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Ausstellung
Freundschaft als Basis für den Widerstand

Willi Graf.
Willi Graf. FOTO: Fotoarchiv Anneliese Knoop-Graf
Ormesheim. Zum 75. Todestag von Willi Graf ist im Rathaus Mandelbachtal eine Ausstellung über die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ zu sehen. red

Gleich zwei Gedenktage jähren sich in diesen Monaten um den im Dritten Reich von den Nationalsozialisten hingerichteten Willi Graf. Der Geburtstag des saarländischen Studenten jährte sich im vergangenen Januar zum 100. Mal, sein Todestag am 12. Oktober zum 75. Mal. Gerade 25 Jahre ist der Saarbrücker alt geworden, bis er und seine ebenso jungen Mitstreiter in der Widerstandsgruppe „Die weiße Rose“ von der NS-Justiz 1943 zum Tode verurteilt worden sind.


Aus Anlass des Todestages von Willi Graf vor genau 75 Jahren zeigt der Verkehrsverein Mandelbachtal gemeinsam mit der Union Stiftung vom 8. bis 19. Oktober 2018 im Rathaus in Ormesheim die Ausstellung „Die Weiße Rose - Gesichter einer Freundschaft“, die von dem Verein kultour.innovativ in München konzipiert worden ist. Die Ausstellungseröffnung findet am heutigen Montag, 8. Oktober, um 18 Uhr im Mandelbachtaler Rathaus statt. Es sprechen Bürgermeister Gerd Tussing, Manfred Pfeiffer für den Verkehrsvereins Mandelbachtal und Dr. Gerd Brosowski für die Union Stiftung. Saar-Staatssekretär Ulli Meyer wird in das Thema der Ausstellung einführen. Die Veranstaltung wird musikalisch umrahmt von dem Gitarrentrio Jörg Concemius, Brigitte Schaeffer und Steffi Concemius, teilt der Verkehrsverein weiter mit.

Willi Graf wurde am 2. Januar 1918 geboren und war ein deutscher Medizinstudent und NS-Widerstandskämpfer aus Saarbrücken, der sich nach seiner Rückkehr von der Front ab 1942 bis zu seiner Inhaftierung 1943 als aktives Mitglied in der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ gegen das Hitlerregime engagierte. Er wurde am 12. Oktober 1943 mit nur 25 Jahren in München-Stadelheim hingerichtet.



Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof St. Johann in Saarbrücken. Die Ausstellung ist dem Gedenken an seinen Freundeskreis, darunter die vier Studierenden Alexander Schmorell, Sophie und Hans Scholl und Christoph Probst sowie der Universitätsdozent Kurt Huber gewidmet, die sich als Geheimbund „Die weiße Rose“ dem Terror des NS-Systems widersetzten und dafür 1943 hingerichtet wurden. Die Ausstellung nähert sich den Beteiligten über einen biographischen Zugang, der einer Verklärung zu heroischen Widerstandskämpfern entgegenwirken möchte. Die Mitglieder der „Weißen Rose“ kommen selbst zu Wort: in Briefen an Eltern, Geschwister, Freunde und in Tagebuchaufzeichnungen. Präsentiert werden Texte, Fotos, Dokumente, die dem Betrachter die Möglichkeit geben, sich den Ideen und Motivationen der einzelnen Personen zu nähern und ihre Handlungen zu begreifen. Zentrales Motiv der Ausstellung ist die Freundschaft unter den Mitgliedern der „Weißen Rose“ und die daraus resultierende Dramatik ihres Handelns.

Es soll deutlich werden, dass das Bild einer homogenen Widerstandsgruppe zu kurz greift: Die „Weiße Rose“ war keine heroisch-politische Organisation, sondern ein Freundschaftsbund, der ohne programmatisch festgelegte Anweisungen wirkte. „Warum?“ wurde für sie zur existentiellen Frage. Und es begann die Entwicklung von zunächst unpolitischen bis hin zu bewusst politisch handelnden Menschen, die sich der diabolischen Manipulation menschlicher Sehnsucht im NS-Regime unter Einsatz ihres Lebens widersetzten. Erstellt wurde die Ausstellung aufgrund der Begeisterung für das Thema von 15 Studenten und Berufstätigen in Zusammenarbeit mit der Kulturinitiative Freiburg e.V. und in engem Austausch mit Zeitzeugen.