| 21:07 Uhr

Viel Haltung in bitterer Stunde

Unsere Woche.

Das Therapiebecken im St. Ingberter Kreiskrankenhaus ist erst wenige Wochen geschlossen. Doch schon jetzt fehlt es jenen sehr, für die Wirkung des warmen Wassers bei Therapie oder Training unverzichtbar ist. Mit entsprechend viel Herzblut haben die betroffenen Vereine in dieser Woche beim runden Tisch im Rathaus um den Erhalt des Bewegungsbades gekämpft. Und trotz der für sie letztlich bitteren Einsicht, dass dessen Schicksal geschlagen hat - und noch ohne das Wissen einer Alternative im DRK-Kurheim-, zeigten die Streiter für Babyschwimmen und das Rheuma-Funktionstraining eine beispielhafte Haltung. Der erkennbare Wille zur Einigung ersetzte durchweg Vorwürfe und Empörung. Insbesondere die Schwimmfreunde verdienen dafür Respekt, wie sie mit einer Reihe eigener Vorschläge das Therapiebecken retten wollten. Doch letztlich war auch ein bisschen weniger unwirtschaftliche Ideen noch nicht annähernd kostendeckend. Das zeigte vor allem die Idee der Schwimmfreunde, das Becken, das die Klinik nicht mehr braucht, an jene zu übertragen, die es gerne nutzen wollten. Klingt gut, hat aber einen Haken. Denn anders als man vermuten könnte, gibt es bei der Investition in das Bewegungsbad keine Verjährung oder einen Abnutzungsbonus - auch wenn es bereits fast 40 Jahre auf dem Buckel hat. Würde das Kreiskrankenhaus das für den stationären Klinikbetrieb gedachte Therapiebecken unter neuen Voraussetzungen nutzen lassen, könnte und müsste das Gesundheitsministerium die früheren Fördermittel für diesen Klinikteil zurückfordern. Nach dem runden Tisch war es gut zu verstehen, dass sich Landrat Theophil Gallo und Geschäftsführer Thorsten Eich heute wünschen, man hätte schon vor vier Jahren mehr Mut bewiesen. Weil aufgeschoben nun mal nicht aufgehoben ist, wäre es aus ihrer Sicht schon 2012, als das Bewegungsbad schon einmal monatelang nicht zur Verfügung stand, geboten gewesen, es gar nicht erst wieder zu öffnen. Und diese Einsicht wird auch nicht dadurch geschmälert, dass dann nicht Gallo und Eich, sondern deren Vorgänger den Schwarzen Peter einer unpopulären Entscheidung gehabt hätten.