| 16:38 Uhr

Hochwasser
Angst vor Hochwasser will nicht weichen

Am 4. Januar floss Regenwasser zu einem Wohnhaus Am Fuhrweg. Sandsäcke und Folien konnten die Fluten kaum aufhalten. Sie zerstörten Garten und Terrasse und drangen in das Haus des Oberwürzbachers ein.
Am 4. Januar floss Regenwasser zu einem Wohnhaus Am Fuhrweg. Sandsäcke und Folien konnten die Fluten kaum aufhalten. Sie zerstörten Garten und Terrasse und drangen in das Haus des Oberwürzbachers ein. FOTO: Gerhard Sauter
Oberwürzbach. Gerhard Sauters Grunstück in Oberwürzbach wird regelmäßig überflutet. Stadt will nach 25 Jahren Abhilfe schaffen.

Gerhard Sauter kaufte Mitte der 80er Jahre ein Grundstück im kurz zuvor erschlossenen Neubaugebiet Am Fuhrweg in Oberwürzbach. Ein Bauplatz allerdings, der in regelmäßigen Abständen von Hochwasser betroffen ist. Sein Haus liegt im Talkessel, „am tiefsten Punkt“ eines Hanges, der zur Gemarkung Mandelbachtal gehört. Dazwischen liegt ein „schmaler L-förmiger Streifen“ rings ums Haus, der sich im Besitz der Stadt St. Ingbert befindet, erzählt Sauter. Der Architekt des Hauses habe beim Bau bereits eine Zisterne mit Kanalanschluss angelegt, „falls es mal zu Hochwasser kommen sollte“.


Und genau das passierte 1993. Erstmals wurden Sauters Grundstück und Haus überflutet. Das Wasser sei den Hang hinabgestürzt und habe große Teile der Erdmasse abgetragen. „Die Zisterne ist übergelaufen. Der ganze Garten wurde zerissen“, berichtet Sauter. Die Ortsverwaltung habe ihm damals gesagt, dass es in diesem Gebiet kein Wasserproblem gebe. Zwei Jahre später die nächste Überflutung, und erneut stand das Wasser in Sauters Haus. Daraufhin gab er ein Gutachten in Auftrag, das ihm bestätigte, dass es sich rund um den „Fuhrweg“ um ein 15 Hektar großes Wassereinzugsgebiet handele. Außerdem habe zu diesem Zeitpunkt die Ommersheimer Straße, die oberhalb des Hangs Richtung Ommersheim verläuft, keinen adäquaten Wasserschutz aufgewiesen. Sauter entschied sich, vorm Amtsgericht zu klagen, wobei er kurz zuvor erfuhr, dass eine Übereignung der Ommersheimer Straße durch den Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) an die Stadt St. Ingbert und die Gemeinde Mandelbachtal erfolgt wäre. Die Zuständigkeit und die Besitzverhältnisse sind seither aber kompliziert: Zuständig für die Straße sei St. Ing-
bert, obwohl diese nur bis rund 100 Meter nach dem Ortsschild in Richtung Ommersheim zu St. Ingbert gehöre. Das Gelände – also der Hang – befände sich im Besitz von Mandelbachtal, erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung Christian Fettig, technischer Leiter des Eigenbetriebs Abwasser der Stadt St. Ingbert (EBA), Sauter prozessierte nach seinen Angaben sechs Jahre lang gegen die beiden Verwaltungen, auch vor dem Verwaltungsgericht in Saarlouis. 2001 einigte er sich außergerichtlich. Er erhielt einen Schadensersatz in Höhe von 15 000 Mark.

Eigentlich sei laut Sauter daraufhin geplant gewesen, das vom Hang abfließende Wasser teilweise oberirdisch in den nahe gelegenen Steinbruch zu leiten. Dagegen erhob der Besitzer dieses Geländes Einspruch, weshalb nur ein unterirdisches Versickerungsrohr verlegt wurde. Dieses könne, „die ganzen Wassermassen nicht aufnehmen“, meint Sauter und sei ständig durch Laub verstopft. 2015 wurde dann der Belag der Ommersheimer Straße erneuert, und im Zuge dessen die Straßenentwässerung durch eine Entwässerunsgskante optimiert, so Fettig. Sauter sehe darin aber keine Verbesserung, denn durch das Kanalrohr unterhalb der Ommersheimer Straße fließe das Wasser weiterhin bis hinunter in seinen Garten. Auch die rings um das Rohr betonierten Steine, die eigentlich ein Abtragen der Erdmasse verhindern, könnten das Wasser nicht aufhalten. Christian Fettig betont hingegen, dass die Fluten, die über das Gelände von Mandelbachtal kommen zum einen nicht nur dort hangabwärts fließen, sondern sich an vielen weiteren Stellen den Weg nach unten suchen. Außerdem würde sich das Wasser noch großflächiger verteilen, wäre der Kanal nicht vorhanden.

Laut saarländischem Nachbarschaftsrechtsgesetz dürfen „der Eigentümer eines Grundstücks und die Nutzungsberechtigten den Abfluss wild abfließenden Wassers auf andere Grundstücke nicht verstärken“, was, so Sauter, durch den Kanal unter der Ommersheimer Straße aber geschieht. „Das Schlimmste ist aber die nervliche Belastung. Meine Frau und ich waren seit 2002 nicht mehr im Urlaub. Wir schlafen nicht mehr richtig“, klagt Sauter. Gegen die Wassermassen infolge des Starkregens am 4. Januar dieses Jahres (wir berichteten) kamen auch die Pumpen, die Sauter im Garten aufgestellt hat nicht an. Schon wieder drang das Wasser in sein Wohnzimmer ein. Feuerwehr und THW waren an diesem Abend knapp fünf Stunden vor Ort und halfen mit Sandsäcken und Folien das Haus halbwegs abzudichten und das Wasser abzupumpen beziehungsweise abzuleiten.

Einen Tag nach dem jüngsten Strakregen bekam Sauter Besuch von Oberbürgermeister Hans Wagner und Christian Fettig. Wagner habe die schwierige Situation erkannt, ihm geraten, sich einen Rechtsbeistand zu nehmen, und seinen Begleiter angewiesen, sich schnellstmöglich um den Wasserschutz zu kümmern.



Fettig erklärt, das Problem sei nicht einfach zu lösen, denn „ansonsten wäre schon längst etwas unternommen worden“. Auch sei man sich im Rathaus nicht über das Ausmaß der Situation bewusst gewesen. Erst durch das Hochwasser Anfang Januar wurde man auf das Problem aufmerksam. Die Verwaltung sei nun aber ernsthaft an einer Abhilfe interessiert, auch wenn es, so Fettig, nicht „die eine perfekte Lösung“ gebe. Spätestens übernächste Woche soll erneut ein Ortstermin gemeinsam mit Gerhard Sauter, Mitarbeitern der Stadtverwaltung und weiteren Anwohnern der Straße Am Fuhrweg stattfinden, um die Problematik erneut zu erörtern und Ideen zu sammeln, um die besten Lösungen zu erzielen.

Das Regenwasser wird durch ein unter der Ommersheimer Straße verlaufendes Rohr kanalisiert. Die ringsum betonierten Steine verhindern zwar, dass sofort Erde abgetragen wird, das Wasser fließt dennoch den Hang hinab.
Das Regenwasser wird durch ein unter der Ommersheimer Straße verlaufendes Rohr kanalisiert. Die ringsum betonierten Steine verhindern zwar, dass sofort Erde abgetragen wird, das Wasser fließt dennoch den Hang hinab. FOTO: Gerhard Sauter