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Zwei faire Kandidaten kämpfen um Kirkel

Kirkel. Eine Podiumsdiskussion mit zwei fairen Kandidaten, die sich nicht ein einziges Mal anfeindeten: Da mussten die Moderatoren Peter Neuheisel (SZ) und Thomas Gerber (SR) schon kräftig schubsen, um Wahlkampfstimmung in der Dorfhalle aufkommen zu lassen. Christine Maack

Die Einwohner der Gemeinde Kirkel wählen am 11. September ihren Bürgermeister. Da wollen viele Bürger im Vorfeld natürlich wissen, was die beiden Kandidaten - Frank John (SPD ) und Carsten Baus (CDU ) - für die Gemeinde in den kommenden acht Jahren bewirken wollen.



Deshalb bot die Saarbrücker Zeitung gemeinsam mit dem Saarländischen Rundfunk eine 90-minütige Podiumsdiskussion an, die am Mittwochabend in der Limbacher Dorfhalle stattfand. Moderatoren waren Peter Neuheisel (SZ) und Thomas Gerber (SR). Das Interesse an der Diskussionsrunde war groß, schon vor Beginn um 19 Uhr waren die meisten Stühle besetzt.

Am Ende waren es rund 300 Besucher aus allen Kirkeler Ortsteilen, die in die Dorfhalle gekommen waren. Zunächst stellten sich die beiden Kandidaten kurz vor und erklärten, warum sie den Posten behalten (Frank John ) beziehungsweise gerne haben wollten (Carsten Baus).

Wie bei allen Podiumsdiskussionen sind sich die Kandidaten zunächst einmal einig: Beide wollen Kirkel voranbringen und "für alle Bürger da sein". Es oblag also den beiden Moderatoren, die Diskussion zu beleben. Was gar nicht so einfach war, zumal sich die beiden Kandidaten Baus und John gut kennen, sich schätzen und während der 90 Minuten kein böses Wort zwischen sich aufkommen ließen. Wer einen heftigen Schlagabtausch erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Lediglich in seinem Schlusssatz wurde der Herausforderer Carsten Baus deutlich: "Ein kumpelhafter Kurs schöpft die Potenziale von Kirkel nicht aus." Traditionell hat der amtierende Bürgermeister in Diskussionen einen Vorteil, man kann ihn aber auch an seinen Taten messen. "Warum steht das Praktiker-Gebäude immer noch leer, ist das nicht Ihr Ding?", wollte Thomas Gerber von Frank John wissen. Doch, betonte John: "Es könnte schon bald Interessenten geben." Das war eine Steilvorlage für Baus, der sich über die verpasste Chance ärgert, dass die HTW nicht nach Kirkel geholt worden ist: "Das wäre eine Investition in die Zukunft gewesen, ich habe beim Direktor der HTW vorgesprochen, aber es hat keinen politischen Druck dafür gegeben." Statt für die eigene Gemeinde zu kämpfen, habe die Kirkeler SPD die Linie der Landespartei vertreten und den eigenen Standort heruntergespielt.

Nun sei das Thema nicht mehr "brandaktuell", dafür war John optimistisch: "Wir werden jemanden für das Gebäude finden, ich denke, noch in diesem Jahr."

Die Opposition in Kirkel argumentiert gern, John pflege zu wenig Kontakte zu Unternehmen. "Stimmt das?", wollte Neuheisel wissen. "Nein, ich habe immer ein offenes Ohr für die Belange der Firmen", so John, "ich habe dafür gesorgt, dass für weggezogene Firmen Nachfolger gefunden wurden. Ich geh' da schon Klinken putzen." Carsten Baus hat nach eigenem Bekunden im Wahlkampf bewusst die Nähe zu Unternehmern gesucht: "Ich habe Treffen angeregt, um die Geschäftsleute mit ins Boot zu nehmen, um ihrerseits Sparvorschläge zu machen. Die Gewerbesteuer zu erhöhen, ist der falsche Weg." Nun weiß Frank John , wie wichtig die Gewerbesteuereinnahmen für Kirkel sind: "Ich schätze unsere Firmen. Natürlich kenne ich alle Unternehmer am Ort, ich bin da schon bestens vernetzt", lässt er die Vorwürfe nicht gelten.

