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Gerüchte in Kirkel
Lebt Meister Isegrim im Kirkeler Wald?

In Kirkel kommen immer wieder Gerüchte auf, im Kirkeler Wald lebten Wölfe. Doch bislang wurde noch keiner offiziell bestätigt. Zudem, so Ortsvorsteher Limbacher, sei der Kirkeler Wald aufgrund seiner Struktur für Wölfe mit Bleibewunsch ungeeignet.
In Kirkel kommen immer wieder Gerüchte auf, im Kirkeler Wald lebten Wölfe. Doch bislang wurde noch keiner offiziell bestätigt. Zudem, so Ortsvorsteher Limbacher, sei der Kirkeler Wald aufgrund seiner Struktur für Wölfe mit Bleibewunsch ungeeignet. FOTO: Ingo Wagner / dpa
Kirkel. Die Gerüchte halten sich hartnäckig. In den Wäldern um Kirkel sollen ein oder mehrere Wölfe gesichtet worden sein. Bestätigt wurden diese Sichtungen bislang allerdings nicht. Und auch im Kirkeler Rathaus ist das Thema kein Aufreger. Von Thorsten Wolf

Gibt es einen oder mehrere Wölfe im Kirkeler Wald? Seit Wochen hält sich das Gerücht, dass „Canis Lupus“ in der beschaulichen Burggmeinde sein Zelt aufgeschlagen hat, mal wird von drei Wölfen gemunkelt, mal von einem Pärchen gesprochen. Eben diese Gerüchte hat auch Limbachs Ortsvorsteher Max Victor Limbacher kürzlich in den amtlichen Bekanntmachungen der Gemeinde aufgegriffen. Limbacher ging da auch auf den Fall eines gerissenen Kalbes auf dem Wörschweiler Hof ein. Dieser wird wohl mitunter als „Beweis“ angeführt. Dass man, von welcher Stelle auch immer, solche Fälle „unter der Decke“ halte, trage für ihn nicht, so Limbacher – würde es doch schlicht auffallen, wenn sich ein Wolf oder mehrere Wölfe aufgrund des eher überschaubaren natürlichen Nahrungsangebotes über einen längeren Zeitraum an Tieren der umliegenden Höfe gütlich halten würden. Zudem sei der Kirkeler Wald aufgrund seiner Struktur für Wölfe mit Bleibewunsch ungeeignet, sei er doch zu eng und zu stark von Menschen genutzt. „Deshalb schon einmal von dieser Warte aus Entwarnung: Standortwölfe im Kirkeler Wald sind unwahrscheinlich, durchziehende Tiere allerdings nicht.“



Auch Kirkels Bürgermeister Frank John zeigt sich im Angesicht der immer wieder aufkommenden „Wolfs-Gerüchte“ wenig aufgeregt. Auch machte John deutlich, dass man als Gemeinde grundsätzlich in einem „Fall Wolf“ keine Zuständigkeit habe, „das ist dann eine Landessache.“ Natürlich habe er mitbekommen, dass der Wolf in der Gemeinde ein Thema sei, ihm sei aber nicht bekannt, dass durch Jäger oder andere, die im Wald unterwegs seien, entsprechende Vorfälle, so Sichtungen eines Wolfes, gemeldet worden seien. „Ich bin auch nie direkt darauf angesprochen worden.“

Tatsächlich gibt es ein klares Verfahren, mit dem seitens der zuständigen Stellen im Saarland geprüft wird, ob wirklich ein Wolf präsent ist oder nicht. Der Nachweis stützt sich dabei auf eindeutige und dokumentierte Beweise. Das Saarland selbst hat sich mit einem sogenannten „Wolfs-Managementplan“ auf die mögliche Rückkehr des Wolfes vorbereitet. Auf insgesamt 35 Seiten, öffentlich einsehbar über die Internetseite „https://www.saarland.de/wolf.htm“ (dort ist der Plan als pdf-Datei zum Herunterladen hinterlegt) kann sich jeder über das informieren, was möglicherweise zu erwarten ist – und was im Fall der Fälle durch das zuständige saarländische Umweltministerium, aber auch durch die Bevölkerung zu regeln und zu beachten ist.

Tatsächlich lässt der Plan kaum eine Facette aus. Von der Beschreibung des Wolfs, auch in der Unterscheidung zu verschiedenen Hunderassen, über das richtige Verhalten für den Fall einer Begegnung mit dem Tier und Präventionsmaßnahmen für Nutztierhalter bis hin zur Schadensregelung bei nachgewiesenen Wolfsrissen wird detailliert beschrieben, wie man in einer möglichen Zukunft das Zusammenleben mit Wölfen zum bestmöglichen Wohle aller regeln will. Dabei ist zu beachten: Wölfe stehen unter strengem Schutz und sind durch eine ganze Reihe von Abkommen, so das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, das Übereinkommen zum Schutz der europäischen Wildtiere und natürlichen Lebensräume (Berner Konvention), die FFH-Richtlinie, das Bundesnaturschutzgesetz und die Bundesartenschutzverordnung geschützt. Zudem finden sie sich auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere Deutschlands.

Dies bedeutet: Dem Abschuss von Tieren sind sehr, sehr enge Grenzen gesetzt. „Die vorsätzliche Tötung eines Wolfs stellt einen Verstoß gegen die artenschutzrechtlichen Zugriffsverbote dar und kann nicht nur als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld, sondern auch als Straftat geahndet werden. Das Gesetz sieht hierbei eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. Zudem können Jagdscheininhaber mit dem Entzug ihres Jagdscheins belangt werden“, so der Wortlaut im Wolfs-Management.

Der Plan macht aber auch deutlich: „Als Maxime gilt : Die Sicherheit des Menschen geht immer vor und deshalb kann im Einzelfall auch die Entnahme eines Wolfes sinnvoll und erforderlich sein.“

In der Kirkeler Gemeindeverwaltung kennt man die Gerüchte über einen oder mehrere Wölfe im Kirkeler Wald.
In der Kirkeler Gemeindeverwaltung kennt man die Gerüchte über einen oder mehrere Wölfe im Kirkeler Wald. FOTO: Thorsten Wolf