probierten verschiedene Gerichte und waren besonders von den leckeren Süßkartoffelpommes beeindruckt. Als nächstes ging es zur Bäckerei Olk und Herr Stirn erklärte, wofür die Biobäckerei steht, nämlich u.a. für die Verwendung biologisch angebauter Vollkornmehle. Er kaufte auch gleich verschiedene Brötchen und Baguettes zur späteren Verkostung. Im Reformhaus erläuterte Herr Stirn den Reformhausgedanken und lud die Schülerinnen und Schüler ein, sich einige Produkte im Laden genauer anzuschauen.



Er diskutierte mit ihnen über die Preise der angebotenen Waren und regte sie an, den eigenen Konsum zu überdenken. Die Besitzerin des Teeladens „Die Tee-Liebe“ informierte anschließend darüber, warum Bio nicht immer Qualität bedeutet, welche Gefahren Beuteltees bergen und erläuterte, was sie als kleine Unternehmerin tut, um gesunde Tees einzukaufen und gleichzeitig faire Löhne im Herkunftsland zu garantieren und warum es so wichtig ist, dass die St. Ingberter auch in kleinen Läden einkaufen. Während des Aufenthaltes erfüllte ein sehr angenehmer Duft den kleinen Laden und die einladende Atmosphäre wird den Einen oder die Andere bestimmt zum Wiederkommen bewegen. Schließlich ging es noch zum Weltladen, in dem der ehrenamtliche Mitarbeiter Jaeger bereitwillig Auskunft gab über die Idee, die hinter dem Weltladen steckt, nämlich fair gehandelte Produkte aus den in der Kolonialzeit ausgebeuteten Ländern des „Armen Südens“ anzubieten, das heißt der Erlös der verkauften Waren geht fast vollständig in die Länder, in denen diese hergestellt wurden. Der Laden bietet ein großes Sortiment an klassischen Fair Trade-Produkten wie Bananen, Kaffee und Schokolade, aber auch Schmuck, Taschen, Uhren und Produkte aus der Biosphäre.

Die Schülerinnen und Schüler bekamen nun zum Abschluss eine verdiente Belohnung für ihr konzentriertes Zuhören und ihre interessierten Fragen: Das Brot aus der Bäckerei Olk wurde aufgeschnitten und verschiedene Fair Trade-Brotaufstriche aus dem Weltladen konnten ausprobiert werden. Der Favorit dabei: Aubergine.