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Ausstellungseröffnung
Zwischen Abstraktion und Gegenstand

 Daniela Busse (hinten, dritte von links) konnte sich am Freitag bei ihrer Premieren-Ausstellungseröffnung im ASB-Seniorenzentrum in Limbach über richtig viel Zuspruch freuen.
Daniela Busse (hinten, dritte von links) konnte sich am Freitag bei ihrer Premieren-Ausstellungseröffnung im ASB-Seniorenzentrum in Limbach über richtig viel Zuspruch freuen. FOTO: Thorsten Wolf
Limbach. Premieren-Vernissage für Malerin Daniela Busse mit ihren Werken „Ansichtssache“ in Limbach Von Thorsten Wolf

Wenn man sich als Künstler oder Künstlerin aus dem heimische Atelier hinaus wagt, quasi aus der Deckung geht und sich in einer ersten Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert, dann gehen einem mit Sicherheit viele Sachen durch den Kopf: Welche Bilder soll man zeigen, welche Werke sind wirklich charaktergebend? Und, ganz profan: Wieviele Besucher lockt eine solche Premiere an? Nicht auszudenken, man stünde bei seinem ersten öffentlichen Auftritt mit den Werken ganz alleine in der Welt! Nun ist nicht überliefert, ob, und wenn, welche sorgenvollen Gedanken sich die Malerin Daniela Busse im Vorfeld ihrer Premieren-Vernissage am vergangenen Freitag im ASB-Seniorenzentrum in Limbach gemacht hat. Auf ihrer Haben-Seite konnte sie aber schon gleich zu Beginn einen deutlichen Zuspruch für ihre Ausstellung verbuchen. Und das nahm mit Sicherheit einigen Druck von ihren Schultern. Noch bevor Kirkels Bürgermeister Frank John, er ist in Personalunion auch Kreisvorsitzender des ASB, die Ausstellung offiziell im Bistro des Hauses eröffnete, gab es für Daniela Busse schon mal eine kleine Premiere vor der großen Premiere: das erste Pressegespräch. „Ja, mein Puls ist schon ziemlich hoch“, gestand Busse mit einem Grinsen. Schon seit der Kindheit male sie, „seit 18 Jahren in Öl“. Dabei habe sie sich vornehmlich der abstrakten Malerei verschrieben. Nun mag man als Laie sagen: Abstrakt ist ja schon ziemlich einfach, immerhin muss man sich nicht an bekannte Formen, Perspektiven und den vorgegebenen Rahmen des Gegenständlichen halten. Doch das ließ Busse im Gespräch mit unserer Zeitung so nicht stehen. „Es ist eigentlich sehr schwierig, abstrakt zu malen, es kommt aus dem Bauch heraus – und dauert mitunter länger als ein Landschaftsbild.“ Und was kommt aus dem Künstler-Bauch der Daniela Busse? Hier geht die Ottweilerin, die selbst im ASB-Seniorenzentrum Limbach beschäftigt ist, durchaus entlang des schmalen Grats zwischen reiner Abstraktion und deutlichen Anklängen bei der Gegenständlichkeit. Mal sind es tatsächlich ungebundene Farbstrukturen, die ein Werk beherrschen, mal nachvollziehbare Formen, die Busse in den Grenzbereich der Abstraktion zieht – vor allem dann, wenn sie Gegenständliches seinem natürlichen Bezug entzieht. Das entfernt Busses Arbeit vom Elfenbeinturm des „ich sehe was, was du nicht siehst“ und stellt sie stattdessen mitten unter die Menschen, für die als Betrachter die Werke gedacht sind. Dass Busses Ausstellung unter dem Titel „Ansichtssache“ firmiert, lässt zudem einen sehr individuellen und freien Zugang zu den insgesamt 30 Werken zu – zu sehen im Bistro und in den Hauptfluren im ersten und zweiten Stock des Seniorenzentrums.


Die Ausstellung ist nicht nur eine Premiere für Daniela Busse selbst, sondern auch für das ASB-Seniorenzentrum in Limbach. Andreas Jene, Leiter des Hauses: „Wir wollen das Seniorenzentrum zum einen als Ort für Kultur öffnen. Zum anderen wollen wir auch den Bewohnern hier etwas bieten. Und wir möchten Künstlern einen Raum bieten.“ Drei Ausstellungen, so Jene, fasse man pro Jahr ins Auge. Mit dem neuen Angebot wolle man auch das Bistro des Hauses, ein Ort für Jedermann, in Richtung Dorf noch mal mehr ins Bewusstsein rücken, weil: „Die Berührungsängste, ins Seniorenzentrum zu kommen, sind hoch“, räumte Jene ein.

„Es ist immer noch negativ besetzt.“ So wäre es schön, wenn die Leute einfach so hierherkommen würden, ohne Druck zu haben, „die einfach zu uns kommen, weil wir einen Osterbasar, ein Sommerfest, ein Weihnachtsfest oder ähnliches feiern, das wäre toll!“