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Kreiskrankenhaus
Kliniken verkünden ihre Verlobung

Die Allgemein- und Viszeralchirurgie des Kreiskrankenhauses St. Ingbert arbeitet bereits seit dem vergangenen November mit den Kollegen des Klinikums Saarbrücken zusammen.
Die Allgemein- und Viszeralchirurgie des Kreiskrankenhauses St. Ingbert arbeitet bereits seit dem vergangenen November mit den Kollegen des Klinikums Saarbrücken zusammen. FOTO: Manfred Schetting
St. Ingbert/Saarbrücken. Das Kreiskrankenhaus strebt einen Zusammenschluss mit dem Saarbrücker Klinikum an. Die Gewerkschaft beklagt „Geheimnistuerei“. Von Andreas Lang

Weder für Patienten noch für die Bediensteten soll es Nachteile geben, wenn es zur Zusammenarbeit des Kreiskrankenhauses St. Ingbert mit dem Klinikum Saarbrücken kommt. Das versicherten gestern die Beteiligten bei der Pressekonferenz, bei welcher der Saarpfalz-Kreis und die Landeshauptstadt Saarbrücken ihre Absicht bekundeten, einen kommunalen Krankenhausverbund zu gründen – im Rahmen einer gemeinsamen Trägergesellschaft. An den beiden Standorten werden jährlich mehr als 36 000 Patienten stationär und rund 100 000 Patienten ambulant behandelt.



„Wer Bauchweh hat, der stellt sich nach wie vor im Krankenhaus vor Ort vor, egal, ob in Saarbrücken oder St. Ingbert“, sagte Susanne Breßlein, Geschäftsführerin des Winterbergklinikums. Erst im Zuge der Dia-
gnostik werde dann entschieden, in welchem der Krankenhäuser besser geholfen werden kann.

„Die beiden kommunalen Krankenhäuser beabsichtigen, ihre Kompetenzen zu bündeln und gemeinsam in einem Verbund dafür zu arbeiten, beide Standorte zu erhalten und für die Zukunft weiterzuentwickeln“, betonte Theophil Gallo (SPD), der Landrat des Saarpfalz-Kreises. Beide Häuser arbeiten bereits seit November vergangenen Jahres in der Allgemein- und Viszeralchirurgie eng zusammen und verfügen über eine gemeinsame chefärztliche Leitung. „Heute ist sozusagen Verlobung“, sagte Susanne Breßlein, die Geschäftsführerin in Saarbrücken. Sie sieht
große Vorteile im Zusammenschluss – wie Thorsten Eich, ihr Pendant in St. Ingbert. Die kartellrechtliche Vorprüfung habe das Vorhaben bereits bestanden, jetzt gelte es, den endgültigen Segen der Behörden einzuholen, damit im Herbst die Hochzeit steigen kann.

Fällt diese Prüfung positiv aus, soll zeitnah eine gemeinsame Krankenhaus-Trägergesellschaft gegründet werden. Unter dem Dach dieser Gesellschaft soll die Schule für Gesundheitsberufe, die bisher im Klinikum Saarbrücken angesiedelt ist, gemeinsam betrieben werden. Wie die medizinische und wirtschaftliche Verbundstrategie aussehen könnte, wird an ein paar Beispielen klar. Da unterhalten zum Beispiel beide Krankenhäuser eine Instrumentenaufbereitung, wo alles, was in den Operationssälen gebraucht wird, steril gereinigt wird. In einem Zentrum könne diese Aufgabe effizienter und günstiger erledigt werden, erklärten die Verantwortlichen. Weiter versprechen sich die Krankenhäuser im Verbund eine bessere Verhandlungsposition auf dem Markt. Etwa, wenn es darum geht, Medikamente günstiger bei den Apotheken einzukaufen. Dr. Christian Braun, der Ärztliche Direktor des Klinikums Saarbrücken, nannte ein medizinisches Beispiel: „Wir wollen nun in Saarbrücken keine HNO-Abteilung (Hals-Nasen-Ohren, Anm. d. Red.) eröffnen.“ Allerdings könne die HNO-Abteilung des Partnerkrankenhauses ihre Kompetenzen in das in Saarbrücken geplante Kopfzentrum einbringen. Ähnlich wie das Völklinger Herzzentrum sei ein Zentrum für alle Krankheiten, die mit dem Kopf zu tun haben, nämlich von staatlicher Seite förderwürdig. Von den bisherigen Bediensteten soll keiner wegen der Kooperation der beiden Häuser seinen Arbeitsplatz verlieren, wie der für St. Ingbert zuständige Landrat Theophil Gallo betonte. Vielmehr würde durch die verbesserte Effizienz freigesetztes Personal frei für andere Aufgaben.

Weiter biete die zum Ziel gesetzte wirtschaftliche „schwarze Null“ die Möglichkeit, weitere Arbeitskräfte zu binden. „Inzwischen herrscht bei uns Fachkräftemangel, deshalb ist es wichtig, qualifiziertes Personal zu binden.“ Dafür würde er sogar einen kurzfristigen Personalüberhang in Kauf nehmen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zeigte sich vom Zeitpunkt des Zusammenschlusses überrascht. Eine entsprechende Frage sei auf der Belegschaftsversammlung am 25. Januar in St. Ingbert von Geschäftsführer Eich verneint worden, erklärte Gewerkschaftssekretär Michael Quetting. Auch auf der Diskussionsveranstaltung der CDU in der vergangenen Woche (wir berichteten) sei davon nicht die Rede gewesen. Quetting sagte gestern: „Die Geheimnistuerei widerspricht einer transparenten Gesundheitspolitik im Interesse der Beschäftigten und Patienten.“ Die Gewerkschaft gehe aktuell davon aus, dass der Standort in St. Ingbert erhalten bleibe. Aber nicht nur das: „Personal darf nicht reduziert werden. Das Gegenteil ist nötig“, meinte Quetting. Aktuell kämpften die Beschäftigten der Intensivstation in St. Ingbert für mehr Personal und hätten ein Ultimatum gestellt. Grundsätzlich will sich ver.di jedoch nicht gegen den Verbund positionieren.