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Café Noir
Kleinkunst-Show mit großen Nummern

Gustav und Gerlinde (Reck) bei ihrem Auftritt am Samstagabend beim Café Noir in Ormesheim.
Gustav und Gerlinde (Reck) bei ihrem Auftritt am Samstagabend beim Café Noir in Ormesheim. FOTO: Jörg Martin
Ormesheim. Beim Kultur- und Theaterverein Ormesheim stand wieder das Café Noir an. Auf der Bühne standen Musiker, Artisten und Kabarettisten.

Das diesjährige Café Noir, die Kleinkunst-Show des Kultur und Theatervereins Ormesheim (KTV), konnte am Wochenende mit drei Höhepunkten aufwarten. Da wäre zum einen die Weltpremiere eines ungewöhnlichen Duos im ausverkauften Saal Niederländer. Die aus Hirzweiler stammende Harfenistin Mariam Fathy. Die Solo-Musikerin des Bonner Beethovenorchesters trat mit dem Italiener Andrea Cerrato auf. Der 28-jährige Tänzer und Zirkuskünstler sorgte mit seinen Reifenkunststücken, die er parallel zu dem vom Fathy gespielten Händel-Stück aufführte, für positive Sprachlosigkeit im Saal. Dies unter anderem deshalb, weil er etwa alleine tanzte, während sich über ihm schnell der Reifen drehte. Dabei kannten sich die beiden Künstler vor dem Auftritt noch nicht, wie Conférencier Reiner Pirrung betonte.


„Ich wollte die beiden immer schon noch mal auf der Bühne haben“, verriet er dem Publikum. Damit meine er Jacoby (Volker J. Jacoby) und Schorsch (Schorsch Seitz). Moment mal. Richtig, das Mundart-Duo hat sich vor einem Vierteljahrhundert getrennt. Umso größer war die Sensation in Ormesheim. Ein lautes und langes „Ohhhhh...“ war im Publikum zu hören, als die beiden angekündigt wurden. „Mied, kabutt unn lädisch“ war ihr erster Titel, der jedoch keine Erklärung für die 25-jährige Bühnenabstinenz des Duos war. Auch ihr Klassiker „Isch hädd so gär e Pär“ war wieder mit von der Partie. Zudem überzeugte Jacobys Hüsch-Parodie übers Charisma. Nach dem „Requiem für einen Frosch“ musste sogar eine Zugabe her. „So ein Revival kriegen selbst die Beatles nicht hin“, sagte Jacoby hinterher gegenüber unserer Zeitung. Der Auftritt soll demnach keine Eintagsfliege bleiben.

Für Lacher am laufenden Band sorgte die Berliner Puppenspielerin Nikki (Nicole Weissbrodt) mit ihrer Lady Clarissa (Zockovic). Die freche Latex-Puppe mit dem fränkischen Slang lässt trotz ihres fortgeschrittenen Alters und Rollstuhldaseins die „Kuh fliegen“. Statt Medizin will sie lieber einen Joint von ihrer Pflegerin Nikki. So lässt sich ein Frühlingsgedicht, während es draußen schneit, gleich viel besser vortragen oder ein Märchen anders erzählen. „So sieht es aus, wenn totes Material zum Leben erweckt wird“, nahm Rainer Pirrung den Eigenwitz des Duos abschließend auf. Gleich zu Beginn hatten Gustav und Gerlinde im Ormesheimer Kulturtempel für Begeisterung gesorgt, als Gustav freihändig Sousafon spielte. Seine Frau Gerlinde spielte parallel Melodika dazu. Das klingt profan, täuscht aber. Mitmachlieder wie „Aber bitte mit Sahne“ oder „The Ring of fire“ gehörten auch dazu. Selbst das Raunen im Publikum bei der Ankündigung, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ spielen zu wollen, störte das Duo nicht. Doch auch das bekamen Gustav und Gerlinde mehr als sehr gut hin.



Auf die Champs Elysees nahm der Sulzbacher Liedermacher Wolfgang Winkler die Leute gesanglich mit. Er kokettierte mit dem Lied „Von Zeit zu Zeit wird‘s manchmal Zeit“ und seinem frischen Kurzhaarschnitt. Andere Wege beschritten die St. Ingberter Musenbolde. Die Jugendtheatergruppe (Leitung: Johannes Becher) steuerte „Dramotten“ (Minidramen) bei, die sich etwa mit Beziehungsgeschichten oder einer Herz-OP beschäftigten. Der Ormesheimer Künstler Gaetano Gross stellte an beiden Tagen Karikaturen, Porträts und Ölbilder aus.