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Ormesheim
Ausstellung über „Deutsche aus Russland“ im Rathaus

Als Referent war Jakob Fischer von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland extra aus Stuttgart angereist.
Als Referent war Jakob Fischer von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland extra aus Stuttgart angereist. FOTO: Eugen Schlegel/Landsmannschaft
Ormesheim. „In den neunziger Jahren gab es schon einmal eine Flüchtlingswelle in Deutschland“, so der Vorsitzende des Verkehrsvereins Mandelbachtal Manfred Pfeiffer. „Hunderttausende Spätaussiedler aus Russland kamen damals in die Bundesrepublik Deutschland.“ Mit diesen aus Russland stammenden Deutschen und ihrer Geschichte befasst sich die Ausstellung „Deutsche aus Russland. red

Geschichte und Gegenwart“, die derzeit im Rathaus der Gemeinde Mandelbachtal zu sehen ist. „Die Ausstellung dokumentiert, wie die Zuwanderer unter oftmals schwierigen Bedingungen in der neuen Umgebung ihre Integration meisterten, und wie sie heute Deutschland in vielfacher Weise mitgestalten“, so Manfred Pfeiffer bei der Eröffnungsfeier.


Rund 70 Gäste waren zu der Ausstellungseröffnung gekommen und kamen bei Temperaturen von fast 30 Grad mächtig ins Schwitzen. Deshalb fand erstmals eine Ausstellungseröffnung im Sitzungssaal des Rathauses statt, bei der den Gästen kalte Getränke gereicht wurden. Bürgermeister Gerd Tussing betonte in seiner Begrüßung, „dass unser Land menschlich, kulturell und auch ökonomisch von dieser Zuwanderung profitiert“ habe. Er dankte dem Verkehrsverein, dass mit dieser Ausstellung nun auch in Mandelbachtal über die Geschichte und das Schicksal der Russlanddeutschen ausführlich informiert wird. Als Referent war Jakob Fischer von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland extra aus Stuttgart angereist.

In seinem Beitrag ging er auf die wechselvolle Geschichte der Deutschen aus Russland ein. Dazu sorgte der Chor des Leibniz-Gymnasiums unter der Leitung von Timo Uhrig bei der Eröffnung mit Volksliedern der Russlanddeutschen für die passende musikalische Begleitung. Die Wanderausstellung ist Teil eines bundesweiten Integrationsprojektes. Gefördert wird sie vom Bundesinnenministerium und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Sie zeigt Spuren und Emotionen deutsch-russischer Verknüpfungen und illustriert die Historie und das wechselvolle Schicksal sowie die kulturellen Verknüpfungen der Russlanddeutschen mit Russland und ihre Integration in Deutschland.

Dokumentiert wird die Geschichte der Auswanderung Deutscher nach Russland. Ab 1765 folgten viele dem Aufruf der Zarin Katharina der Großen. Nach einer fast 200-jährigen wechselvollen Geschichte, die weitgehend von Wertschätzung für die Deutschen in Russland geprägt war, folgte 1941 der Tiefpunkt nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion. Zigtausende Russlanddeutsche verloren ihr Leben durch Deportation, Verschleppung und Ermordung, weil der sowjetische Diktator Stalin sie der Kollaboration mit Hitler-Deutschland verdächtigte. Seit 1950 konnten dank geduldiger Diplomatie und erfolgreicher Entspannungspolitik rund 2,8 Millionen deutsche Aussiedler aus der damaligen UdSSR nach Deutschland zurückkehren. In den 1990er Jahren kamen weitere Hundertausende zurück.

Am Ende seines Vortrages stimmte Referent Jakob Fischer einige Volkslieder an: Lieder vom Heidenröslein, vom jungen Wandersmann oder vom schönsten Wiesengrunde. „Die schönsten deutschen Volkslieder, unser goldener Liederschatz“ stand über den Texten, die der Projektor an die Leinwand warf. „Die deutschen Volkslieder sind in Russland ein hohes Kulturgut gewesen und dessen Pflege war wohl eine Art Heimweh-Bewältigung für die ausgewanderten Deutschen links und rechts der Wolga“, so Jakob Fischer.



Die Ausstellung ist noch bis 27. Juni im Rathaus in Mandelbachtal zu sehen. Der Eintritt ist frei.