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Man muss Erfolge auch mal gönnen können

Vor dem Bahnhofsfest in St. Ingbert war Skepsis vielleicht angebracht. Die erfolgreiche Veranstaltung im Nachgang zu bekritteln, ist aber unfair. Manfred Schetting

Der nächsten Großveranstaltung in St. Ingbert, dem "Tag des Liedes" an diesem Samstag in der Fußgängerzone, ist zu wünschen, dass sie genauso viel Zuspruch findet wie das Bahnhofsfest am Wochenende zuvor. Die Feier zum Jubiläum des Eisenbahnanschlusses war eine runde Sache. Mit gutem Besuch und allerbestem Wetter.



So was im Brustton der Überzeugung einmal über das Bahnjubiläum zu schreiben, das hätte ich mir Ende April ganz ehrlich nicht vorstellen können. Nachdem der Stadtrat sich damals nur ganz knapp für ein großes Bahnhofsfest ausgesprochen hatte, wäre mein Rat an die Verantwortlichen gewesen: Lasst es besser sein. Befürworter wie Bedenkenträger, die sich fast die Waage halten - das schien mir ein allzu zu dünnes Eis. Wenn an diesem Tag das Wetter nicht mitspielen würde oder sonst irgendwas schief ginge, dann hätten ganz viele vorher genau gewusst: Das Fest kann schnell zu einem Desaster werden.

Gott sei Dank ist es am Bahnhof aber doch anders gekommen. Mut hat über den Zweifel gesiegt und wurde belohnt. Ein tolles Programm und viel Publikum haben das Fest zu einem Ereignis gemacht, das alle, die es miterlebt haben, nicht so schnell vergessen. Als goldrichtig hat sich vor allem die Entscheidung erwiesen, die im Vorfeld am heftigsten umstritten war. Ohne den Einsatz eines historischen Zuges wäre die Veranstaltung kein ähnlicher Volltreffer gewesen. Und dass diese Zugnummer ihr Geld wert war, hat sich genau dann gezeigt, als eine alte E-Lok statt der versprochenen Dampflok zum Einsatz kam. Die historische Atmosphäre war die Attraktion - und letztlich für Bahnfreunde wichtiger als die Expertenfrage, welche Lok die alten Waggons von St. Ingbert nach Homburg und zurück zieht.

Der Erfolg des Bahnhofsfestes war dennoch nicht groß genug, als dass es nicht doch noch auch im Nachhinein kritische Stimmen gab. Sie erinnern aber an das Gedicht von Christian Morgenstern, wonach "nicht sein kann, was nicht sein darf".

Und dass die Kritiker aus einer Ecke kommen, in der es gerne heißt, die besten Ideen würden in St. Ingbert vorsätzlich ausgebremst, macht es nicht besser. Denn dann geht es ja auch um eigene Vorhaben und Vorlieben. Man muss aber auch mal den anderen etwas gönnen können.

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