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Bliesmengen-Bolchen
Licht ins Dunkel der Geschichte bringen

In der historischen Küche hat das Dorfgeschichtshaus-Team Platz genommen. Stehend von links Marlene Thörner, Frigga Reibetanz, Heike Zapp und Harald Pawendenat, sitzend Gudrun Pawendenat und Isolde Brocker.
In der historischen Küche hat das Dorfgeschichtshaus-Team Platz genommen. Stehend von links Marlene Thörner, Frigga Reibetanz, Heike Zapp und Harald Pawendenat, sitzend Gudrun Pawendenat und Isolde Brocker. FOTO: Wolfgang Degott
Bliesmengen-Bolchen. Silbernes Jubiläum: Seit 25 Jahren gibt es in Bliesmengen-Bolchen den Verein für Dorfgeschichte. Ein Grund zum Feiern und für Ehrungen. Von Wolfgang Degott

Still und leise wurden in Bliesmengen-Bolchen zwei Jubiläen gefeiert. So wurde der Verein für Dorfgeschichte 25, das Haus der Dorfgeschichte 20 Jahre alt. Inhaber Harald Pawendenat, der das seit 1998 bestehende Museum gemeinsam mit seiner Frau Gudrun führt, erinnerte daran, dass das Gebäude 1930 als Feldscheune von Johann Flieger gebaut worden war. Sein Sohn Erwin hatte nach seiner Pensionierung die Idee und den Wunsch, es als museale Einrichtung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit Hilfe der Mitglieder des Vereins für Dorfgeschichte und aus der Familie wurde es umgebaut, rund 300 Quadratmeter Ausstellungsfläche geschaffen. Nachdem es am 29./30. August 1998 seiner Bestimmung übergeben wurde, fanden rund 500 Exponate, zu 90 Prozent aus Bliesmengen-Bolchen stammend, ihre neue Heimat. Jährlich zählen die Mauern rund 800 Besucher, einzeln oder in Gruppen, die auch den vom Friseur Alfons Wack aus Fechingen 2003 gestifteten Damen- und Herren-Salon, einem Friseursalon aus den 1930er Jahren, in Augenschein nehmen, sich informieren über die Heimatgeschichte der Region und überliefertes Brauchtum, die Lebensverhältnisse und die Arbeitswelt aus früheren Zeiten.


Im malerischen Außengelände am Ufer der Blies gibt es einige landwirtschaftliche Geräte aus dem letzten Jahrhundert zu sehen. Die Ausstellung wird ständig durch neue Stücke ergänzt. Während der Öffnungszeiten des Museums werden im Erdgeschoss und im Freigelände Vorführungen und Aktionen angeboten. Ältestes Exponat ist eine noch funktionstüchtige Miele-Waschmaschine, eine der ersten elektrischen ihrer Art. Oft als „Mückenlampe“ tituliert erfreut sich ein Toaster etwa aus dem Jahr 1935 und wie ein Küchenherd (1930) der Rubrik täglicher Alltagsgebrauch zugehörig, großer Beliebtheit. Prominente Besucher, von den viele den Öffnungstag am jedem dritten Sonntag im Monat nutzen, waren die ehemalige saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Reinhard Klimmt. Auch war vom damaligen Bürgermeister Günter Walle die Scheune zum Standesamt umfunktioniert worden, um dann ein junges Bliesmenger Paar in den Hafen der Ehe zu steuern.

In den Ausstellungsräumen findet man auch eine Schuhmacherei von Manfred Schmitt, ein Schlafzimmer mit Kleiderschrank und Original-Bekleidungsstücken aus den 1930ern sowie Gerätschaften des früheren Landarztes, des Zahnarztes und der Hebamme. Berufe, die das Dorfleben in früheren Jahren geprägt haben, wie Bergmann, Dachdecker, Schmied, Schreiner, Wagner, Waldarbeiter oder Zimmermann haben ebenso ihren Platz gefunden wie alte Fahrräder, darunter auch ein historische Postfahrrad oder auch eine Viktoria, eines der ältesten Fahrräder mit Hilfsmotor.



Vorsitzender Hans Bernhard Faas, auch Ortsvorsteher des Mandelbachtaler Ortsteils, konnte während einer kleinen Feierstunde Kurt Graus, Horst Hein, Josef Herrmann, Hans-Jürgen Klein, Franz Klingler, Theresia Klopp, Jürgen Lagaly, Klaus Nagel und Käthe Weber ehren, die am 18. November 1993 im Gasthaus zur Hardt zu den Gründungsmitgliedern des Vereins für Dorfgeschichte gehörten. Zudem wurden für 25-jährige Zugehörigkeit Franz Herrmann, Günter Lauer und Monika Nagel geehrt. Mit einer großen historischen Hochzeitsausstellung sei der Verein erstmals an die Öffentlichkeit getreten, so Faas.

Es folgte 1994 eine Ausstellung mit dem Titel „Bliesmengen, wie es früher war“, die rund 800 Besucher anzog. Neben zahlreichen Buchveröffentlichungen habe man sich auch der kirchlichen Traditionen wie Bittprozessionen, Maiandachten angenommen. Auch werde an Fronleichnam immer ein Altar gebaut. Die Pflege sämtlicher Wegekreuze sei ebenso zu erwähnen wie die umfangreiche Restaurierung des Missionskreuzes auf dem Friedhof.

Jeweils dienstags treffen sich Interessierte um 19.30 Uhr im Archivraum der Unterkirche, um weiter Licht in das Dunkel Bliesmenger Historie zu bringen.