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| 19:15 Uhr

Eine Landschaft wie im Bilderbuch

Überließe man die Natur sich selbst, wären die typischen Bliesgau-Hänge mit den Streuobstwiesen bald zugewachsen und die Kulturlandschaft verlöre ihr Gesicht. Auch die berühmten Orchideen hätten dann keinen Lebensraum mehr. Fotos: SZ/Maack
Überließe man die Natur sich selbst, wären die typischen Bliesgau-Hänge mit den Streuobstwiesen bald zugewachsen und die Kulturlandschaft verlöre ihr Gesicht. Auch die berühmten Orchideen hätten dann keinen Lebensraum mehr. Fotos: SZ/Maack
Wittersheim. Landesumweltminister Reinhold Jost besuchte am Donnerstag den Saarpfalz-Kreis anlässlich einer Sommertour. Dabei begutachtete Jost vor allem die Flächen, die von der Naturlandstiftung gepflegt werden. Eine Tätigkeit, die immer wichtiger wird, da es kaum noch Landwirte gibt, die die Landschaftspflege vorher übernommen haben. Christine Maack

Ein Landesminister wie Reinhold Jost muss das ganze Land schön finden, das ist klar. Ein Landrat wie Theophil Gallo darf hingegen seine Vorlieben pflegen und seinen eigenen Landkreis bevorzugen.

Und manchmal gelingt es dem Landrat auch, dem Minister zu entlocken, dass sein Landkreis in der Tat der schönste sei. Zum Beispiel der Saarpfalz-Kreis: "Gut, er ist einer der schönsten saarländischen Landkreise", wie Reinhard Jost noch schnell relativierte. Aber was soll's, schöner als an einem Sommertag bei blauem Himmel im Bliesgau kann es andernorts kaum sein.

Noch dazu, wenn die Trauben schon an den Weinreben hängen und die späten Rosen blühen. Mit einigen Abstrichen allerdings, wie Axel Didion von der Naturlandstiftung betont. Denn das kalte und nasse Frühjahr hat vielen Kleintieren, Insekten und Bienen den Garaus gemacht, ebenso ist die Vegetation nicht ganz so, wie sie sein sollte, "auch die Trauben sind mickrig", so Didion. Er ist der wissenschaftliche Mitarbeiter der Naturlandstiftung Saar und kennt sich nicht nur mit Tieren und Pflanzen bestens aus, sondern auch damit, wie alles mit allem zusammenhängt.

Aber trotz nüchterner Wissenschaftlichkeit waren alle Besucher am gestrigen Morgen ganz einfach begeistert von der wunderschönen Lage von Haus Lochfeld. Minister Reinhold Jost war anlässlich des 40. Geburtstages der Naturlandstiftung gekommen, denn die Stiftung hat schon vor Jahren wichtige Gebiete im Bliesgau aufgekauft, zum Beispiel die weithin bekannten Orchideenwiesen, die zu den Aushängeschildern des Saarlandes gehören.

Aber die müssen gepflegt werden - und hier liegt das Problem, das der Wittersheimer Ortsvorsteher Wendelin Lonsdorf ansprach: "Wir haben kaum noch Bauern im Bliesgau, in Wittersheim und Bebelsheim gibt es nur noch ein bisschen Landwirtschaft als Nebenerwerb". Das Ergebnis ist klar: "Die Landschaft, die nicht regelmäßig gepflegt wird, wächst zu und verbuscht. Das ist das Ende der offenen Trockenwiesen, die die geschützten Pflanzen brauchen," so Didion.

Waren es vorher die Bauern , die die Landschaft zwangsläufig pflegten, weil das Land ihnen gehörte, sind es heute die Natur- und Umweltexperten der Naturlandstiftung, die mehr und mehr diese Aufgabe übernehmen.

Anlässlich des Besuchs des Ministers waren in Haus Lochfeld auch der ehemalige Landrat Clemens Lindemann und der ehemalige Wittersheimer Ortsvorsteher Helmut Kihl dabei. Beide hatten sich seinerzeit für die Erhaltung von Haus Lochfeld und seine spezielle Nutzung als Kulturlandschaftszentrum eingesetzt, noch bevor dieser Landstrich offiziell Biosphärenregion wurde. Eberhard Veith, der Geschäftsführer der Naturlandstiftung, sieht derzeit kaum eine Alternative zum Konzept der Stiftung. Denn wenn sie nicht das Land aufkaufe und anschließend professionell pflege, "dann werden große Teile der Landschaft, so, wie wir sie heute sehen, ihr Gesicht verlieren." Natur ist eben nichts Starres. Man kann sie stutzen - oder man kann sie sich selbst überlassen. Doch dass am Ende der Wald die Orchideen überwuchert, ist nicht das Ergebnis, das man sich wünscht.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Naturlandstiftung Saar (NLS) ist eine gemeinnützige private Stiftung. Im Stiftungsrat mit seinen 19 Mitgliedern sind Natur-Schützer wie der NABU und Natur-Nutzer wie der Bauernverband und das Umweltministerium vertreten. Die meisten Schutzgebiete, sowohl hinsichtlich der Gesamtfläche als auch der Anzahl der Gebiete, kommen im Saarpfalz-Kreis und in Merzig-Wadern vor. Beide Kreise besitzen schutzwürdige Biotope. Im Saarpfalz-Kreis wurden in den Jahren 2014/15 insgesamt 14 Parzellen mit einer Gesamtfläche von über 15 000 Hektar erworben. red

Besuch des Ministers in Haus Lochfeld (v. l.): Ortsvorsteher a.D. von Wittersheim, Helmut Kihl, Landrat a.D. Clemens Lindemann, Landesumweltminister Reinhold Jost und Landrat Theophil Gallo.
Besuch des Ministers in Haus Lochfeld (v. l.): Ortsvorsteher a.D. von Wittersheim, Helmut Kihl, Landrat a.D. Clemens Lindemann, Landesumweltminister Reinhold Jost und Landrat Theophil Gallo.
Der Mispelbaum kommt aus dem Mittelmeerraum.
Der Mispelbaum kommt aus dem Mittelmeerraum.