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Inklusionsfest
Eine Box-Legende als Unterstützer

Box-Legende René Weller (Bildmitte) besuchte am Samstag das Inklusionsfest des TuS Ormesheim, für das Vereinsmanager Detlef Michler (links hinten) verantwortlich zeichnete.
Box-Legende René Weller (Bildmitte) besuchte am Samstag das Inklusionsfest des TuS Ormesheim, für das Vereinsmanager Detlef Michler (links hinten) verantwortlich zeichnete. FOTO: Jörg Martin
Ormesheim. Der TuS Ormesheim feierte sein erstes Inklusionsfest. Und zu dem hatte sich prominenter sportlicher Besuch angekündigt.

Samstagnachmittag auf dem Ormesheimer Sportplatz. Das Thermometer zeigt 36 Grad. Auf dem Rasen des Turn- und Sportvereins (TuS) sind jedoch statt zweimal elf Spielern nebst Schiedsrichter etwa zehn Kinder nebst Betreuern vorzufinden. Der Fußball wurde gegen einen Parcours mit zwölf attraktiven Spielstationen – darunter viele aufblasbare Elemente wie ein Bullenreiten-, Fußballdart und Basketball-Spiel – getauscht. Der TuS veranstaltet zum ersten Mal ein Inklusionsfest. „Wir sind enttäuscht. Alle Behinderteneinrichtungen im Saarland wurden von uns kontaktiert und haben ihr Interesse gezeigt. Kaum jemand ist erschienen“, bedauerte Detlef Michler. Der Vereinsmanager des TuS führt die schwache Resonanz auf die Hitze zurück. Auf die waren er und sein Team, als man vor fünf Monaten mit der Organisation begann, nicht eingestellt.


Dennoch sei man sich der Rolle – der TuS mit seinen 260 Mitgliedern sei der erste Fußballverein im Saarland, der ein solches Event durchführe – bewusst. Deshalb wird es auch 2019 ein solches Fest geben, so Michler. Möglicherweise auch länger als einen Tag. „Dieses Jahr sammeln wir Erfahrungen“, gibt er sich motiviert. Voraussetzung dafür sei, dass die Kinder ihr Programm quasi selbst machen und sich dabei frei entfalten können. „Wir sind verpflichtet, Kinder und Krebskranke in die Vereinswelt zu integrieren. Das ist ein Kulturgut. Da gehören alle rein“, erklärte Michler die Philosophie. Enttäuscht sei man von der Politik und den Behindertenverbänden. Von beiden hätte man sich mehr Unterstützung gewünscht. Integration habe für den TuS-Macher deshalb Vorrang vor Inklusion.

Jemand, dem das Thema am Herzen liegt, ist die Box-Legende René Weller. Der Pforzheimer setzt sich für an ADHS erkrankte Kinder ein, besuchte am Samstag das Fest und verzichtete dabei auf seine Gage. Weller, im schwarzen T-Shirt und gleichfarbiger Hose, gibt sich ohne Allüren. Geduldig nimmt er sich Zeit für Fragen zu Boxtipps eines Fans, zeigt Handbewegungen und plaudert aus dem Nähkästchen. Der ehemalige Pforzheimer Judomeister posiert für Fotos und gibt Autogramme. Es scheint, als hätte es den skandalumwitterten René Weller, wie man ihn aus den Medien kennt, nicht oder nicht mehr gegeben.



„Ich war bislang kaum im Saarland. Die Leute sind supernett“, erklärte er im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. Er habe sich auch vorher keine Gedanken gemacht. „Das machen wir“, sei die Aussage zu seiner Frau und Managerin Maria Weller gewesen, als die Anfrage kam. Die Leute müssen nett sein, sonst lehnt er das Ganze ab, so der 64-Jährige. Das Thema Inklusion habe an Bedeutung gewonnen, so Weller. Die Kinder kämen automatisch zu ihm. Irgendwie übe er eine Anziehungskraft auf sie aus.

Sein Schlüsselerlebnis habe Weller gehabt, als ein an ADHS erkranktes Kind einer Freundin bei den Wellers zu Besuch war. Durch Motivation, Sport und seine Boxfähigkeiten habe er es geschafft, dass das Mädchen auch ohne Medikamente wieder durchs Leben kommt. Alle Kinder, die am Samstag an den Spielen teilnahmen, erhielten vom TuS eine Medaille.