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124 Lastwagen an einem Tag

Fast der gesamte Verkehr des Steinbruchs läuft über die ohnehin schon stark befahrene Ortsdurchfahrt von Erfweiler. Foto: Erich Schwarz
Fast der gesamte Verkehr des Steinbruchs läuft über die ohnehin schon stark befahrene Ortsdurchfahrt von Erfweiler. Foto: Erich Schwarz FOTO: Erich Schwarz
Erfweiler-Ehlingen. Eine „nicht mehr hinzunehmende Dichte“ attestiert Ortsvorsteher Benno Bubel dem Schwerlastverkehr durch Erfweiler-Ehlingen zum und vom Steinbruch. Der Ortsrat will eine Verkehrszählung erreichen. Von SZ-MitarbeiterErich Schwarz

Die Anwohner der Rubenheimer Straße in Erfweiler-Ehlingen sind stinksauer: Der Schwerlastverkehr in dem Mandelbachtaler Ortsteil hat derart zugenommen, dass man eine "Interessengemeinschaft Schwerlastverkehr" gegründet hat. In der jüngsten Ortsratssitzung in der Grundschule waren fünf Vertreter der Interessengemeinschaft (IG) als Zuhörer anwesend. Das Problem: Seit Oliver Schmitt von der Firma Napru den Kalksandsteinabbau zwischen Erfweiler und Rubenheim im großen Stil betreibt, habe der Schwerlastverkehr "eine nicht mehr hinzunehmende Dichte" erreicht, stellte Erfweiler-Ehlingens Ortsvorsteher Benno Bubel heraus, der selbst Anwohner der betroffenen Straße ist.

Ein Hauptproblem haben die Betroffenen auch schon ausgemacht: Erfweiler wird von den Brummi-Fahrern offensichtlich als Hauptanfahrtsweg benutzt. Bubel und seine Ratskollegen sind sich einig, dass der früher benutzte Slogan "Von der Region für die Region" nicht mehr greife. "Die Lastwagen kommen von überall her", haben die betroffenen Bürgerinnen und Bürger beobachtet.

So hat etwa Ulrike Jentes von der IG an einem Tag im Oktober von 7 bis 16 Uhr insgesamt 124 große Lastwagen gezählt, am Tag vor der Ortsratssitzung innerhalb von fünf Stunden 87 dicke Brummis. Und da auf der Homepage des Steinbruchbetreibers als Hauptanfahrtsweg die Strecke über Erfweiler angegeben war, lief auch der Großteil des Verkehrs durch Erfweiler. Dies wurde zwar auf Intervention von Benno Bubel auf der Napru-Homepage inzwischen geändert, aber auch im Ortsrat machte man sich kaum Illusionen, dass die Fahrer vor der Anfahrt auf die Homepage des Steinbruch-Betreibers gucken würden. "Sie fahren nach Navi, und das zeigt die Strecke über die Bundesstraße B 423 an", stellte Jens Welsch (CDU) heraus.

Ein weiteres Ärgernis stellt für die Betroffenen die neue Geschwindigkeitsregelung dar. Auf Betreiben der Verkehrsüberwachung des Saarpfalz- Kreises wurden auf der Landstraße 231 zwischen Rubenheim und Erfweiler, dem Anfahrtsweg zum Steinbruch, eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Lkw über 3,5 Tonnen von 30 km/h angeordnet. "Aber dann hört die Geschwindigkeitsbegrenzung am Ortseingang wieder auf, innerorts darf dann wieder 50 gefahren werden", stellt Manfred Adolph von der IG verärgert fest.

Der Ortsrat beschloss deshalb einstimmig, den Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) und die Verkehrsüberwachung des Saarpfalz-Kreises bei einem demnächst mit dem Bürgermeister stattfindenden Gespräch aufzufordern, eine Verkehrszählung durchzuführen. Auch eine eigene Ortsratssitzung mit Expertenanhörung, der Anhörung der IG und des Firmenbesitzers, soll wahrscheinlich im Januar stattfinden. Man will das Problem lösen, wobei man an den guten Willen aller Beteiligten appelliert: "Die Firma muss zum Beispiel die Lkw-Fahrer abwechselnd auffordern, auch über Rubenheim und das Bliestal abzufahren", schlug Jens Welsch vor. Auch solle der Betreiber des Steinbruchs verpflichtet werden, eine Reifenwaschanlage zu installieren.

"Wir haben als Nicht-Sitz-Gemeinde der Firma ansonsten kaum Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen", stellt Welsch klar. Und dass dringend etwas passieren müsse, darüber herrschte Konsens. Schließlich ist der Betrieb des Steinbruchs für die kommenden sieben Jahre bereits genehmigt.



Zum Thema:

HintergrundDie Kontrolle der Genehmigungsauflagen des Kalksteintagebaus der Firma Schmitt auf dem Hanickel liegt beim Saarpfalz-Kreis. Wie Wolfersheims Ortsvorsteher Stephan Schepp-Weyrich mitteilt, sei der Kreis zuständig, nicht wie von diesem behauptet das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA). Die Bürgerinitiative gegen den Tagebau in Wolfersheim hatte mit Unterstützung des Wolfersheimer Ortsrates das Verwaltungsgericht des Saarlandes um Klärung gebeten. Kurz darauf habe sich der Saarpfalz-Kreis dann schriftlich beim Verwaltungsgericht für zuständig erklärt. Ob er nun seinen Verpflichtungen auch entsprechend nachkomme, bleibe abzuwarten, so Schepp-Weyrich. ert