| 20:22 Uhr

Frühlingskonzert
Musikalische Reise vom hohen Norden bis Italien

Das Orchester des Musikvereins Wittersheim-Bebelsheim mit seinem Dirigenten Rocco Ivan Funaro in der Festhalle.
Das Orchester des Musikvereins Wittersheim-Bebelsheim mit seinem Dirigenten Rocco Ivan Funaro in der Festhalle. FOTO: Wolfgang Degott
Wittersheim. Der Musikverein Wittersheim-Bebelsheim zeigte bei Frühjahrskonzert eine Bandbreite von Märschen über Klezmer bis Pur-Hits.

Voll besetzte Festhalle, stehende Ovationen, gut aufgelegtes Orchester, abwechslungsreiches Programm und nicht endend wollende Zugabe-Rufe kennzeichneten das erfolgreiche Frühlingskonzert des Musikvereins Wittersheim-Bebelsheim. Gleich mit der größten Herausforderung stimmte der 30-köpfige Klangkörper unter der Leitung ihres neuen Dirigenten Rocco Ivan Funaro, der vor sechs Monaten seine Arbeit aufgenommen hat, ihr Publikum ein. Das wunderbare luftig-fröhliche und feierliche Werk für Oberstufen-Orchester, die „Alvamar Ouvertüre“ aus der Feder von James Barnes, verlangte den Musikern, die sich auch in 25 Proben und zwei Probewochenenden intensiv vorbereitet hatten, eine Höchstleistung ab. Dabei leiteten feierliche Akkorde, ähnlich Glockenschlägen, in den langsamen Adagio-Teil ein, bevor es schließlich in einem freudigen Finale endete.


„Es ist für jeden etwas dabei, wir wandern musikalisch vom hohen Norden über England mit seiner Folk-Musik bis nach Italien, der Heimat unseres Dirigenten“, hatte Vorsitzender Dominik Bruch angekündigt. Conférencier Michael Abel stimmte dann gleich in die „Second Suite in F“ des Komponisten Gustav Holst im Arrangement von Colin Matthews ein. Dabei handelte es sich um ein kontrastreiches, in grundverschiedenen vier Sätzen geschriebenes Werk, das zu den großen Meilensteinen in der Geschichte der Blasorchestermusik gehört. Es folgten im ersten Teil der schwungvolle Kaiserin-Sissi-Marsch (komponiert von Timo Dellweg) und mit „A Klezmer Karnival“ (Philip Sparke) die Stippvisite in eine Musikrichtung, die sehr stark an die menschliche Stimme erinnert und aus dem Jüdischen stammt.

In den abgedunkelten Saal schlichen sich nach der Pause getragene Tuba-Töne, marschierte der 31-jährige Berufsmusiker Rocco Ivan Funaro mit dem tiefsten Instrument in der Familie der Blechbläser durch die Besucher-Gassen, spielte den Auftakt zum Folk-Song „Fnugg Blue“, die Oystein Baadsvik und Svein H. Giske komponierte hatten. Bei diesem effektreichen Musikstück baute der Solist ungewöhnliche Elemente wie Beat-Boxing ein, zu denen er gleichzeitig sang und spielte. Dabei begeisterte er sein Publikum, meisterte alle Herausforderungen und präsentierte die Tuba in einem völlig neuen Licht. Das Orchester wurde dazu vom früheren musikalischen Leiter Reinhold Ernst dirigiert. Wie breit gefächert die musikalische Bandbreite Deutschlands großer Band Pur ist, dokumentierte das Medley „Pur in Concert“, das Ernst arrangiert hatte. Es enthielt Sequenzen der Top-Hits „Indianer“, „Prinzessin“ und „Lena“, die zwischen 1990 und 2002 entstanden.

Lorenzo Pusceddu schrieb „Tre Episodi“ mit dem die Wittersheimer ihren Ausflug an den Apennin musikalisch überschrieben. Teilweise ohne Percussion wurde anderen Instrumentalabschnitten mehr Freiheit gewährt. Ein weiterer Marsch folgte zum Kehraus, als nach der ersten Zugabe „Ohne Sorgen“ von Josef Strauss, begleitet von großem Applaus der Zuhörer, der wohlbekannte „Radetzky-Marsch“ intoniert wurde, den auch die Wiener Philharmoniker traditionell an das Ende ihres Neujahrskonzertes setzen. Am zweiten September-Wochenende veranstaltet das Orchester wieder seinen Musiksommer im Biergarten des Kulturlandschaftszentrums „Haus Lochfeld“. Das nächste Frühlingskonzert findet am Samstag , 13. April 2019, statt.