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Konzert
Für Opfer von Terror und Fremdenhass

Das Große Orchester des Musikvereins Ommersheim bei seinem Konzert in der Aßweiler Pfarrkirche Maria Himmelfahrt.
Das Große Orchester des Musikvereins Ommersheim bei seinem Konzert in der Aßweiler Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. FOTO: Jörg Martin
Aßweiler. Musikverein Ommersheim stellt sein Kirchenkonzert in Aßweiler unter das King-Motto „I have a Dream“. Von Jörg Martin

Sie haben sich schon zu einer kleinen Tradition entwickelt. Die Rede ist von den Kirchenkonzerten des Musikvereins Ommersheim, die dessen Großes Orchester alljährlich am Palmsonntag im Nachbarort veranstaltet. Am vergangenen Sonntag waren die Musiker bereits zum vierten Mal in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt zu Gast.


Mit dem Martin Luther King-Motto „I have a Dream“ wolle man Rückblick auf die Opfer von Terrorismus und Fremdenhass halten, bekräftigte Moderator Marc Bauer gleich zu Beginn. „Der Terror findet direkt vor unserer Haustür statt“, rief er den Besuchern zu und erinnerte an die Anschläge von Brüssel, Paris, Nizza und Berlin. Alleine 2017 starben 26 000 Menschen weltweit an Terror. So sei auch das Plakat zum Konzert (Leitung: Stefan Weber), welches ein Foto mit einem verknoteten Revolver ziert, ein Friedenssymbol. Die Besucher dürften jedoch keine Aufführung mit Westerntitel erwarten. Das Foto zeigt das Werk „Non Violence“ (keine Gewalt) des Künstlers Carl Fredrik Reuterswärd und stellt ein Symbol für die Gewaltfreiheit dar. Auf diese Missstände wolle man aufmerksam machen, so Bauer. Das schafften die Ommersheimer gleich zu Beginn, als sie mit „Red Rock Mountain“ (Rossano Galante) ein klanggewaltiges Werk mit recht präzisen Tönen zum Besten gaben.

„In Memoriam“ (Bert Appermont) nutzt Teile eines französischen Kinderliedes und kombiniert eine lyrische Melodie, um sich dann gediegen und nachdenklich zu geben. In Gedenken an Terror und Fremdenhass spielten die Musiker „Choralia“ (Bert Appermont), welches der Komponist für seinen verstorbenen Vater geschrieben hatte. Mit „Voyage into the Blues“ (Naoya Wada) schien man gleich die Herzen des Publikums erobert zu haben, was sich am Applaus bemerkbar machte. Das könnte womöglich an der Hoffnung und an der Zuversicht gelegen haben, die das Stück ausstrahlt. „Jeder von uns hat bestimmt einen geliebten Menschen verloren“, sprach der Ansager zu den Besuchern. Nein, die Zeit heile nicht alle Wunden. Doch man lerne besser damit umzugehen, findet Marc Bauer. Dazu passte dann auch das Klagelied „Threnody“ (James Barnes), dem eine kurze, freiwillige - aber offensichtlich gerne genutzte - Gedenkminute für die Verstorbenen vorausging.



Unter absoluter Musik versteht man Stücke ohne Thema und ohne Story. „Andante Religioso“ (Thiemo Kraas) passte nicht nur sehr gut in die Kirche. Nein, man konnte auch seiner Fantasie, trotz des ernsten Anlasses, freien Lauf lassen. „Panta Rhei“, was griechisch ist und auf Deutsch soviel wie „Alles fließt“ bedeutet, ist ein mehr als besonderes Werk des Komponisten Markus Götz. Er schrieb es auf Bitten der Dirigentin Sylvia Baratti-Mannsbart vom Musikverein Atzenbach/Baden zum 150-jährigen . Bestehen des Vereins und 900-jährigen Jubiläum des Ortes. Ähnlich wie in Smetanas „Die Moldau“ steht das Werk für den Fluss „Die Wiese“. Ein Wagnis für die Ommersheimer, welches das Publikum am Ende mit starkem, langem Applaus sowie stehenden Ovationen belohnte. Das Orchester wiederum bedankte sich mit „Jesu, Joy of Men‘s Desiring“ als Zugabe.