Am Ende wollten die beiden Moderatoren von Baus und John wissen: "Warum soll man Sie wählen?" "Weil wir den Kurs wechseln müssen, um die Möglichkeiten des Standortes Kirkel voll auszuschöpfen", sagte Carsten Baus. "Weil ich wirtschaftlichen Sachverstand habe und die Belange der Bürger kenne", betonte Frank John .

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Was beschäftigt die Kirkeler Bürger mit Blick auf ihre Gemeinde? Da wurde am Dienstagabend klar: Vor allem der Verkehr belastet die Menschen. Dieses Thema nahm mit der Wortmeldung von Susanne Arend ihren Anfang. Sie beklagte, dass es "wirklich schlimm" sei, von Kirkel nach Limbach zu fahren und dabei vier Autobahnauf- und -abfahrten passieren zu müssen. "Mein Anliegen ist es, dass man dort eine Ampelregelung einführt". Kirkels Bürgermeister Frank John (SPD ) verwies hier auf die Zuständigkeit des Landes. Er machte auch klar, dass es, nach entsprechenden Verkehrsschauen, dort eine Ampel nicht geben werde. "Wir können an dieser Stelle aber besser auf die Fahrradfahrer aufmerksam machen."

Verkehr war auch das, was Max Becker vom Bayrisch Kohlhof ans Mikrofon trieb. Er beklagte, dass sich in seinem Ort früh am Morgen im Berufsverkehr wahre Rennen abspielten, er aber bislang bei den zuständigen Stellen mit diesem Problem auf taube Ohren gestoßen sei. So würde man zwar mitunter mal dort blitzen, dies aber zu deutlich verkehrsruhigeren Zeiten. "Es passiert einfach nichts." Bei den Reaktionen auf diesen Einwurf zeigten sich die Unterschiede in den Problemlösungsansätzen der beiden Kandidaten. So warb Herausforderer Carsten Baus von der CDU , anders als John, nicht zum ersten Mal, neben baulichen Straßenveränderungen wie Bodenschwellen, auch für stationäre Blitzanlagen. "Diese Dinger stehen im Saarland ja massig rum. Und ich werde mich auch dafür einsetzen, eine mobile Blitzeinheit aufzubauen."

Einen ganz anderen Verkehr, namentlich den Datenverkehr, brachte der Kirkeler Unternehmer Friedhelm Nowak in die Diskussion ein. Er beklagte, dass es in vielen Teilen der Gemeinde kein schnelles Internet gebe. Hier stellte Frank John in Aussicht, auf Basis eines Bundesprogramms auch aktuell nicht berücksichtigte Bereiche der Gemeinde mit schnellem Internet zu versorgen. "Das kommt auch für die restlichen Bereiche Kirkels." Gegenwärtig laufe der Netzausbau eines privaten Telekommunikationsanbieters in Altstadt und Bereichen von Limbach. Carsten Baus' Position in diesem Thema, gerade mit Blick auf Gewerbetreibende: "Da müssen wir ran."

Für Landwirt Walter Hirsch stellte sich ein ganz anderes Problem, ihn trieb der Zustand und der Betrieb der Kompostieranlage in Limbach um. So seien unter anderem die Öffnungszeiten und die Verkehrsführung unzweckmäßig und führten zu Verkehrschaos. Hier verwies Frank John auf die kommende Zuständigkeit des EVS ab dem Jahr 2018 und stellte in diesem Zusammenhang eine Gesamtlösung für die Anlage in Aussicht. Baus hingegen will so lange nicht warten und sich im Falle eines Wahlgewinns unmittelbar mit diesem Thema befassen.

Die Gewerbegebiete in Kirkel sprach Elke Dietz an. Sie wollte von Carsten Baus etwas zu dessen Plänen für deren Entwicklung wissen. Baus erklärte hier, dass es nicht darum gehe, neue Gewerbegebiete auszuweisen, sondern bestehende vernünftig zu nutzen. Zuhörerin Claudia Hock-Holtstiege schließlich warb dafür, den gut funktionierenden öffentlichen Nahverkehr besser zu nutzen und auch mehr Parkplätze für Bahnnutzer zu schaffen.